Sundance Filmfestival Wo Hollywood-Stars ihre kreativen Seiten ausleben

Die Präsenz großer Hollywood-Namen beim diesjährigen Sundance-Filmfestival ist unübersehbar. Im 19. Jahr seines Bestehens ist Robert Redfords Wettbewerb der Independent-Produktionen zum Tummelplatz für Stars geworden, die sich abseits des Mainstreams austoben wollen.


Spielt lieber in unabhängigen Produktionen: Schauspieler Thornton
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Spielt lieber in unabhängigen Produktionen: Schauspieler Thornton

Park City/Utah - An diesem Donnerstag wird in dem verschlafenen Wintersportort Park City der rote Teppich ausgerollt. Erwartet werden unter anderem Al Pacino, Salma Hayek, Oliver Stone und Mel Gibson - zur Abwechslung nicht in kalifornischer Hitze, sondern mit warmer Winterjacke und festen Schuhen im US-Bundesstaat Utah, wo Schirmherr und Initiator Robert Redford zum 19. Mal sein Sundance Filmfestival veranstaltet.

129 Spiel- und 90 Kurzfilme werden während des elftägigen Independent-Festivals gezeigt. Den Auftakt macht "Levity", das Regiedebüt des Drehbuchautors Ed Solomon ("Charlie's Angels"), mit Billy Bob Thornton in der Rolle eines aus dem Gefängnis entlassenen Mörders. Die Nebenrollen des Dramas sind prominent mit Morgan Freeman, Holly Hunter und Kirsten Dunst besetzt.

Al Pacino stellt das Großstadt-Drama "People I Know" (Regie: Daniel Algrant) vor, in dem der Charakter-Mime neben Kim Basinger, Ryan O'Neal und Téa Leoni spielt. Salma Hayek ("The Maldonado Miracle") und Matt Dillon ("City of Ghosts") reisen diesmal als Regisseure mit ihren Debütfilmen an, Polit-Regisseur Oliver Stone wird seinen Dokumentarstreifen über Fidel Castro präsentieren, der frühere Kinderstar Macaulay Culkin ("Kevin - allein zu Haus") versucht sein Comeback neben Seth Green in dem Krimi "Party Monster". Mel Gibson, Robert Downey Jr., Robin Wright Penn und Adrien Brody treten zusammen in dem Krimi-Musical "The Singing Detective" auf, Kevin Spacey stellt als ausführender Produzent und Darsteller das Jugendvollzugsdrama "The United States of Leland" vor.

Der langjährige Festivaldirektor Geoffrey Gilmore sieht dem neuen Ansturm aus Hollywood gelassen entgegen. Kritische Fragen, ob nicht der Geist des unabhängigen Films durch die etablierten Stars gefährdet werde, weist er zurück. "Die Schauspieler leben in diesen Filmen ihre kreative Seite aus. Sie spielen ungewöhnliche Rollen und gehen damit ein großes Risiko ein", sagte Gilmore. Er betrachtet die wachsende Zahl bekannter Namen in unabhängigen Produktionen aber auch als Beweis für die "schwierigen Zeiten" des Billig-Filmgeschäfts. Viele Jungregisseure suchten sich neuerdings bekannte Gesichter, um damit die Finanzierung eines Films zu sichern.

"Die großzügigen Geldquellen von Pay-TV-Sendern in Europa und amerikanischen Sponsoren sind durch den Kollaps der Aktienmärkte vielfach versiegt. Der Überlebenskampf beim unabhängigen Film ist recht bitter geworden", erklärt Gilmore. Andererseits kann der Sundance-Chef auf die bisher größte Zahl von Einsendungen in der Geschichte des Festivals verweisen. Waren es im letzten Jahr 1740 Spielfilme, so stieg die Zahl der Bewerber jetzt auf über 2000 an. Noch auffälliger ist der Anstieg unter den Kurzfilmen. Statt unter 2100 Anwärtern im vergangenen Jahr mussten die Veranstalter jetzt unter 3345 Kurzfilmen die besten Kandidaten aussuchen.

Gilmore führt den Ansturm auf die billigere und einfachere Digitaltechnik zurück. "Alle möglichen Leute versuchen sich jetzt plötzlich als Filmemacher. Früher musste man den Umgang mit einer Filmkamera gründlich lernen. Heute kauft man sich eine Digi-Kamera und legt los", erläutert er. Nach seinen Angaben geht der Trend in diesem Jahr zu Filmen mit "europäischer Sensibilität". Damit seien Produktionen gemeint, die zum Nachdenken anregen, interessante Geschichten erzählen und einen intellektuellen Anspruch haben. Beispiele sind "The United States of Leland" (Regie: Matthew Ryan Hoge), aber auch das Musiker-Drama "Masked and Anonymous" mit Bod Dylan und John Goodman, sowie der Science-Fiction Film "It's All About Love" des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg.

Park City und die umliegenden Ortschaften wappnen sich unterdessen für den Ansturm der erwarteten 20.000 Besuchern. Mit dem Ziel, kleine unabhängige Produktionen zu unterstützen, hatte der Hollywoodstar Robert Redford Mitte der achtziger Jahre das Filmfest gegründet und es 1991 nach seinem Sundance Institut benannt. Spätestens seit dem Millionenerfolg von "Sex, Lügen und Video", dem 1989 beim Sundance-Festival gezeigten Low-Budget-Film des damals noch unbekannten Regisseurs Steven Soderbergh, hat sich der Wintersportort einen Platz auf der Landkarte des zeitgenössischen Films gesichert.



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