Fotostrecke

Fotostrecke: Dümmliche PS-Action in 3D

Foto: Sony Pictures

Superheldenkomödie "The Green Hornet" Komm, wir sprengen die Geschichte!

Hier eine Explosion, dort ein Gag: Videoclip-Avantgardist Michel Gondry verwandelt die Popkulturlegende "The Green Hornet" mit viel Krach und wenig Kunstverstand in das Wrack einer Superheldenfabel. Kein Wunder, dass sich Christoph Waltz als Bösewicht auf Autopilot durchs Chaos spielt.

Es heißt, der Misserfolg habe nur einen Vater. Doch im Fall von "The Green Hornet" hat das Scheitern viele Gesichter. Der Kinoauftritt des ursprünglich in den 1930ern im Radio beheimateten, später in Comics und TV wiederbelebten Gangsterschrecks aus Los Angeles zeigt deprimierend deutlich, wie verschiedene Erzählansätze und ästhetische Konzepte über sehr lange 118 Minuten nicht zueinander finden.

Da wäre Hauptdarsteller und Co-Autor Seth Rogen, der die von seinem Mentor Judd Apatow ("40-Year-Old-Virgin", "Knocked Up") und ihm selbst etablierte, anzüglich-herzliche Kumpelkomödie auf das Superheldenszenario übertragen will. Der französische Regisseur Michel Gondry ("Eternal Sunshine Of The Spotless Mind") wiederum steht eher für visuelle Avantgardismen denn für geradlinige Hollywood-Dreiakter. Produzent Neal H. Moritz ("The Fast and the Furious") und das Studio schließlich hoffen auf einen event title, der dank prominenter Besetzung und 3-D-Effekten das Publikum anzieht.

Das Ergebnis dieser vielfältigen Bestrebungen ist ein Film, der keinem dieser Ansprüche gerecht wird: "The Green Hornet" zerbröselt vor den Augen der Zuschauer in seine disparaten Teile, die zuvor gleich einer Wrackrekonstruktion notdürftig im Schneideraum zusammengefügt wurden.

Eine hochgerüstete und hochpolierte grüne Hornisse

Der konfuse Gesamteindruck ärgert umso mehr, da die Geschichte eigentlich simpel ist: Der junge Tunichtgut Britt Reid (Rogen) wird unsanft aus dem Partyleben gerissen, als sein strenger Vater (Tom Wilkinson) plötzlich verstirbt. Herzstück des millionenschweren Erbes ist die Tageszeitung "The Daily Sentinel", doch Britt hat zunächst weder journalistische noch sonstige Ambitionen.

Das ändert sich, als er Kato (Jay Chou), den vielseitig begabten Automechaniker seines Vaters, kennenlernt. Die beiden befreunden sich, und nachdem eine gemeinsame nächtliche Spritztour in einer Schlägerei mit Straßenkriminellen mündet, beschließt man kurzerhand, fortan als maskiertes Gespann das Verbrechen zu bekämpfen.

Mit "The Green Hornet" als nom de guerre und einem mit allerhand Waffen und technischen Mätzchen ausgerüsteten Auto wagen sich Britt und Kato in die Unterwelt von Los Angeles. Zwecks Tarnung gerieren sie sich dabei selbst wie Gesetzlose, sehr zum Missfallen des lokalen Paten Benjamin Chudnofsky ( Christoph Waltz), der die Gangs der Stadt unter seine Kontrolle bringen will. Doch während die grüne Hornisse und Chudnofsky auf Konfrontationskurs gehen, entzweien sich Reid und Kato aufgrund ihrer Gefühle für die neue Redaktionssekretärin Lenore Case (Cameron Diaz).

Kurzum, es ist ein recht vertrauter Plot, was für eine gelungene Superheldenfabel aber keineswegs hinderlich sein muss. Allein die Erzählung ist hier nicht nur müßig, sondern auch unnötig mühselig. Die umständliche Aufklärung einer lachhaft banalen Verschwörung - die selbstverständlich auch Reids geerbte Zeitung betrifft - langweilt nicht nur das Publikum, sondern augenscheinlich auch alle Beteiligten. Allen voran Christoph Waltz, der seinen wehleidigen Psychopathen auf Autopilot spielt und ansonsten betont unbeteiligt in der Kulisse steht. Damit hat er aber noch weit mehr zu tun als Cameron Diaz, deren dümmliche Rolle als Objekt spätpubertärer Begierden in jeder Hinsicht ein Ärgernis ist.

Schwache Konkurrenz für das Batmobil

Das Einzige, was somit wirklich Fahrt aufnimmt, ist der getunte Chrysler Imperial von Reid und Kato. Offensichtlich hatten die Verantwortlichen mehr Vertrauen in die darstellerischen Qualitäten der Maschine als in ihre Schauspieler, jedenfalls verschwendet der Film einen Großteil seiner Zeit für libidinöse Detailaufnahmen des hochpolierten Fahrzeugs. Doch auch der leidlich amüsante Umstand, dass ein Vinyl-Plattenspieler zur Sonderausstattung gehört, macht aus dem Vehikel nicht mehr als eine schwache Konkurrenz zum Batmobil.

Spannend ist eigentlich nur die Frage, warum Seth Rogen die Rolle des unreifen Helden Britt Reid nicht besser interpretieren konnte. Als Autor und Darsteller hat er schließlich schon oft Figuren entworfen, denen trotz aller Defizite die Sympathien des Publikums zuflogen. Diesen gebrochenen Mannsbildern gemein war jedoch eine soziale und psychologische Erdung, die in "The Green Hornet" gänzlich fehlt. Reid wie auch Kato sind Aufschneider ohne Halt und Haltung. Rogens Loser konnten durchaus mit Sex, Drogen und Waffen experimentieren, sie blieben aber immer bewusst ihrer Underdog-Existenz und ökonomischen Realität verhaftet.

Diese Aufrichtigkeit sucht man hier ebenso vergebens wie das Gefühl für Schauplätze. Denn statt in Los Angeles könnte der Film auch in jeder anderen Großstadt mit Autobahnanbindung spielen, derart indifferent ist seine Sicht auf das Geschehen. Beliebig bleibt auch die Regie Michel Gondrys, der keine eindeutige Bildsprache für das angestaubte Abenteuer findet. Ein bisschen Retro-Chic hier, ein paar willkürliche Explosionen dort - von der zwingenden Gestaltungslust des Cliprevolutionärs Gondry fehlt jede Spur. Vielleicht wäre unter anderen Vorzeichen ein besserer Film entstanden, der sich möglicherweise sogar die koloniale Altlast der Mär vom weißen Millionär und seinem servilen asiatischen Sidekick vorgenommen hätte.

Doch das ist eitle Spekulation, nach dem Abspann bleibt indes nur inhaltsleeres Summen im Kopf: "The Green Hornet" stellt seine Ratlosigkeit in drei Dimensionen aus. Und macht keinen Stich.