Tageskarte Kino Helden in ganzer Größe

Die US-Serie "Heroes", in der die Protagonisten übernatürliche Kräfte besitzen, ist eine der wenigen gelungenen, tiefsinnigen Versuche, eine dem Comic-Genre entliehene Superhelden-Geschichte fürs Fernsehen zu adaptieren. Auf DVD sind die Folgen ungekürzt zu sehen.

Von Jörg Böckem


Einer der besten Comics des vergangenen Jahres war eine Fernsehserie. Zu erwarten war das nicht, denn obwohl US-amerikanische Fernsehautoren weltweit zu den besten ihres Faches gehören, sind sie an der Umsetzung von Comicvorlagen jahrzehntelang meist gescheitert. Die Versuche, Abenteuer gestandener Comicrecken wie Hulk, Captain America, Superman oder Batman auf dem Fernsehbildschirm mit realen Schauspielern nachzustellen, geriet meist zu albernem Mummenschanz und versprühte im besten Fall eher kruden Charme.

Serie "Heroes": Reinster, hochmoderner Comicstoff

Serie "Heroes": Reinster, hochmoderner Comicstoff

Doch seit einigen Jahren ist alles anders. Comic und Fernsehen sind stärker miteinander verzahnt als je zuvor, oft zum Nutzen beider Medien. Comicadaptionen wie "Smallville" haben gezeigt, dass Superhelden auch im Fernsehen eine gute Figur abgeben können, TV-Serienerfolge wie "Dark Angel" oder "Alias" sind tief im Comicgenre verankert, Fernsehautoren schreiben aufsehenerregende Comics, und ihre Comic-Kollegen arbeiten für das Fernsehen.

Jetzt also "Heroes". Eine Gruppe von Menschen entdeckt, unabhängig voneinander, außergewöhnliche Fähigkeiten an sich selbst, eine geheime Regierungsorganisation versucht, diese Menschen unter Kontrolle zu bekommen. Ein junger Genetiker bemüht sich, die Mutationsthesen seines ermordeten Vaters zu beweisen und die Hintergründe seines Todes aufzuklären. Ein mit besonderen Kräften ausgestatteter Serienmörder metzelt sich durch die USA, und New York droht, von einer gewaltigen Explosion zerstört zu werden.

Reinster, hochmoderner Comicstoff eben, in Thema, Charakterzeichnung und Erzählweise. Aber eben auch eine phantastische TV-Serie. Den Autoren, darunter der verdiente Comicveteran Jeph Loeb, der auch als Co-Produzent der Serie fungiert, gelingt es meisterhaft, mehr als ein halbes Dutzend Erzählstränge miteinander zu verflechten und komplexe Charaktere zu kreieren – Menschen, für die die Entdeckung ihrer Fähigkeiten eine mitunter traumatische, lebenserschütternde Erfahrung darstellt. "Heroes" schildert das Ringen der Helden um Normalität und die Sinnsuche in einer veränderten Welt und bezieht daraus einen großen Teil der Spannung, ohne auf Action, Sex und Gewalt zu verzichten. Ein hochmoderner Bildschirmcomic für Erwachsene.

So hätten die X-Men ausgesehen, wenn sie heute für das Fernsehen konzipiert worden wären. Leider ist auf RTL 2 nur eine geschnittene, lieblos synchronisierte Fassung von "Heroes" zu sehen. Ende Januar erscheint der erste Teil der Serie als deutsche DVD-Box. Wer nicht warten möchte, dem sei die amerikanische empfohlen, die bereits erschienen ist.


DVD "Heroes" (Universal). Deutsche Fassung erscheint am 31.1., die amerikanische Fassung ist bereits erschienen.



insgesamt 17 Beiträge
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saschalorenz 03.01.2008
1. Ging mir auch so
Mir war mal aufgefallen, dass die Folgen, welche Nachts wiederholt werden, zumindest in einigen Szenen ein wenig "mehr" zeigen. Gegen die üble Übersetzung (Hiro spricht im Original in den ersten Folgen fast nur Japanisch, so wirken im Deutschen einige Szenen "naiv") hilft das leider auch nicht weiter.
AeonCor 03.01.2008
2. Warum machen es ORF und SF besser?
Wie kann es nur sein, dass bei so guten Serien wie Heroes, Dr. House, Desperate Housewives oder Grey's Anatomy kein Interesse unserer GEZ finanzierten Sender zu sehen ist? So landen diese Sender bei unseren ach so geliebten werbefinanzierten Sendern, die sie zerstückeln, lieblos das Format ändern und uns so servieren. Wenn man sich anschaut, wie das die nach einem unserer GEZ sehr ähnlichen System finanzierten Österreichischen und Schweizer Sender machen, möchte man auswandern. ORF1 und SF2 zeigen diese Serien im Origialformat (16:9), wahlweise mit Deutschen oder Englischen Ton, mit Dolby Mehrkanalton und unverstümmelt. Das komplette Versagen von ARD und ZDF kombiniert mit der reinen Gewinnoptimierung der WERBEFINANZIERTEN Sender verschafft uns Deutschen nur noch die Wahl zwischen Premiere (man vergleiche Battlestar Galactica auf Premiere Serie mit der verstümmelten Version auf RTL 2) und der Kauf-/Leih-DVD. Glücklich sind diejenigen, die per Satellit empfangen und die Sender des benachbarten Auslands sehen können. Aber zum eigentlichen Thema: Heroes ist wirklich bemerkenswert. Liebe Gruesse
Jottenn 03.01.2008
3. Volle Zustimmung
Zitat von AeonCorWie kann es nur sein, dass bei so guten Serien wie Heroes, Dr. House, Desperate Housewives oder Grey's Anatomy kein Interesse unserer GEZ finanzierten Sender zu sehen ist? So landen diese Sender bei unseren ach so geliebten werbefinanzierten Sendern, die sie zerstückeln, lieblos das Format ändern und uns so servieren. Wenn man sich anschaut, wie das die nach einem unserer GEZ sehr ähnlichen System finanzierten Österreichischen und Schweizer Sender machen, möchte man auswandern. ORF1 und SF2 zeigen diese Serien im Origialformat (16:9), wahlweise mit Deutschen oder Englischen Ton, mit Dolby Mehrkanalton und unverstümmelt. Das komplette Versagen von ARD und ZDF kombiniert mit der reinen Gewinnoptimierung der WERBEFINANZIERTEN Sender verschafft uns Deutschen nur noch die Wahl zwischen Premiere (man vergleiche Battlestar Galactica auf Premiere Serie mit der verstümmelten Version auf RTL 2) und der Kauf-/Leih-DVD. Glücklich sind diejenigen, die per Satellit empfangen und die Sender des benachbarten Auslands sehen können. Aber zum eigentlichen Thema: Heroes ist wirklich bemerkenswert. Liebe Gruesse
Das kann ich nur voll und ganz unterschreiben! "Kleine Länder" mit anscheinend "größeren Köpfen" und visonäreren Menschen im Management... Gruß
gruetzekraftwerk 03.01.2008
4. Heroes im ÖR-TV
Ich bin auf Heroes vor einem halben Jahr bei der BBC aufmerksam geworden ... für die Serie wurde massiv mit Programmhinweisen und Webspecials geworben, dass man es einfach anschauen musste. Dazu wird nach jeder Folge ein "Making-of" gezeigt und selbstverständlich lief die Serie auch in HDTV auf BBC HD. Dass sowas nicht bei den ÖRs läuft ist klar, würde ja das ganze Programmkonzept stürzen. Dass das ganze bei RTL2 auch noch geschnitten wird, passt ins Bild ... ich freu mich schon auf die deutsche Fassung von "Doctor Who", die bei Pro7 im Vorabendprogramm versauern wird.
donfuan, 03.01.2008
5. Dummerweise
leider fällt die 2. Staffel vom Niveau sehr ab, nicht nur wegen des Autorenstreits. Ist deshalb ja nur 12 Folgen lang. *** Alle die noch schauen wollen, lesen jetzt besser nicht weiter!!! *** So tauchen alle Totgeglaubten wieder auf, Cylar, Peter Petrelli, Nathan Petrelli, etc. Statt sich einen interessanten Plot mit neuen Charakteren und anderem "Setting" zu überlegen, ist man bei altbewährtem hängengeblieben. Wieder eine globale Katastrophe, die verhindert werden muss, diesmal halt ein Virus. Ich werde mir die dritte Staffel nicht mehr antuen.
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