Tageskarte Kino Zombies mit Halsband

Jeder sollte einen haben: In der liebenswerten Zombiesatire "Fido" sind die Untoten freundliche Helfer für die Probleme des Alltags. Nur ein gelegentlicher Hang zum Massaker stört die friedliche Idylle.

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Zombies sind irgendwie sympathisch. Sie sind schließlich schon gestorben, dafür verdient man erstmal einen Mitleidsbonus; außerdem sind sie langsam, kämpfen gegen unausweichliche Verwesung und haben immer Hunger – ein hartes Los. Dennoch werden sie im Kino allgemein als böse, blutrünstige Monster dargestellt (blutrünstig mag stimmen), die die Menschheit ausrotten wollen und denen es unter allen Umständen den Kopf vom Körper wegzuschießen gilt. Unfair.

DVD "Fido": Liebeserklärung an die Zombiewelt

DVD "Fido": Liebeserklärung an die Zombiewelt

Aber es gibt auch Filmemacher mit Verständnis für die Nöte der Untoten. Der kanadische Regisseur Andrew Currie ist so einer, und sein Film "Fido", dem hierzulande leider kein offizieller Kinostart vergönnt war, ist so etwas wie eine kleine, sehr lustige Liebeserklärung an die Zombiewelt. Der Spaß spielt in einem bunten, fünfziger-Jahre-haften Vorstadtparadies mit dem Namen Willard, wo der Rasen immer grün und der Himmel immer blau ist, und alle in seliger Harmonie ihre lustvoll spießige Idylle genießen.

Das Leben könnte nicht angenehmer sein, besonders seit für lästige Arbeiten wie Putzen, Aufräumen oder Zeitung holen eine Armee von Zombies zur Verfügung steht. Die hatte nach einer mysteriösen Strahlenkatastrophe aus dem Weltall ihre Gräber verlassen und weltweit Chaos angerichtet, bis die Firma ZomCon ein elektronisches Halsband entwickelte, das den Hunger auf Menschenfleisch zügeln konnte und die Bestien zu harmlosen, etwas debil wirkenden Bediensteten mutieren ließ.

Seitdem hat in Willard jeder, der etwas auf sich hält, mindestens einen Untoten im Haus. Außer Helen (Carrie-Ann Moss) und Bill (Dylan Baker), die sich keinen leisten können, was Helen aus Furcht vor sinkendem gesellschaftlichen Status entsetzlich findet, für den Zombie-traumatisierten Bill allerdings überaus erfreulich ist. Helen besorgt sich dann doch ein Exemplar (Billy Connolly), der zwar etwas tollpatschig ist, aber schnell zum besten Freund von Sohnemann Timmy (K'Sun Ray) wird, der sonst niemanden hat, der ihm zuhört.

Abgesehen von Vater Bills Entsetzen über den neuen Mitbewohner mit dem Namen Fido könnte alles perfekt sein, wenn da nicht diese eine Fehlfunktion Fidos Halsband vorübergehend außer Kraft setzten und ihm die ungeliebte Nachbarshexe schmackhaft machen würde. Timmy vertuscht den Vorfall ein bisschen ungeschickt, weswegen Fido (und zugegebenermaßen ganz Willard) in größte Gefahr gerät, obwohl sich bald herausstellt, dass er auch ohne Halsband ein liebenswürdiger Geselle ist, und nur die frisst, die ihm oder seinen Freunden Böses wollen.

"Fido" ist keine schnelle, vor großen Lachern berstende Zombie-Komödie wie "Shaun of the Dead", stattdessen erzählt Currie seine Geschichte ganz ruhig und mit fast schon plätschernder Gelassenheit. Alles passiert wie nebenbei, sei es ein netter Plausch mit dem süßen Nachbarsmädchen oder ein gelegentliches, mit vielen Splatter-Effekten angereichertes Massaker – alles geschieht in herzlicher Idylle und Harmonie. Das macht den Film so amüsant und durchgehend liebenswert, dass man fast selbst gern einen Zombie-Freund hätte. Und sei es nur zum Beweis, dass er nur die anderen und nicht einen selbst fressen würde, wenn das Halsband mal ausfällt.


DVD Fido (Ascot Elite).



insgesamt 17 Beiträge
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CouchPotato, 13.03.2008
1. widerlich
Zitat von sysopJeder sollte einen haben: In der liebenswerten Zombie-Satire "Fido" sind die Untoten freundliche Helfer für die Probleme des Alltags. Nur ein gelegentlicher Hang zum Massaker stört die friedliche Idylle. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,541011,00.html
Auch wenn sich der Artikel und das Thema irgendwie lustig liest, ist es doch erschreckend, wieviele Leute Gefallen an ZOMBIE-Filmen finden und welch Inflation von ZOMBIE-Filmen seit längerem die Kinos und DVDs heimsucht. Es gibt nichts ekligeres und abstoßenderes, als menschenähnlichen gräßlich entstellt verwesenden grunzenden Zombies dabei zuzuschauen, wie sie aus Menschen Haut, Fleisch und Eingeweide rausreißen und losschmatzen? Wer einmal sowas gesehen hat, kann sich doch nur mit Abscheu abwenden und sowas nie nie wieder gucken wollen. Sind die Zuschauer dank Killerspielen und Gewalt-Splatterfilmen mittlerweile so degeneriert, daß sie sich ZOMBIE-SCHUND anschauen und sich ergötzen an solch ekelhaften Szenen? Und nein, komme mir Niemand mit Sozialkritik oder Konsumkritik, die z.B. ein Romero mit seinen ZOMBIE-Filmen ausdrücken wollte. Dann soll er einen sozialkritischen Film drehen und direkt auf den Punkt kommen, anstatt voyeuristische Ekelfilme zu schaffen, die die Allermeisten doch nur zum Ergötzen an Blut und Gedärm nutzen wollen und sicher nicht zur Sozialkritik.
bailomatic 13.03.2008
2. ...
Es ist doch nur ein Film…. Und nur eine Unterhaltungsform von vielen, und ihn diesem Bereich darf man ruhig sich das antun was einem selbst zusagt solange es gesetzeskonform ist ;) Ist schon ein wenig hart von dir Menschen an Hand der Filme die sie bevorzugen als degeneriert zu bezeichnen… Falls du wirklich etwas Abstoßendes sehen möchtest und selbst hier erlaube ich mir kein Urteil über den Geisteszustand der Zuschauer, wirf ein Blick auf einen der Kämpfe in der UltimateFightingChampionship oder UFC. Unter den Zuschauern findest du auch genug Berühmtheiten, darunter auch Oscar-Gewinner, die alleine mit ihrer Präsenz bei solchen Veranstaltungen diese Unterhaltungsform weiter nach oben pushen. Vielleicht wäre hier Kritik angebracht. Nicht alles so ernst nehmen bitte…hej die Sonne scheint ich gehe mal in den Park mein BMX-Rädchen fahren…auch ne Unterhaltungsform, ich hoffe du hast keine Vorurteile gegen erwachsene Männer auf Kinderrädern… ;) Dann noch einen schönen Tag…
Quaksprech, 13.03.2008
3. Titel
Tja sehen Sie, so unterschiedlich sind die Geschmaecker. 'CouchPotatoe' findet diesen (und andere) Zombie-Film aus nachvollziehbaren Gruenden abstossend.
Glu3 13.03.2008
4. Zombies - eine verkannte Volksgruppe
Zitat von CouchPotatoAuch wenn sich der Artikel und das Thema irgendwie lustig liest, ist es doch erschreckend, wieviele Leute Gefallen an ZOMBIE-Filmen finden und welch Inflation von ZOMBIE-Filmen seit längerem die Kinos und DVDs heimsucht. Es gibt nichts ekligeres und abstoßenderes, als menschenähnlichen gräßlich entstellt verwesenden grunzenden Zombies dabei zuzuschauen, wie sie aus Menschen Haut, Fleisch und Eingeweide rausreißen und losschmatzen? Wer einmal sowas gesehen hat, kann sich doch nur mit Abscheu abwenden und sowas nie nie wieder gucken wollen. Sind die Zuschauer dank Killerspielen und Gewalt-Splatterfilmen mittlerweile so degeneriert, daß sie sich ZOMBIE-SCHUND anschauen und sich ergötzen an solch ekelhaften Szenen? Und nein, komme mir Niemand mit Sozialkritik oder Konsumkritik, die z.B. ein Romero mit seinen ZOMBIE-Filmen ausdrücken wollte. Dann soll er einen sozialkritischen Film drehen und direkt auf den Punkt kommen, anstatt voyeuristische Ekelfilme zu schaffen, die die Allermeisten doch nur zum Ergötzen an Blut und Gedärm nutzen wollen und sicher nicht zur Sozialkritik.
Vielleicht hätten Sie als Einführung nicht das Wort Lustig nehmen sollen, vielleicht aber doch, denn so könnte es sich um Ihren Text um eine Satire, gar eine Provokation handeln ... Oder sind Sie vielleciht soghar ein heimlicher Fan dieses Genres? Egal ... es ist halt eine Geschmackssache, ob ich den Anblick von Theaterblut ertragen kann. Oder den offenen Selbstmord eines Romeos auf den Bühnen der Welt, vielleicht einfach nur einen gut geschminkten Schauspieler auf DVV, der zum Leidwesen der anderen Protagonisten einen großen Hunger auf Menschenfleisch verspürt ... Genauso wie viele Menschen die schauspielerische Leistung bewertebm gibt es auch eine handvoll Personen die einen großen Wert aud special Effects legen. Diese tzeigen sich durch Lichtschwerter oder abgerissene GLiedmaßen, die wir nicht nur in Zombiefilmen oder "Gewalt-Splatterfilmen" zu sehen bekommen. Besonders schrecklich ist das degenerierte Publikum, was sich auf allen öffenltichen Sendern um die volsktümliche Hitparade tummelt, im Dunst von Haldol dem Treikben beiwohnt unf aufgeregt in die Hände klatscht, wenn ein Hansi Hinterseer seine klugen KOmmentare von sich gibt.
M.S.Schneider, 13.03.2008
5. !
Zitat von CouchPotatoAuch wenn sich der Artikel und das Thema irgendwie lustig liest, ist es doch erschreckend, wieviele Leute Gefallen an ZOMBIE-Filmen finden und welch Inflation von ZOMBIE-Filmen seit längerem die Kinos und DVDs heimsucht. Es gibt nichts ekligeres und abstoßenderes, als menschenähnlichen gräßlich entstellt verwesenden grunzenden Zombies dabei zuzuschauen, wie sie aus Menschen Haut, Fleisch und Eingeweide rausreißen und losschmatzen? Wer einmal sowas gesehen hat, kann sich doch nur mit Abscheu abwenden und sowas nie nie wieder gucken wollen. Sind die Zuschauer dank Killerspielen und Gewalt-Splatterfilmen mittlerweile so degeneriert, daß sie sich ZOMBIE-SCHUND anschauen und sich ergötzen an solch ekelhaften Szenen? Und nein, komme mir Niemand mit Sozialkritik oder Konsumkritik, die z.B. ein Romero mit seinen ZOMBIE-Filmen ausdrücken wollte. Dann soll er einen sozialkritischen Film drehen und direkt auf den Punkt kommen, anstatt voyeuristische Ekelfilme zu schaffen, die die Allermeisten doch nur zum Ergötzen an Blut und Gedärm nutzen wollen und sicher nicht zur Sozialkritik.
Großartig! Das ist Wasser auf die Mühlen aller, die den Zombiefilm 'an sich' liebgewonnen haben. Zombiefilme SIND Sozialkritik, man muss sie nur richig lesen können. "I walked with a Zombie", "Night of the living dead", "Braindead", das sind Klassiker, nicht zu vergessen den ganzen Italo-Trash. Der Zombie symbolisiert perfekt den alltäglichen Stumpfsinn, den "tierhaften" Hedonismus des Massenmenschen, er ist Faschismus-Kritik, Kapitalismus-Kritik (Zombies im Kaufhaus: Fantastisch, dass all die Untoten von den letzten Resten ihrer kapitalistischen Prägung noch zum Einkaufscenter getrieben werden. Besser geht's nicht.) Oder man muss ich nur ansehen, wie der Zombiefilm in den Jahrzehnten seiner Existenz sich verändert hat: Früher stapften die Untoten noch tumb umd stumpf als Fressmasse durch die Gegend, heute rennen und springen sie, sind zielstrebig (28 days later usw.) und aggressiv. Ihre Reaktion ist deshalb so interessant, weil sie genau das zum Ausdruck bringt, was den Zombiefilm ausmacht: Der Vampir ist der schicke Verführer, der Werwolf der Wunsch, seinen Energien und 'Trieben' freien Lauf zu lassen. Jedes Monster und Ungeheuer hat sein 'freudsches Gegenstück' im Menschen, ist wie auch immer wundervoll psychologisch oder soziologisch ausdeutbar. Der Zombie ist sperriger. Denn er wird mit Ekel verbunden, mit einem scheinbar grundsätzlichen Nicht-Verstehen-Können (Wollen!), mit dem Zombie kann man nicht SPRECHEN, auch hat er kein Alter Ego wie der Werwolf, d.h. der Zombie ist Zombie, er verwandelt sich nicht zurück, er ist kein Sex-Rhethoriker wie der Vampir, man hat kein Mitleid mit ihm wie mit der Kreatur Frankensteins. Außerdem ist der Zombie von Anfang an Masse: Es gibt keinen Zombie-Helden, keinen Zombie-Sprücheklopfer, es gibt die Zombie-Menge, den Haufen, das Gewimmel, das Drücken und Schieben (es gibt Ausnahmen, aber sie funktionieren oft nicht, da der 'individualisierte' Zombie eher debil als bedrohlich wirkt). So ist der Zombie kein Gegenüber, er stellt nichts dar, mit dem man sich gerne identifizieren möchte, keine dunkle, verdrängte Seite. Der Zombie ist Ausdruck der Bedrohung durch eine 'Gegenmasse' (wie die Borg), er ist immer das, was ich nicht bin. Er frisst Menschenfleisch, verwest und sieht scheiße aus, er kann nicht sprechen und nicht denken, er ist immer 'die Anderen', die, die nicht verstehen können, die von außen kommen. Er will mir nichts wegnehmen, sondern ich bin sein Fleisch, er hat keine Kultur und keine Biographie. Er ist wie wir, nur ehrlicher.
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