Preisgekrönte Filmemacherin Tamara Trampe ist tot

Über fünf Jahrzehnte gehörte Tamara Trampe zu den einflussreichsten Filmemacherinnen Deutschlands. Ihr gelangen herausragende Arbeiten zum Krieg und seinen Verwüstungen. Kurz vor ihrem 79. Geburtstag ist sie gestorben.
Tamara Trampe (1942–2021)

Tamara Trampe (1942–2021)

Foto: Seeliger / IMAGO

Tamara Trampe, eine der wichtigsten Autorinnen und Dramaturginnen der deutschen Dokumentarszene, ist tot. Sie sei vergangene Woche im Alter von 78 Jahren in Berlin gestorben, teilte die Akademie der Künste am Montag unter Berufung auf ihren Partner, den Filmemacher Johann Feindt, mit.

Geboren 1942 in Woronesch in der Sowjetunion, zog Trampe im Alter von 7 Jahren nach Halle an der Saale. Nach dem Germanistikstudium und der Arbeit als Journalistin wechselte sie 1970 zur DEFA, wo sie als Dramaturgin 20 Jahre lang zahlreiche Filmprojekte mitentwickelte und begleitete.

Ab 1990 begann sie, ihre eigenen Vorhaben zu realisieren. 1992 entstand der Dokumentarfilm »Der schwarze Kasten«, eine Auseinandersetzung mit dem Überwachungsregime der Stasi anhand eines selbsterklärten »Schreibtischtäters«. Es folgte »Weiße Raben – Albtraum Tschetschenien« über die Verwüstungen des Tschetschenienkriegs, für den sie 2005 mit dem Grimmepreis ausgezeichnet wurde.

Jüngere suchten ihren Rat

Nach »Wiegenlieder« von 2012 wurde »Meine Mutter, ein Krieg und ich« (2014) zu ihrem letzten zu Lebzeiten vollendeten Film. Darin zeichnet sie ihre persönliche Familiengeschichte nach und griff auch ihre unwahrscheinliche Geburt mitten im Krieg auf einem sowjetischen Schneefeld auf. Für den Film wurde sie mit dem Heiner-Carow-Preis geehrt.

Trampe setzte ihre Filme stets mit ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur und Kameramann Johann Feindt, um. Noch bis kurz vor ihrem Tod beriet sie andere Filmemacherinnen und Filmemacher, darunter viele jüngere, bei ihren Arbeiten. Nach Angaben von Weggefährten soll sie bei rund 90 Projekten als Dramaturgin gewirkt haben.

2018 erhielt sie den Preis der DEFA-Stiftung »für herausragende Leistungen im deutschen Film«. Im Februar 2021 wurde Trampe mit dem Ehrenpreis des Verbands der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Sie habe »ein Werk geschaffen, das in seiner moralischen Komplexität, seiner Schonungslosigkeit, aber auch Empathie gegenüber seinen Protagonisten einzigartig« sei, hieß es in der Begründung.

hpi
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