Neue Filmreihe geplant Tarzan soll sich wieder durch den Dschungel schwingen

Schlichtes Männerbild, Rassismus, Kolonialismus: Die Figur des Urwald-Vorzeigeweißen Tarzan ist aus heutiger Sicht ziemlich problematisch. Trotzdem soll er einem Bericht zufolge auf die Leinwand zurückkehren.
Weißer Dschungelherrscher: Lex Barker in »Tarzan und das Sklavenmädchen« (1950)

Weißer Dschungelherrscher: Lex Barker in »Tarzan und das Sklavenmädchen« (1950)

Foto: Mary Evans / IMAGO

Bei der Suche nach einem Stoff für einen neuen Film-Franchise ist das Filmstudio Sony Pictures im Urwald gelandet: Der Konzern hat nach Informationen  des Branchenblatts »Hollywood Reporter« die Rechte an den Tarzan-Geschichten von den Nachfahren seines Erfinders Edgar Rice Burroughs gekauft. Das Sony-Studio hat sich bisher nicht zu der Sache geäußert.

Wie genau eine moderne Tarzan-Filmreihe aussehen könnte, weiß heute noch niemand. Bisher gibt es weder Details zu den geplanten Geschichten noch einen Hauptdarsteller oder Regisseur. Klar scheint dagegen, dass es nicht einfach werden wird, diese Figur auch nur ansatzweise woke nach Lianen greifen zu lassen.

Johnny Weissmüller, hier in »Tarzan und das Leopardenweib« (1946) war der populärste Lianenschwinger

Johnny Weissmüller, hier in »Tarzan und das Leopardenweib« (1946) war der populärste Lianenschwinger

Foto: Mary Evans / AF Archive / IMAGO

Der Stoff, den Burroughs ab 1912 zunächst als Fortsetzungsroman in dem Magazin »The All-Story« veröffentlichte, strotzt vor für ein heutiges Publikum problematischen Themen: Sein Tarzan ist ein weißhäutiger, blaublütiger Mann, der sich zum »König des Dschungels« aufschwingt, Angehörige lokaler Stämme lyncht, und sich selbstverständlich erst verlieben kann, als mit Jane eine weiße Frau auftaucht. Rassismus, Chauvinismus, Kolonialismus – kaum ein Thema, das heute einer kritischen Neubewertung unterzogen wird, fehlt.

Ab 1918 wurden Burroughs immens erfolgreiche Romane verfilmt, mit »Tarzan, der Affenmensch« entstand 1932 der erste Abenteuerstreifen mit Johnny Weissmüller in der Hauptrolle. Damit begann die bisher erfolgreichste Tarzan-Filmreihe, die bis zum Ende der Vierzigerjahre zwölf Filme hervorbrachte.

In Deutschland wurde der erste Film 1934 auf Betreiben der Nationalsozialisten verboten, aber bis in die Neunzigerjahre fanden die Weissmüller-Filme im deutschen Fernsehen ihre Zuschauer. Die deutsche Dialogzeile »Ich Tarzan, Du Jane« (die im Original so nie fiel) und Weissmüllers gellender Jodel-Urwaldruf gingen auch hierzulande in den Pop-Kanon ein.

In späteren filmischen Bearbeitungen gab etwa der Old-Shatterhand-Darsteller Lex Barker den Muskelmann, 1981 sorgte eine erotisch leicht aufgepeppte Version mit Bo Derek als Jane für Aufregung (viele Kritiker hielten »Tarzan – Herr des Urwalds« allerdings für unerträglich). Die letzte ernst zu nehmende Verfilmung war 1984 »Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen«, in der Christopher Lambert die Hauptrolle spielte.

Düstere Variante: Christopher Lambert in »Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen« (1984)

Düstere Variante: Christopher Lambert in »Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen« (1984)

Foto: Mary Evans / Archive Warner Brothers / IMAGO

Der Film könnte als Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Stoff dienen. Schon hier standen Zivilisationsmüdigkeit, das problematische Verhältnis des Menschen zur Natur und die Abgründe des britischen Adels im Vordergrund eines dramatischen, düsteren Films.

Ob ein junges Publikum sich allerdings noch von den alten Geschichten locken lässt, ist ungewiss. Wer nicht mit den alten Filmen aufwuchs, hat keine Verbindung zu dem Stoff. 2016 ging ein erster Versuch schief: »Legend of Tarzan« wartete mit modern animierten Affen, viel Action und einer sensibel konstruierten Geschichte auf. An den Kinokassen erfüllte er die Erwartungen der Studiobosse dennoch nicht.

kae
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