Neuer "Terminator"-Film Killerroboter folgt auf Killerroboter - bis in alle Zeiten

Arnie is back - und Linda Hamilton: "Dark Fate", der sechste Teil der "Terminator"-Reihe, dreht die Uhren zurück und erzählt den Kampf zwischen Mensch und Maschine einfach noch einmal. Das ist nicht das Schlechteste.

20th Century Fox

Es gibt wohl kaum eine Filmserie, die derart unordentlich ist wie die "Terminator"-Reihe. Das Original aus dem Jahr 1984 zog bislang vier Nachfolgefilme nach sich, die mal Fortsetzung, mal Spin-off, mal "Reboot" waren - und meist irgendwie alles gleichzeitig.

Mit "Terminator: Dark Fate" von Tim Miller, dem insgesamt sechsten Teil, folgt nun eine Revision: Der Film markiert die Rückkehr James Camerons zu der Reihe (als Produzent und Story-Lieferant) und ignoriert alle nicht von ihm inszenierten Filme, schließt also direkt an die Ereignisse von "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" an.

Doch "Dark Fate" macht gleich zu Anfang deutlich, dass sich die "Terminator"-Filme eigentlich jeder Fortsetzung entziehen. In ihnen gibt es kein wirkliches Vorher und Nachher, es gibt nur die immergleichen Kämpfe, die stets aufs Neue ausgetragen werden müssen.

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"Terminator: Dark Fate": Da sind die wieder

So spinnt auch Millers Film die Handlung seines Vorgängers nicht weiter, sondern macht sie kurzerhand rückgängig: Der Aufstand der Maschinen, der im zweiten Film unter Einsatz großer Opfer verhindert wurde - er findet anscheinend doch noch irgendwie statt, und selbst der junge John Connor (Edward Furlong), dessen Leben im zweiten Film mühsam gerettet werden musste, spielt bis auf einen Kurzauftritt keinerlei Rolle mehr. "Dark Fate" muss erst die Bühne leerfegen, damit die alte Geschichte ein weiteres Mal ihren Lauf nehmen kann.

Wieder werden aus einer Zukunft, in der sich die Maschinen gegen die Menschen erhoben haben, zwei Kampfwesen in unsere Gegenwart zurückgeschickt: Ein neuer Terminator (Gabriel Luna) soll die mexikanische Fabriksarbeiterin Dani Ramos (Natalia Reyes) auslöschen. Grace (Mackenzie Davis), eine durch technische Eingriffe auf Terminator-Stärke hochgerüstete, aber immer noch menschliche Supersoldatin, soll die Killermaschine aufhalten.

Schon bald krachen diese drei Figuren gewaltsam aneinander, und von da an folgt "Dark Fate" einem konstanten, unerbittlich vorantreibenden Rhythmus. Der Film ist im Grunde eine einzige Verfolgungsjagd, die in mehreren Etappen durch eine Reihe von gesellschaftlichen Konflikträumen führt - von der zunehmend automatisierten Fabrikhalle bis zur martialisch durchtechnisierten Grenze zwischen Mexiko und den USA. Anders als in früheren Filmen ist der Terminator dabei kein futuristischer Fremdkörper, sondern fügt sich ganz nahtlos in unsere Infrastruktur ein: Drohnen und Überwachungskameras sind ihm vertraute und hilfsbereite Artgenossen.


"Terminator: Dark Fate"
USA 2019

Regie: Tim Miller
Drehbuch: David S. Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Mackenzie Davis, Gabriel Luna, Natalia Reyes, Edward Furlong
Produktion: Skydance Productions, Paramount Pictures
Verleih: Fox Deutschland
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 24. Oktober 2019


Doch trotz dieser zeitgeschichtlichen Anklänge besteht der Reiz von "Dark Fate" vor allem darin, dass all diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen schnell eingeebnet werden und sich überall dieselbe Bedrohung offenbart. Die Figuren starren stets der eigenen Auslöschung ins Angesicht, in dem Wissen, dass sich diese Auslöschung vielleicht hinauszögern, aber niemals ganz abwenden lässt.

Es ist dieser hyperaktive Fatalismus, der die "Terminator"-Filme in ihren besten Momenten auszeichnet und aus dem auch "Dark Fate" seine mitreißende Wucht schöpft. Unter maximalen Kraftaufwand ringen hier alle, Mensch wie Maschine, um Kontrolle über ihr Schicksal - und doch bleibt dabei alles wie es immer war oder immer schon werden musste. Auf jeden zerstörten Killerroboter folgt verlässlich ein neuer. Wird ein Anführer der Menschheit ausgelöscht, erhebt sich zwangsläufig der oder die nächste. Und so weiter bis in alle Zeiten.

Zwei Wiedergänger aus früheren Filmen verkörpern dabei so etwas wie die gelassene Akzeptanz des Unausweichlichen: Arnold Schwarzenegger tritt ein weiteres Mal als Ur-Terminator auf, doch hat sich seine frühere stoische Intensität hier in abgeklärte Lakonie verwandelt.

Und Linda Hamilton als Sarah Connor ist hier zu einer alten Kämpferin geworden, für die Gewalt kein Mittel zum Zweck, sondern vor allem ein innerer Geisteszustand ist. Mit jeder Geste machen diese beiden Stars von einst deutlich, dass sie genau wissen, welchen Gang die Dinge zu gehen haben - und dass man nichts tun kann, als die vorgezeichneten Pfade trotzdem zu beschreiten.

"Es wird nicht aufhören, niemals, bis du tot bist": Irgendwann ist dieser Satz aus dem ersten "Terminator"-Film kein Anlass zu Schrecken oder Verzweiflung mehr, sondern nur mehr die Benennung einer unverrückbaren und dadurch irgendwie auch tröstlichen Tatsache.



insgesamt 19 Beiträge
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RPGNo1 23.10.2019
1. Hasta la vista, Baby!
Arnie ist Kult, Linda Hamilton ist Kult. Dass beide Schauspieler in dem Film auftreten, freut mich sehr. Ich werde ihn mir auf alle Fälle ansehen.
Sleeper_in_Metropolis 23.10.2019
2.
Wird in dem Film eigentlich auch erklärt, wieso der Arnie-T-800 nun wie sein eigener Opa aussieht ? Die menschliche Hülle eines Terminators wird ja wohl nicht altern, oder ? Zitat : "Sie (und mit ihr alle Kinozuschauer) dachte, dass sie in "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" die Menschheit vor den Killermaschinen bewahrt hätte." Also von den Kinozuschauern wohl nur diejenigen, die keinen der Nachfolgefilme gesehen haben.
RPGNo1 23.10.2019
3.
Zitat von Sleeper_in_MetropolisWird in dem Film eigentlich auch erklärt, wieso der Arnie-T-800 nun wie sein eigener Opa aussieht ? Die menschliche Hülle eines Terminators wird ja wohl nicht altern, oder ? Zitat : "Sie (und mit ihr alle Kinozuschauer) dachte, dass sie in "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" die Menschheit vor den Killermaschinen bewahrt hätte." Also von den Kinozuschauern wohl nur diejenigen, die keinen der Nachfolgefilme gesehen haben.
Die Erklärung wurde bereits im Film "Terminator: Genisys" gegeben. Die organische Außenhülle eines T-800 ist nicht unzerstörbar und unterliegt einem Alterungsprozess.
Onkel Drops 23.10.2019
4. i ll be Back...
again... zumindest wird's wohl besser laufen wie die lahmen Teile nach 2... von mir aus gerne ,freue mich drauf...
holzghetto 23.10.2019
5. ich habe aufgehört
nach Teil 1 und 2 die weiteren Filme zu gucken. Auch eine Filmreihe hat einen gewissen Abnutzungsprozess. Darum war es damals auch gut das in Zurück in die Zukunft 3 der DeLorean zerstört wurde. Obwohl mit der Lok ein weiteres Reisemittel besteht aber ohne den DeLorean ist es einfach nicht mehr zidz!
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