"The Huntsman & The Ice Queen" Jäger des verfrorenen Schatzes

Die Dramaturgie ist verwirrend, die Fantasy-Effekte sind fast zu bombastisch: Die "Huntsman"-Fortsetzung wirds schwer haben im Kino. Immerhin - der Held hat mehr zu bieten als Muckis.


Achtung! Diese Kinokritik enthält Spoiler.


Schneewittchen? War nur die Spitze des Eisbergs. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes.

Im Prequel/Sequel zu "Snowwhite and the Huntsman" lernen wir die böse Königin Jahre vor der Sache mit dem Spiegel, dem barmherzigen Jäger und den sieben Zwergen kennen. Da ist Ravenna, wiederum gespielt von Charlize Theron, bereits extrem schlecht gelaunt, ihre Schwester Freya (Emily Blunt) allerdings noch nicht.

Doch als Freya durch einen Verrat ihren Mann und das neugeborene Baby verliert, schwört sie der Liebe ab, packt eine elegante Kühlmaske ein und zieht in einen mondänen Palast aus Eis und Schnee. Dort lebt die selbst ernannte Eiskönigin fortan zwischen marmornen Eulen und eiskalter Deko, stiehlt im ganzen Land Kinder und erzieht sie zu einer persönlichen Kindersoldatenarmee aus herzlosen "Huntsmen": Der Anfang des Fantasyspektakels "The Huntsman and the Icequeen" ist eine pompöse Parade von traumatischen Erlebnissen. Auf den Kindsmord folgt der Schock, auf die Entführung die emotionale Neuprogrammierung.

Natürlich bleibt ein Rest Menschlichkeit in den Herzen der kühlen Jäger und Jägerinnen zurück. Und so glimmt bald eine Liebe zwischen Huntsman Eric (Chris Hemsworth) und Huntswoman Sara (Jessica Chastain) auf, die droht, das Eis zu schmelzen. Die Icequeen trennt folgerichtig die Lovebirds, und Eric wird Zeuge, wie Sara stirbt. Chronologisch würde sich nun Snowwhite and the Huntsman (bereits 2012 in den Kinos) anschließen, der sich an das klassische Märchen vom Schneewittchen anlehnte.

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"The Huntsman & The Ice Queen": Fantasy im "Herr der Ringe"-Modus

Aber "The Huntsman and the Icequeen" springt in der Zeit. Und der Film von Debütregisseur Cedric Nicolas-Troyan, der im ersten Teil nur für die visuellen Effekte verantwortlich war, braucht eine Weile, bis er seinen ausufernden Geschichtenstrauß in den Griff bekommt. Erst als die Story vom Prequel zum Sequel wird, und Huntsman Eric die totgeglaubte Sara wiedertrifft, die ihrerseits davon überzeugt war, Eric habe sie mutwillig verlassen, gewinnt er erzählerisch an Farbe.

Denn die Figuren, die Regisseur und Drehbuchautoren aus dem Hut zaubern, sind herrlich: Nachdem die mit zwei mürrischen Zwergen reisenden Eric und Sara erfahren, dass Nachwuchs im Zwergenreich eher zufällig entsteht, weil Männchen und Weibchen sich gegenseitig verachten, gesellen sich ausgerechnet zwei muntere Zwerginnen zur Truppe. Sie waren bislang allein unterwegs - als clevere Jägerinnen und freche Fallenstellerinnen zwischen Feenwald und diversen verbotenen Orten.

Verwirrende Dramaturgie und wenige Spannungsmomente

Diese sechs ungleichen Wesen müssen nun - ganz in "Herr der Ringe"-Manier - ihren "Schatz", den Spiegel finden, bevor Freya ihn findet, während ihnen unfreundliche Trolle und problematische örtliche Gegebenheiten in die Quere kommen. Und damit ist es noch lange nicht getan. Denn die fiesen Königinnen wollen das Happy End auf jeden Fall verhindern. Sie fahren beim großen Countdown am Ende richtig auf und lassen Tricks regnen, bis nur noch heiße Luft kommt.

Ein Film wie dieser wird es dennoch schwer haben, eine Zielgruppe zu finden: Für Romantiker/Romantikerinnen ist er zu brutal, für Actionfreunde und Freundinnen zu emotional, für Fantasyfans zu drachenfrei, für jüngere Kinder zu gewaltlastig und konfus.

Ohne Kristen Stewart, die im ersten Teil das "Snowwhite" spielte, brach zudem ein weiteres Teenager-Zugpferd weg. Dass das Projekt lange in der Schwebe hing und den Austausch einiger Autoren und Regisseure verkraften musste, resultiert in einem löchrigen Buch, dessen verschneite Motive an Hans Christian Andersens "Die Schneekönigin" erinnern - schließlich ist auch diese genau wie ihre Disney-Adaption eine Schwester, deren Gefühllosigkeit durch das großflächige Vereisen von Mensch samt Herz gekennzeichnet ist.

Doch trotz der verwirrenden Dramaturgie und wenigen wirklichen Spannungsmomenten ist die Grundidee des Films berückend - zumindest wenn man die Charaktere mit üblichen Genderbildern vergleicht: Mann (Eric) muss Frauen (Sara, später auch Ravenna und Freya) und missmutige Zwerge von der Liebe überzeugen, ist hier also - trotz gewohnt stämmiger Kampfeslust - der Emotionsknoten. Hemsworth alias Eric interpretiert seine Rolle fröhlich, energetisch und humorvoll. Dass die Heldinnen ihn beim Raufen meist schlagen, nimmt er mit einem Achselzucken hin: Nicht den Kampf, sondern die Frau will er gewinnen. Damit ist der Huntsman moderner als viele andere verbissene Actionhelden.

Im Video: Der Trailer zu "The Huntsman and the Ice Queen"

The Huntsman and the Ice Queen

    USA - 2016

    Regie: Cedric Nicolas-Troyan

    Drehbuch: Frank Darabont, David Koepp, Craig Mazin, Evan Spiliotopoulos

    Darsteller: Charlize Theron, Chris Hemsworth, Emily Blunt, Sam Claflin, Jessica Chastain, Sophie Cookson

    Produktion: Universal Pictures, Roth Films

    Verleih: Universal Pictures

    Länge: 114 Minuten

    FSK: 12 Jahre

    Start: 7. April 2016

  • Offizielle Webseite zum Film
insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
dreamdancer2 06.04.2016
1. Zielgruppe
---Zitat--- Ein Film wie dieser wird es dennoch schwer haben, eine Zielgruppe zu finden: Für Romantiker/Romantikerinnen ist er zu brutal, für Actionfreunde und Freundinnen zu emotional, für Fantasyfans zu drachenfrei, für jüngere Kinder zu gewaltlastig und konfus. ---Zitatende--- Also ich sehe mich total in der Zielgruppe: Ich mag Fantasy, Emotion, Action und Romantik. Und für Chris Hemsworth kann ich jederzeit auf Drachen verzichten :-D Samstag abend geht's ins Kino, ich freu mich drauf!
Draupadi 06.04.2016
2. Zielgruppe
Zitat von dreamdancer2Also ich sehe mich total in der Zielgruppe: Ich mag Fantasy, Emotion, Action und Romantik. Und für Chris Hemsworth kann ich jederzeit auf Drachen verzichten :-D Samstag abend geht's ins Kino, ich freu mich drauf!
Ich kann nur zustimmen! Allerdings gehe ich leider erst am Dienstag! Männer- oder Frauenfilme, für Teenager, Kinder, Frauen über 30, junge Männer, alte Männer. Und in welche Schublade passt gleich GoT nochmal? Wahrlich schrecklich wenn alte Label nicht mehr passen.
mansiehtnurmitdemherzengu 06.04.2016
3. Auf die Details achten
Vier Drehbuch-Autoren sind mindestens zwei zuviel, solche Filme taugen nicht wirklich. Ähnlich alarmierend sind nur Autor/Regisseur/Produzent in Personalunion oder zweistellige Zahlen von Produzenten (ärgerlicherweise erfährt man letztgenannte erst im Abspann).
treime 06.04.2016
4. Ha!
Das Kristin Stewart fehlt, macht den Film erst interessant! Diese Möchtegerntrulla mit dem ewig geöffneten Mund und dem immergleichen Gesichtsausdruck würde vermutlich tatsächlich "Fangirls" für den Film sammeln, ihn aber schlecht(er?) machen...
mayazi 06.04.2016
5. Also...
ließe sich doch einfach eine neue Zielgruppe für den Film erfinden: Leute, die Schnickschnack, Kawumm und Happy End mögen. Ich bin dabei :-)
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