"The Lego Movie 2" Endlich wieder Bauklötze staunen

Das Sequel "The Lego Movie 2" stellt clever das animierte Spielzeuguniversum auf den Kopf. Mit Action, Humor und viel Glitter hinterfragt es die Rollenbilder in Kino und Kinderzimmer. Unser Film der Woche.

Warner Bros.

Gerade noch feierte die Stadt Bricksburg, dass Bauarbeiter Emmet und Rebellin Lucy die kleinteilige Welt vor dem Klebstoff und damit vor dem Ende der Kreativität bewahrt haben, da naht neues Unheil: Riesenwesen mit Glubschaugen und piepsigen Stimmen treten auf den Plan und zerlegen enervierend gut gelaunt die Architekturlandschaft.

Die Heimsuchung trägt den Namen Duplo - Legos Produktlinie für die Kleinsten - und zeichnete sich bereits in der letzten Szene von "The Lego Movie" (2014) ab. Die Fortsetzung von Regisseur Mike Mitchell und dem Autoren-Produzenten-Duo Phil Lord und Christopher Miller knüpft daran an und springt nach turbulentem Auftakt fünf Jahre nach vorn: Die spielwütigen Invasoren sorgen weiterhin für Chaos und werfen fröhlich mit rosa Herzchenbomben und Glitzerstaub versprühenden Sternchen um sich.

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"The Lego Movie 2": Krise in Bricksburg

Da so kein Legostein lange auf dem anderen bleibt, hat sich Bricksburg in eine post-apokalyptische Enklave verwandelt. Auch die Bewohner haben sich den verwüsteten Verhältnissen angepasst und üben sich in grimmiger Weltuntergangsattitüde. Ausgenommen der immer sonnige Emmet, der unbekümmert an seinem Eigenheimidyll im Ödland werkelt.

Die Kinderhand Gottes

Lucy wünscht sich Emmet grundsätzlich ernster und erwachsener. Gelegenheit, sich zu beweisen, bekommt Emmet, als Lucy und andere Bricksburger, darunter der selbstverliebte Batman und das gar nicht mehr so niedliche Unikitty, von den Eindringlingen ins "Systar"-System entführt werden. Um sie zu retten, begibt sich Emmet auf eine gefährliche Reise an den Rand des Universums - respektive die Kellertür, denn wie der erste Lego-Film bereits enthüllt hat, spielt sich das epochale Miniaturdrama im Haus einer amerikanischen Familie ab.

Deren zwei Kinder Finn und Bianca greifen immer wieder buchstäblich in den Verlauf der Geschichte ein, wobei die zerstrittenen Geschwister verschiedene Spielansätze verfolgen. Was wiederum Folgen für Emmet und seine Freunde hat, die ohne bewusste Kenntnis vom gottgleichen Zugriff der Kinderhände versuchen, ihr Schicksal selbst zu formen.


"The Lego Movie 2"
USA 2019
Regie: Mike Mitchell
Drehbuch: Phil Lord, Christopher Miller
Darsteller und Synchronstimmen: Chris Pratt, Elizabeth Banks, Will Arnett, Tiffany Haddish, Stephanie Beatriz, Alison Brie, Nick Offerman, Charlie Day, Maya Rudolph, Will Ferrell, Channing Tatum, Jonah Hill
Produktion: Warner Bros.
Verleih: Warner Bros GmbH
Länge: 107 Minuten
FSK: 0 Jahre
Kinostart: 7. Februar 2019


Mehr noch als sein Vorläufer nutzt das Sequel dabei die Wechselwirkung zwischen den Erzählebenen und thematisiert dabei auch den Dauerstreit zwischen den Geschwistern. Denn der Konflikt zwischen älterem Bruder und kleiner Schwester scheint nicht zuletzt in den geschlechtsspezifisch vermarkteten Lego-Produkten festgeschrieben: Hier die DC-Superhelden, Polizisten und Raumfahrer für die Jungen, dort die filigranen, puppengleichen "Lego Friends" für die Mädchen.

Doch war die bestimmende Frage im ersten Film noch "Wer bin ich?", so geht die Fortsetzung weiter und fragt "Wer möchte ich sein?" Und findet dabei eine bezaubernd kluge Antwort, die nicht nur die Lego-Welt auf den Kopf stellt, sondern auch vermeintlich zementierte Rollenbilder im Kinderzimmer wie im Kino hinterfragt.

Ironische Selbstbespiegelung der Warenwelt

Auch Emmet muss sich selbst prüfen, als er auf seiner Odyssee den markigen Abenteuer Rex Dangervest trifft. Rex bringt alle Heldenattribute mit, die dem Bauarbeiter scheinbar fehlen: eine tolle Frisur, Dreitagebart und obendrein ein Topraumschiff, das von zahmen Sauriern gelenkt wird. lm Original werden sowohl Emmet als auch Rex von Chris Pratt gesprochen. Und dass der Film in diesem Aufeinandertreffen brillant den Werdegang Pratts vom Knuddeltypen ("Parks and Recreation") zum Action-Star ("Guardians of the Galaxy", "Jurassic World") persifliert, entzieht sich womöglich jüngeren Zuschauern, ist für das ältere Publikum jedoch ein extrem unterhaltsames Surplus.

Das gilt insgesamt für die popkulturellen Verweise, die von in Legostein gemeißelten Hommagen an Filme wie "Mad Max" oder "Zurück in die Zukunft" über hintersinnige Metakommentare Batmans zum Dasein als Lizenzprodukt bis zu einem entwaffnend komischen "Stirb langsam"-Gastauftritt von Bruce Willis reichen. Und natürlich findet auch der Ohrwurm "Everything Is Awesome" aus dem ersten Film einen würdigen Nachfolger in dem treffend betitelten "Catchy Song".

Im Video: Der Trailer zu "The Lego Movie 2"

Warner Bros.

Sicher ließe sich die ironische Selbstbespiegelung der Warenwelt als kalkulierte Zuspitzung des Product Placements abtun. Doch das würde weder dem Schöpfungswillen des Films gerecht, der in jeder Szene aufs Neue überrascht und verzückt, noch honorierte es angemessen die ansteckende Begeisterung, mit der "The Lego Movie 2" den Ausbruch aus starren Denk- und Verhaltensmustern feiert.

Von wegen, die wollen nur spielen.

insgesamt 1 Beitrag
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kangootom 07.02.2019
1. nichts für kleine Kinder
Den ersten Film mussten wir nach 5 Minuten abschalten. Selbst mir als Erwachsenen war der Film zu Hektisch und zu schnell. Man konnte der Handlung kaum folgen und es waren zu viele, zu schnelle Eindrücke für die Kinder. Eine Altersempfehlung sollte nicht allein von der Brutalität abhängen, sondern auch, ob es altersgerecht aufgenommen werden kann. Meine Empfehlung: erst ab 8 Jahren.
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