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14. März 2019, 13:29 Uhr

Fußball-Biopic "Trautmann"

Der Krieg zeigt keine Spuren

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Vom Fallschirmjäger zum englischen Pokalhelden: Marcus H. Rosenmüller verkitscht in seinem Filmporträt die Geschichte von Torwartlegende Bert Trautmann und spielt dessen Nazivergangenheit herunter.

Ein Wehrmachtssoldat, gefeiert in England - wenige Jahre nach Kriegsende. Was unwahrscheinlich klingt, machte der Fußball möglich. Am 5. Mai 1956 läuft im Londoner Wembley-Stadion vor 100.000 Zuschauern das FA-Cup-Finale zwischen Manchester City und Birmingham City, als sich Bert Trautmann unsterblich macht.

In der 75. Minute stürmt ein Angreifer auf Manchesters deutschen Torwart zu, trifft ihn aus vollem Lauf mit dem Knie im Nacken. Trautmann bleibt liegen, wird behandelt, rappelt sich auf. Er spielt weiter, weil Auswechslungen noch nicht erlaubt sind. Dank seiner Paraden gewinnt Manchester 3:1, Trautmann stemmt den Pokal in die Höhe. Erst Tage später folgt die Diagnose: Genickbruch.

Der Deutsche, der seinem Team in Todesgefahr zum Sieg verhilft und im selben Jahr zu Englands Fußballer des Jahres gewählt wird: ein Stoff, wie erdacht von Hollywood-Autoren und nun tatsächlich auf der großen Leinwand - wenn auch eine Nummer kleiner, unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller.

Der Filmemacher aus Tegernsee arbeitete sich bislang an seiner Heimat ab, debütierte mit der Lausbubenkomödie "Wer früher stirbt ist länger tot" und schuf anschließend eine Trilogie übers Aufwachsen in der oberbayerischen Provinz. Nun wagt er sich außer Landes, gar über den Ärmelkanal, hinein ins industriell geprägte Nordengland der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Rundes Leder, schöne Frau

Bert Trautmann (David Kross), der eigentlich Bernhard heißt, landet als Kriegsgefangener in Ashton-in-Makerfield, einer Kleinstadt zwischen Liverpool und Manchester. Hier sollen deutsche Soldaten entnazifiziert und aufs Leben in der Demokratie vorbereitet werden. Je nach Gesinnung stuft man sie in eine von drei Kategorien ein: "Schwarz" steht für überzeugte Nationalsozialisten, "weiß" für Regimegegner, "grau" für die Mitläufer.

Trautmann hält sich zurück, lässt sich aber vom herablassenden Lagerkommandanten wenig sagen. Eine frühe Szene führt ihm zu, was die Filmfigur für die nächsten zwei Stunden in Atem halten wird: das runde Leder sowie die schöne Margaret (Freya Mavor), passenderweise Tochter des lokalen Fußballtrainers, der gerade dringend einen neuen Torwart benötigt.


"Trautmann"
Deutschland, Großbritannien, Irland 2018
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Marcus H. Rosenmüller, Nicholas J. Schofield
Darsteller: David Kross, Freya Mavor, John Henshaw
Verleih: SquareOne Entertainment
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 14. März 2019


Es kommt, wie es kommen muss: Die anfangs stürmische Ablehnung weicht bei Margaret schnell einer Schwärmerei, zugleich avanciert Trautmann zum Star des St. Helens Town AFC. Manchester City verpflichtet "Traut the Kraut", was zu heftigen Debatten unter den Anhängern führt, bis ausgerechnet der Rabbi von Manchester dafür wirbt, dem neuen Torwart eine Chance zu geben und ihn "nach seinem persönlichen Wert" zu beurteilen.

Was Rosenmüllers Film erzählt, ist zumeist historisch verbürgt, nachzulesen etwa in der akribisch recherchierten Biografie "Trautmann's Journey" der BBC-Journalistin Catrine Clay. Der gebürtige Bremer, der in England vom verhassten Deutschen zur Fußballlegende aufstieg, blieb Manchester City 15 Jahre lang treu, galt seinerzeit als einer der besten Torhüter der Welt.

Der Krieg hinterlässt keine Spuren

Doch der Regisseur hätte nicht der Kitschgefahr erliegen sollen, die in der Lebensgeschichte lauert. So blendet der Film aus, dass sich Trautmann als Hitlerjunge mit 17 Jahren zum Militärdienst meldete, als Fallschirmjäger tötete und im Kriegsgefangenenlager zur Kategorie "schwarz" zählte. Ebenso, dass Trautmann 1948 seine neugeborene Tochter und deren Mutter ohne Abschied verließ.

Zu viel Widersprüchlichkeit will "Trautmann" seinem Helden nicht aufbürden, dazu passt auch die Besetzung mit dem jungenhaft wirkenden David Kross. Von Fotos des realen Trautmann blickt ein verlebter Mann, die Spuren des Krieges sind unverkennbar. Kross hingegen nimmt man die Strapazen nicht ab, weder die Teilnahme am "Unternehmen Barbarossa" noch die Militärhaft wegen Sabotage, den Kampf gegen Partisanen oder die Ardennen-Offensive.

So verkleben sich Heldenporträt und Liebesdrama zur Schmonzette, die der historischen Figur kaum gerecht wird. Dabei hätte gerade in deren gebrochener Biografie der Reiz des Stoffes gelegen, in der Metamorphose vom Rassisten zum Kämpfer für Toleranz und die deutsch-britische Verständigung. Doch Rosenmüller verschenkt die Chance auf eine Parabel über die Wandlungsfähigkeit des Menschen zugunsten eines gefälligen Feel-Good-Movie.

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