"Die Zärtlichkeit der Wölfe" Filmemacher Ulli Lommel ist tot

Zu seinen Weggefährten gehörten Rainer Werner Fassbinder, Andy Warhol, Russ Meyer - und Daniel Küblböck. Nun erlag Ulli Lommel, der Regisseur des Kult-Horrorfilms "The Boogey Man", einem Herzinfarkt.

ddp images/ JADIS

Der Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel, eigentlich Ullrich Manfred Lommel, ist tot. Er starb am 2. Dezember im Alter von 72 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Das berichtete zuerst die "Süddeutsche Zeitung".

Schon als Vierjähriger stand der Sohn eines Schauspielerehepaars mit seinen Eltern auf der Bühne. Mit 15 Jahren riss er von zu Hause aus, um die Nachwuchsschule der Ufa in Berlin zu besuchen. Als Zwanzigjähriger spielte Ulli Lommel dann in "Fanny Hill" von Filmikone Russ Meyer.

Einem breiten Publikum bekannt wurde er in den Sechzigerjahren - als von der "Bravo" gefeierter Teeniestar und Frauenheld. Er becircte unter anderem die Schauspielerin Iris Berben und die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, wie er dem SPIEGEL im Jahr 2010 verriet. Berühmt wurde er jedoch durch Rainer Werner Fassbinder: Der gab ihm 1969 die Hauptrolle in seinem Debütfilm "Liebe ist kälter als der Tod", der aus Ulli Lommel den "Alain Delon des Neuen Deutschen Films" machte, wie die "SZ" schreibt.

Fassbinder gab Lommel weitere Rollen und ermutigte ihn dazu, selbst Regie zu führen. Heraus kam "Die Zärtlichkeit der Wölfe", ein Film über Fritz Haarmann, der eher an einen Vampirfilm als an ein Drama erinnerte, da Kurt Raab den Massenmörder als Graf-Dracula-Version interpretierte.

Fotostrecke

6  Bilder
Ulli Lommel: Der deutsche Alain Delon ist tot

Als Lommel 1977 nach New York ging, traf er Andy Warhol, der ihn unter seine Fittiche nahm und ins Filmbusiness und ins wilde Nachtleben einführte. An Warhols Seite spielte er 1979 in "Cocaine Cowboys". Außerdem war er dort als Regisseur aktiv und drehte komplexe Dramen und Dokumentarfilme, aber auch trashige Action-Thriller. Mit seinem Horrorfilm "The Boogey Man" aus dem Jahr 1980 erlebte er seinen Durchbruch als Regisseur in Hollywood.

Horrorfilme mit romantischer Komponente

Insgesamt hat Ulli Lommel, der sich neben seiner Filmarbeit mit der Kultur der Ureinwohner New Mexicos befasste, in rund 80 Filmen mitgespielt und führte 57-mal Regie. Viele Lommel-Werke erlebten ihre Premiere jedoch erst auf den Hofer Filmtagen von 2003, die insgesamt zwölf Lommel-Filme präsentierten. Tatsächlich hatte der Künstler auch ein Händchen für Trash-Filme: So schrieb er 2004 das Drehbuch und führte Regie bei "Daniel, der Zauberer", einem lustigen Fantasy-Dokudrama über den DSDS-Star Daniel Küblböck.

Seinen letzten Film "Julia 17" drehte Ulli Lommel 2017 mit der Schauspielerin Andreea Boyer und dem österreichischen Extremkünstler Wolfgang Flatz. Sein Filmprojekt "The Death of Marilyn Monroe" blieb hingegen unvollendet - an dem filmischen Mix aus Spielszenen mit Dokumentarmaterial hatte der glühende Monroe-Verehrer Ulli Lommel mehr als 30 Jahre lang gearbeitet.

bsc

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.