Un-Amerikanische Aktivitäten US-Schauspieler-Gewerkschaft befürchtet neue "Hexenjagd"

Die US-Schauspieler-Gewerkschaft SAG befürchtet die Wiedereinführung "schwarzer Listen" mit den Namen von Darstellern, die sich gegen einen Krieg im Irak aussprechen. Anfang der fünfziger Jahre waren Schauspieler wegen vermeintlich kommunistischer Aktivitäten verfolgt und mit Berufsverboten belegt worden.

Hollywood - Die Gewerkschaft der Filmschauspieler Amerikas (SAG) hat vor der Aufstellung "schwarzer Listen" mit den Namen von Schauspielern gewarnt, die sich offen gegen einen Irak-Krieg aussprechen. Es seien Empfehlungen bekannt geworden, solche Stars "dadurch zu bestrafen, dass sie ihr Recht auf Arbeit verlieren", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung des SAG-Exekutivkomitees. Die Gewerkschaft teilte nicht mit, wer nach ihren Erkenntnissen derartige Listen gefordert hat, wie sie aus der McCarthy-Ära in den fünfziger Jahren bekannt sind. Man habe jedoch einen "Besorgnis erregenden Trend" ausgemacht.

"Diese schockierende Entwicklung legt nahe, dass die Lehren der Geschichte bei einigen auf taube Ohren gestoßen sind", heißt es in der Erklärung der SAG. Selbst bloße Überlegungen zu "schwarzen Listen" dürften "in dieser Nation nicht wieder toleriert werden". Zu den Hollywood-Schauspielern, die sich in den letzten Wochen an Protesten gegen einen Irak-Krieg beteiligt haben, gehören unter anderem Sean Penn, Susan Sarandon, Martin Sheen, Penelope Cruz, Edward Norton, Alec Baldwin und Mike Farrell.

Die Führung der SAG, die mehr als 90.000 amerikanische Schauspieler vertritt, erinnerte daran, dass die Filmindustrie Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre heimliche Berufsverbote für angebliche Sympathisanten des Kommunismus zugelassen habe. Eine derartige "Schmierenkampagne und Hexenjagd" dürfe nicht wieder hingenommen werden. "Unsere Branche versteht vielleicht besser als andere die Notwendigkeit, jene Rechte zu verteidigen und zu ehren, für die Amerikaner gekämpft haben und gestorben sind", heißt es in der Erklärung weiter.

Der US-Senator Joseph McCarthy erwirkte Ende der vierziger Jahre ein verschärftes Vorgehen seitens der Regierung gegen angeblich unamerikanische Aktivitäten. Vor den Ausschuss des US-Repräsentantenhauses mit dem Namen "House Un-American Activities Committee" (HUAC) wurden zahlreiche Schauspieler, Drehbuchautoren Künstler, Regisseure und Produzenten geladen, die oft durch bloße Vermutungen oder einseitige Denunziationen von Spitzeln in den Ruch geraten waren, mit kommunistischen Idealen zu sympathisieren. Mit einem inoffiziellen Berufsverbot wurden unter anderem Charlie Chaplin, Leonard Bernstein, Hanns Eisler, Dashiell Hammett, Arthur Miller und Orson Welles belegt.

Als US-Präsident Dwight D. Eisenhower 1953 merkte, dass McCarthy seine Spitzeleien auch auf das Militär ausdehnte, ließ er den erzkonservativen Politiker öffentlich fallen und ermutigte dadurch auch die Medien, Attacke um Attacke gegen McCarthy und seine zwanghaften Verschwörungstheorien zu formieren. Kurze Zeit später verlor er sein Senats-Mandat und verschwand in der Bedeutungslosigkeit. Unter den Nachwirkungen der "Hexenjagd" leidet Hollywood noch heute. Erst vor wenigen Jahren gab es Tumulte bei der Oscar-Verleihung, als der Regisseur Elia Kazan ("Jenseits von Eden") mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Kazan steht noch heute dazu, 1952 als einer der ersten Informanten vor dem House of Un-American Activities öffentlich gegen Kollegen aus der Filmbranche ausgesagt zu haben. Viele Gäste der 71. Oscar-Zeremonie blieben aus Protest sitzen oder verweigerten den Applaus für den vermeintlichen Verräter.

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