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Starlet Fox: Eine gefährliche Überdosis Frau

Foto: MARIO ANZUONI/ REUTERS

Unschuldsbiest Megan Fox Das Roter-Teppich-Luder

Die Regenbogenpresse liebt ihre Schlüpfrigkeit, männliche Fans verehren sie als neue Angelina Jolie - kein Wunder: Megan Fox trägt am liebsten Durchsichtig und spricht ausgiebig über die Macht der Vagina. Verkraftet Hollywood so viel Sex?

Der 4. August dieses Jahres war in den USA der Megan-Fox-Day. Es war allerdings ein umgekehrter Feiertag. Denn die Fangemeinde der 23-jährigen Schauspielerin hatte sich 24 Stunden Fasten auferlegt. Die wichtigsten Websites, die Millionen amerikanischer Jungs und Männer mit Fotos von schönen Frauen beglücken, zum Runterladen und zum Runterholen, die süffig Klatsch über weibliche Stars und Starlets verbreiten, hatten sich zusammengeschlossen, um Megan Fox einen Tag lang zu boykottieren. Keine Bilder von ihr wurden gezeigt, keine Neuigkeiten über sie vermeldet. "Wir ertrinken in ihr", stöhnte James Bassil, Herausgeber der Website AskMen.com.

Nun, man kann sich Schlimmeres vorstellen, als in Megan Fox zu ertrinken, die bei mehreren Umfragen zur "sexiest woman" auf diesem Planeten erkoren und von der Modemarke Armani unter Vertrag genommen wurde, um das Label künftig zu repräsentieren. Doch natürlich ist es auch für den stärksten Mann auf Dauer ungesund, wenn ihm ständig die Luft wegbleibt. Tatsächlich ließ uns keine andere Frau als Fox, die vor zwei Jahren durch ihren Auftritt in dem Film "Transformers" im Nu berühmt wurde, zuletzt so oft den Atem stocken. Das lag zum einen an den extrem knappen Kleidern, in denen sie sich bei den Premieren zu "Transformers: Die Rache", der Fortsetzung ihres Blockbuster-Erfolgs, rund um den Globus auf dem roten Teppich räkelte: Sie waren genauso durchsichtig wie die Absichten von Fox, ihre Fans damit um den Verstand zu bringen. Zum anderen waren ihre öffentlichen Äußerungen nicht weniger provokant als ihre Outfits. Mal gab sie volltönend von sich, der Regisseur der "Transformers"-Filme, Michael Bay, führe sich bei den Dreharbeiten auf "wie Hitler". Dann ließ sie verlautbaren, Frauen könnten Männer dominieren, weil ihnen ihre Vagina so große Macht gebe.

Dieser Sommer war ein Sommer unaufhörlicher Fox-News, mal vaginal, mal banal. Ihre streng religiöse Erziehung vermiese ihr im Bett den Spaß am Sex, klagte Fox. Wer glaubt solchen Unsinn? Fox, mit ihren langen schwarzen Haaren, ihren blauen Augen, die so fordernd, aggressiv und durchdringend sind, dass sich Männer von ihr penetriert fühlen können, mit diesen blitzenden Zähnen, die noch verführerischer wirken, weil sich dahinter ein so freches Mundwerk verbirgt, ja, diese Megan Fox ist schon eine verdammt gefährliche Überdosis Frau. Vielleicht hat sie es nun einfach etwas übertrieben.

Männer zum Nachtisch

Denn ihr neuer Film "Jennifer's Body", in dem Fox erstmals eine tragende Hauptrolle spielt und der am 5. November in die deutschen Kinos kommt, war ein gewaltiger Flop. Nur 16 Millionen Dollar spielte er in den USA ein, und auch in einigen anderen Ländern fiel er bereits durch. Selten zuvor wurde eine Schauspielerin, die in bunten Magazinen, auf den "Vermischtes"-Seiten zahlloser Zeitungen und in Celebrity-Sendungen im Fernsehen dermaßen allgegenwärtig war, vom Publikum so brutal abgestraft. Woran liegt das? Schließlich bleibt Fox dem Image, das sie in den vergangenen Jahren von sich selbst geschaffen hat, in dem Film absolut treu. Denn in "Jennifer's Body" spielt sie eine junge Frau, die Männer sehr mag - vor allem zum Nachtisch. Sie spielt die High-School-Schönheit Jennifer, die zusammen mit ihrer besten Freundin Needy (Amanda Seyfried) nach schönen Jungs Ausschau hält, sie erst mit Blicken verschlingt und später dann, leider, mit Zähnen. In "Jennifer's Body" ist Megan Fox eine sehr, sehr hungrige Männerfresserin - wer könnte dies glaubwürdiger darstellen?

Seit Sharon Stone hat es keine Schauspielerin mehr geschafft, eine ähnlich berückende Mischung aus Sex-Appeal, weiblichem Selbstbewusstsein und scharfsichtigem Witz zu verkörpern. "In den ,Transformers'-Filmen sehen Sie mich rennen und schreien", sagt Megan Fox. "Manchmal sogar gleichzeitig!" Das ist kein großer Unterschied zu der unbedingt sympathischen Ironie eines George Clooney. Er sagte über seine Rolle in Wolfgang Petersens Katastrophen-Epos "Der perfekte Sturm" (2000) einst: "Meist sehen Sie in dem Film, wie ich nass werde."

Doch Ironie war noch nie ein Erfolgsrezept in Hollywood, das bekommt nun auch Fox zu spüren. Die Schauspielerin, die in einer kleinen Stadt in Tennessee zur Welt kam und die es nach eigenem Bekunden "schon als Baby" zu den darstellenden Künsten zog, schaffte nach Aufträgen als Model und gelegentlichen TV-Rollen dank des Regisseurs Michael Bay den Durchbruch im Kino. Bereits 2003 hatte sie in Bays Film "Bad Boys 2" einen Kurzauftritt als Bikini-Schönheit unter einem Wasserfall. Mit ihrer Hauptrolle in Bays erstem "Transformers"-Film wurde sie Hollywoods Bad Girl Nummer eins. Zu 80 Prozent erzählt dieser Film von metallenen Robotern; nur Fox erinnert den Zuschauer daran, dass das wahre Leben fleischlich ist.

Der schmächtige Held der beiden Filme, gespielt von Shia LaBeouf, kann froh sein, eine Frau wie sie an seiner Seite zu haben. Als sein Wagen liegenbleibt, kümmert sie sich beherzt darum, ihn wieder in Gang zu bringen. Die Einstellung, in der sich Megan Fox im knappen Top über den Motorblock beugt, wurde zu ihrem definitiven Pin-up-Shot. Regisseur Bay engagierte Fox in erster Linie für diese Einstellung und ließ die Schauspielerin beim Casting angeblich seinen Ferrari waschen. Wenn sie im fertigen Film nun fachfraulich über die "Einspritzpumpe" redet, muss sich nicht nur der Held festhalten, um nicht einzuknicken.

"Huch, ich wusste ja gar nicht, wie durchsichtig mein Kleid ist"

Megan verkörpert genau die Frau, die mit allen Flüssigkeiten vertraut ist, die das Leben der Männer bestimmen: Öl und Benzin, Blut und Alkohol, Schweiß und Sperma. In der leidlich amüsanten Gesellschaftssatire "New York für Anfänger" (2008) spielt sie ein Hollywood-Starlet, das mitten in einer Party seine Pumps auszieht, angezogen in einen Pool steigt, ihn auf der anderen Seite wieder verlässt und später scheinbar völlig überrascht sagt: "Huch, ich wusste ja gar nicht, wie durchsichtig mein Kleid ist."

Natürlich ist das pure Megan Fox, die dem Betrachter auf zahllosen Paparazzi-Fotos unter dem hauchdünnen Stoff ihrer Kleider stolz ihre Brustwarzen entgegenreckt. In "New York für Anfänger" parodiert Fox so lustvoll wie lustig ein geistig beschränktes Hollywood-Starlet, das gleichwohl einen angeborenen Sinn für Publicity hat. In einer Szene liegt sie an einem Pool und blickt zu den Sternen hoch: "Wissen Sie, was ich mir jetzt wünsche?", fragt sie verträumt und wendet ihren Kopf dem Helden zu, der neben ihr liegt. Er schaut sie ratlos an. "Kokain", sagt sie nüchtern. "Aber vielleicht ist es besser so. Kokain macht mich immer so geil."

Diese Sinnlichkeit, die Fox nach eigenem Bekunden "aus jeder Pore verströmt", macht Männer zu ihren glühenden Verehrern und Frauen zu ihren Feindinnen. Fox verkörpert genau jene Schlampe, die einer anderen Frau in null Komma nichts den Mann wegschnappt - und sei es nur, um zu beweisen, dass sie mehr Sex-Appeal hat. Deshalb hat es Megan Fox beim weiblichen Publikum so schwer. Wer geht schon ins Kino, um seinem Freund dabei zuzusehen, wie er erregt auf die Leinwand stiert?

Männer kriegt Fox viel leichter rum - und vergrätzt sie nun trotzdem. Auf Tausenden Fotos, die man im Internet anklicken kann, präsentiert sich Fox mit Dekolletés, die bis zum Bauchnabel reichen, und hochgeschlitzten Kleidern, die ihre Beine bis zur Hüfte freilegen.

Ich bin eine von euch!

In ihren Filmen gibt sie sich dagegen züchtig. Um einen Mann zu verführen, zieht sie in "Jennifer's Body" einmal den Reißverschluss ihres Sweatshirts herunter, doch ihre Nacktheit bleibt den Blicken des Zuschauers verborgen. "Mein Körper", sagt Fox, "ist die einzige Intimsphäre, die mir noch bleibt."

Das ist ehrenwert, vielleicht sogar schlau. Sharon Stone enthüllte sich in dem Film, mit dem sie zum Star wurde, von Kopf bis Fuß. In "Basic Instinct" (1992) zeigte sie dem Publikum sogar ihre Vulva - fortan ging es mit ihrer Karriere bergab. Fox hält sich dagegen bedeckt. Doch hilft es ihr? In "Jennifer's Body" verführt sie die Männer nach Strich und Faden - doch statt dann mit ihnen zu schlafen, frisst sie sie auf. Fürs männliche Publikum ist das ein frustrierender Coitus interruptus exitus.

Selten wurde ein Film so gänzlich am Publikum vorbeikonzipiert wie "Jennifer's Body". Die Frauen kann sie mit diesem Film von vornherein nicht gewinnen; und Männer fühlen sich übel getäuscht. In einigen Szenen muss sie ein Groupie spielen, das mit der Begeisterung eines Teenagers einen Rocksänger anhimmelt. Doch selbst als Teenager war Fox wohl schon viel zu erwachsen kalkulierend, um glaubhaft einen Teenager spielen zu können.

Hektisch versuchte das Management von Fox, das Image seines kontroversen Stars zu korrigieren, nachdem sich der Misserfolg von "Jennifer's Body" abzeichnete. Sie habe selbst große Komplexe, ließ man Fox verlautbaren, sie sei an der High-School stets ein Außenseiter gewesen, habe als Teenie in einem Supermarkt geklaut - aus der Kollektion der Olsen-Zwillinge gar! Ich bin eine von euch, schrie Fox ihren Zuschauern in diesen Pressemitteilungen entgegen. Doch dafür war es schon viel zu spät.

Nein, Megan Fox ist nicht eine von uns, nicht einer dieser fehlbaren, furchtbar normalen Menschen. Sie ist ein Star, der auf kleinen Flächen lebt wie auf der Doppelseite einer ausgebreiteten Boulevardzeitung oder auf großen wie einer Kinoleinwand. Michael Bay, den sie mit dem Schrumpfgermanen Hitler verglich, hat ihr verziehen. "Transformers 3" mit ihr ist also nur noch eine Frage der Zeit. Im nächsten Jahr wird sie erst mal in dem Horror-Western "Jonah Hex" zu sehen sein. Die Ära von Megan Fox hat gerade erst begonnen.

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