US-Schauspielerpreise "The Help" und "The Artist" auf Oscar-Kurs

Wenn es um die Darsteller-Oscars geht, gelten die alljährlichen Preise der US-Schauspielervereinigung als nahezu unfehlbarer Indikator. Drei der begehrten SAG Awards gingen an das Ensemble des Südstaaten-Dramas "The Help"; Jean Dujardin aus "The Artist" wurde zum besten Schauspieler gekürt.

AFP

Los Angeles - Es sind nur noch knapp vier Wochen bis zur 84. Oscar-Verleihung, die Awards-Saison in Hollywood neigt sich ihrem dramatischen Ende zu. Einer der letzten Wegmarken auf der "road to the Oscars" ist alljährlich die Verleihung der SAG Awards. Die Screen Actors Guild, eine der mitgliederstärksten und einflussreichsten Schauspielervereinigungen der USA, kürt mit ihren Preisen die besten Performances aus den eigenen Reihen. Ähnlich wie bei den Preisen der ebenfalls mächtigen PGA, der Producers Guild, gelten die SAG Awards als recht konkreter Indikator für die Oscars. In den letzten Jahren waren SAG-Gewinner einen Monat später sehr oft auch Oscar-Gewinner.

Man kann sich also seinen eigenen Reim darauf machen, was es für die Oscars bedeutet, dass die Darsteller des Südstaaten-Dramas "The Help" am Sonntagabend mit dem Preis für das beste Schauspielerensemble ausgezeichnet wurden. Viola Davis erhielt die Trophäe als beste Darstellerin, ihre Kollegin Octavia Spencer wurde zur besten Nebendarstellerin gekürt. Auffällig: Nur die afroamerikanischen Darsteller der auf einem Bestseller basierenden Erbauungs-Story um Rassismus in den sechziger Jahren werden zurzeit mit Preisen bedacht und nominiert. Hauptdarstellerin Emma Stone wurde geflissentlich ignoriert; ihre Kollegin Jessica Chastain wurde immerhin, neben Spencer, als beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert. Viola Davis tritt bei den Oscars in der Kategorie beste Hauptdarstellerin an. Die Bühnendarstellerin kann sich nun beste Chancen gegen Hollywood-Schwergewichte wie Meryl Streep und Glenn Close ausrechnen.

Die Oscar-nominierten Streep, Close und Michelle Williams waren auch bei den SAG Awards nominiert, ebenso wie Tilda Swinton ("We Need To Talk About Kevin"), die bei den Academy Awards ignoriert wurde - zugunsten von "Verblendung"-Star Rooney Mara.

Bei den männlichen Darstellern wurde Jean Dujardin mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Der Franzose spielt die Hauptrolle in der Stummfilm-Hommage "The Artist", die mit zehn Nominierungen zu den Oscar-Favoriten gehört. Dujardin hatte vor zwei Wochen bereits einen Golden Globe als bester Schauspieler erhalten - seine Oscar-Chancen steigen nun immens.

Durchsetzen musste er sich am Sonntag gegen Brad Pitt ("Moneyball"), Leonardo DiCaprio ("J. Edgar"), George Clooney ("The Descendants") und den mexikanischen Schauspieler Demián Bichir ("A Better Life"). Immerhin war Hoover-Darsteller DiCaprio bei den SAG Awards nominiert, bei den Oscars erhielt er zur Überraschung vieler Experten und Kritiker keine Nominierung. Aber auch bei den SAG Awards fällt auf, dass zwei der wichtigsten und talentiertesten Schauspieler des vergangenen Jahres keine Erwähnung und Würdigung erfahren: "Shame"-Darsteller Michael Fassbender und Ryan Gosling, Star aus "Drive" und "The Ides Of March".

Christopher Plummer bekam, recht erwartungsgemäß, den SAG-Preis in der Kategorie bester Nebendarsteller für seine Rolle in "Beginners". Der Schauspiel-Veteran gilt auch als Oscar-Favorit. Bei den Nebendarstellerinnen musste sich Octavia Spencer unter anderem gegen die Favoritin Bérénice Bejo aus "The Artist" durchsetzten. Bejo, Lebensgefährtin des "Artist"-Regisseurs Michel Hazanavicius, ist auch für einen Nebenrollen-Oscar nominiert.

Jedes Jahr zeichnet die SAG auch die besten Fernsehleistungen aus. Hier konnte sich dieses Mal Paul Giamatti ("Sideways") als bester Darsteller in einem TV-Film oder Mehrteiler durchsetzen. Er gewann für seine Rolle in dem Wirtschaftsdrama "Too Big To Fail", in dem er den US-Notenbankchef Ben Bernanke spielt. Beste Darstellerin in dieser Kategorie wurde Kate Winslet für ihre Darstellung in der Mini-Serie "Mildred Pierce."

Zum besten Seriendarsteller wurde Steve Buscemi gekürt, der in Martin Scorseses Prohibitionsdrama "Boardwalk Empire" einen kriminellen Wirtschaftsboss spielt, beste Seriendarstellerin wurde Jessica Lange für "American Horror Story". Sowohl Lange als auch Buscemi starteten ihre Karrieren vor Jahrzehnten im Independent-Kino, werden aber erst jetzt, als Serienstars, mit Preisen ausgezeichnet.

Für ihr Lebenswerk wurde US-Fernsehurgestein Mary Tyler Moore ausgezeichnet. Die 75-Jährige gehört seit den siebziger Jahren, als sie mit der "Mary Tyler Moore Show" berühmt wurde, zu den einflussreichsten und beliebtesten TV-Stars der USA.

bor/dpa



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