US-Studie Zigaretten spielen Nebenrolle

Eine bessere Kampagne hätten sich Nikotinfeinde nicht wünschen können: Eine Studie über 447 amerikanische Filme hat ergeben, dass dem Rauchen auf der Leinwand nichts Glamouröses mehr anhaftet. "Rauchen ist nur was für Loser", folgert das US-Forscherteam.


Unpopulärer Qualm: Rauchen ist nur was für Loser - zumindest im Film
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Unpopulärer Qualm: Rauchen ist nur was für Loser - zumindest im Film

Während die Europäische Union noch mit verordneten Schockmotiven auf den Zigarettenschachteln gegen die steigende Zahl rauchender Jugendlicher vorgehen will, erhalten Anti-Raucher-Kampagnen aus dem Land der Marlboro-Canyons unerhofften Rückenwind. Denn das Ergebnis der Studie am St Michael's Medical Center im amerikanischen Newark ist eindeutig: Rauchen auf der Leinwand ist nicht mehr populär - im Film spielt die Zigarette offenbar keine Hauptrolle mehr.

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Raucher im Film: Wenn die Leinwand qualmt
Vorbei die Zeiten des einsamen, auf Zigarillos herumkauenden Revolverhelden, dem die Sympathien der Cineasten zufliegen. Selbst "Casablanca" würde in der modernen Fassung vielleicht ohne qualmende Accessoires auskommen müssen. Denn in den neunziger Jahren hat der blaue Dunst viel von seiner einstigen Symbolkraft verloren.

Das legen zumindest die Ergebnisse der Studie nahe: Die Forscher hatten alle 447 Top-Ten Filme, die zwischen 1990 und 2000 herausgebracht wurden, sorgfältig gesichtet und analysiert. Ihr Fazit: 24 Prozent aller Hauptfiguren steckten sich mindestens einmal im Verlauf der Handlung eine Zigarette an. Dieser Prozentsatz entspricht auch dem ungefähren Anteil der rauchenden Bevölkerung in den USA.

Und es waren vor allem die unabhängigen Filmemacher, die beim Rauchen besonders dick auftrugen: In den kleineren Produktionen paffte etwa die Hälfte aller Filmfiguren während in den Hollywood-Blockbustern nur ein Drittel der Darsteller zur Zigarette griff.

Dabei war vor allem der Charakter der Filmfiguren in den Neunzigern entscheidend für die Rauchgewohnheiten: 36 Prozent der Bösewichte rauchten, verglichen mit nur 21 Prozent der Filmhelden. Dazu zählen auch Legenden wie Bruce Willis, bei dem die Zigarette in der Trilogie "Stirb langsam" oder in der Actionkomödie "Last Boy Scout" zur Grundausstattung gehört.

Darüber hinaus tendieren eher die sozial schwachen Filmfiguren dazu, ihre Sorgen mit Qualm zu umnebeln: Die Zigarette dient in über der Hälfte der Fälle als klares Symbol für den Verlierertypen. Dagegen rauchen nur etwa zehn Prozent der wohlhabenden Leinwandhelden. Damit widersprechen die Ergebnisse bisherigen Untersuchungen, die ergeben hatten, dass der typische Leinwandraucher reich, attraktiv, weiß und männlich sei.

Doch komme es nicht darauf an, ob die Filmfiguren "bad guys" oder "nice guys", Schurken oder Sympathieträger sind, sagt Anna Adachi-Mejia von der Dartmouth Medical School. "Filmstars sind generell große Vorbilder. Alarmierend ist doch, dass den Jugendlichen das Rauchen im Kino noch immer vorgemacht wird." Die oft halbstündige Kinowerbung, die in einigen Bundesstaaten vor den Filmen läuft und zu deren Repertoire nach wie vor der wettergegerbte Cowboy mit Kippe gehört, haben die Wissenschaftler bei ihrer Studie übrigens nicht berücksichtigt.



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