Väterkomödie "Old Dogs" Alte Säcke ohne Saft

John Travolta und Robin Williams versuchen sich als Langzeit-Junggesellen in der Komödie "Old Dogs" auf die alten Tage noch mal in Kinderbetreuung. Was ganz lustig hätte werden können, wenn sie sich ein bisschen mehr angestrengt hätten.

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Kinokomödie "Old Dogs": Väter ohne Plan
Sehen wir es positiv: Es gab in den vergangenen Jahren deutlich schlimmere Filme, in denen Robin Williams mitgespielt hat. "Lizenz zum Heiraten" (2007) zum Beispiel, oder "Die Chaoscamper" (2006). Bitter unlustige Komödien, in denen ein hochtalentierter Komiker und Schauspieler - man vergleiche nur mit "Garp und wie er die Welt sah" (1982) oder "Good Morning, Vietnam (1987) - mit schlechten Witzen und den ewig gleichen Grimassen Selbstdemontage betrieb. Dagegen ist "Old Dogs - Daddy oder Deal" fast schon ein Feuerwerk der guten Laune.

Weniger nett gedacht, ist "Old Dogs" von Genre-Fachmann Walt Becker ("Born to be Wild - Saumäßig unterwegs") jedoch auch nur eine eher lustlose Aneinanderreihung von harmlosen, nicht sehr witzigen Scherzen; passabel vielleicht für anspruchslose Kinder auf der Suche nach Wochenend-Berieselung, schon unangenehmer für die Eltern, die sie begleiten müssen.

Die Folgen eines One-Night-Stands

Dabei hätte vielleicht etwas mehr daraus werden können, denn die Handlungsidee ist so übel nicht: Die beiden besten Freunde und Geschäftspartner Dan und Charlie (Williams und John Travolta) kommen als gealterte Junggesellen ohne Kinder ganz gut durchs Leben, bis eines Tages ein ehemaliger One-Night-Stand von Dan auftaucht und siebenjährige Zwillinge bei ihm abstellt, die er an diesem schicksalshaften Abend gezeugt haben soll (da wir uns in einem Disney-Film befinden, hatten die beiden übrigens unmittelbar vor dem Akt noch schnell geheiratet und die Hochzeit ein paar Stunden später wieder annulliert - uneheliche Kinder gibt es bei Disney nicht!).

Die Ex muss wegen Umwelt-Aktivismus für zwei Wochen in den Knast und weiß nicht wohin mit der Brut - was liegt da näher, als sie ihrer Eintags-Liebe und dessen bestem Kumpel zu überlassen. Die beiden Kleinen (darunter Travoltas Tochter Ella Bleu) sind eigentlich recht umgänglich, weil Dan und Charlie in Erziehungsfragen aber vollkommen ahnungslos sind, kommt es zu etlichen Verwicklungen, bis Dan den Disney-Statuten gemäß erkennen darf, dass er nur in der Familie ultimative Erfüllung findet.

Ein paar Szenen sind sogar ganz lustig, vor allem jene, in der die Kinder versehentlich die Pillen gegen die Altersbeschwerden der beiden Möchtegernväter durcheinander bringen und sie damit auf eine Art familientauglichen LSD-Trip führen. Die große Mehrheit der Witze rangiert aber irgendwo zwischen erwartbar und dämlich, vom Camping-Ausflug, der im Chaos endet, über Golfschläger, die statt der Bälle anderer Leute Genitalien treffen, bis zum Zoo-Besuch, bei dem die Helden vorübergehend im Gorilla-Gehege landen.

Das Schlimmste daran ist, dass Williams und Travolta sich nicht mal Mühe zu geben scheinen, das Ganze mit etwas Energie und Einsatz aufzupeppen. Wie auf Autopilot wandeln die beiden durch ihre Szenen, beinahe träge, und stellen dem Film ein eher begrenztes Repertoire an Gesichtsausdrücken zur Verfügung. Dass das nicht reicht, muss auch Regisseur Becker aufgefallen sein, denn immer wieder schneidet er auf Charlies Hund, wenn gerade etwas Amüsantes passiert sein soll - als könne dessen Mimik besser vermitteln, dass das Publikum jetzt bitte lachen soll.

Stimmt vielleicht.



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
nicolai-bruno 14.01.2010
1. Danke!
Zitat von sysopJohn Travolta und Robin Williams versuchen sich als Langzeit-Junggesellen in der Komödie "Old Dogs" auf die alten Tage noch mal in Kinderbetreuung. Was ganz lustig hätte werden können, wenn sie sich ein bisschen mehr angestrengt hätten. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,671777,00.html
Danke für diese Filmkritik. Ich hatte vor, mir diesen Film zusammen mit meinem Sohn im Kino anzusehen, da die Vorschau recht amüsant war. Das werden wir nun nicht tun, da die Kritiken bei SPON meist recht zutreffend sind und wenn nicht, dann eher zu positiv.
rennix, 14.01.2010
2. Genie und Mammon
Williams hat ja selbst gesagt, dass er diese seelenlosen Studioproduktionen nur macht um Kohle zu verdienen. Dadurch habe er dann die Freiheit kleinere Projekte anzunehmen, bei denen er (fast) nicht verdient. Ähnlich DeNiro, der zwischenzeitlich fast jede Rolle annahme, sofern sie nur gut genug bezahlt wurde, um sein Tribeca Filfestival zu finanzieren...
visitor_2007 14.01.2010
3. ...
Zitat von nicolai-brunoDanke für diese Filmkritik. Ich hatte vor, mir diesen Film zusammen mit meinem Sohn im Kino anzusehen, da die Vorschau recht amüsant war. Das werden wir nun nicht tun, da die Kritiken bei SPON meist recht zutreffend sind und wenn nicht, dann eher zu positiv.
Ich erlebe es gerade umgekehrt: Wenn SPON einen Film oder ein Buch verreißt, oder lobt (die Reihenfolge ist nicht zufällig..) gilt: Verriß = sehenswert/lesenswert Lob = omg - einigermaßen sicherer Schrott...
vincent72 14.01.2010
4. Spiegel Kritiken
Ob dieser Film nun lustig ist oder nicht, keine Ahnung. Vermutlich wird er nicht ganz so schlecht sein, wie er hier gemacht wird, sondern ist einfach eine durchschnittliche und konventionelle Hollywood Komödie, die schon mal einen Nachmittag lang ein wenig Spass bieten kann, mehr nicht. Wer aber wegen einer schlechten Spiegel Kritik ganz darauf verzichtet, einen Film im Kino anzusehen und sich seine eigene Meinung zu bilden, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Spiegel Kritiken haben immer die Tendenz, Filme kommerziellerer Art mies zu machen und wenn sie Pluspunkte finden, so ist es immer gönnerhafter Natur, von oben herab, mit Häme versetzt. Kein Wunder. Niemand will mit 18 Jahren als Berufswunsch Filmkritiker werden. Im Gegenteil, diese Jungs wollten natürlich alle mal ZUM FILM! Und da dass nicht geklappt hat, sie aber trotzdem die Illusion zum Atmen brauchen, sie hätten alles besser machen können, wenn Ihnen nur einmal jemand eine Chance gegeben hätte, entwickeln diese Kritiker eine absurde Arroganz und kaum sublimierte Wut gegenüber dem Filmbetrieb und lehnen erstmal als unbewusste Grundhaltung alles ab, besonders das, was VIELE Menschen unterhalten soll und erfolgreich ist. Die Kritiker sind alle selbst verhinderte Drehbuchschreiber, frustriert in ihrem Dasein und von einer elitären Abgrenzungssehnsucht durchdrungen. Eine Komödie, die einfach unkomplizierten Spass macht, passt nicht in ihr Raster, da muss es schon kunstgewerblich oder verquast pseudointellektuell zugehen... Was Spiegelkritiken fehlt, ist guter, einfacher Humor, Herz, handwerkliches Verständnis und Liebe zum Film. Über die Machart und das Handwerk eines Films liest man nie etwas, vermutlich deshalb, weil sie dazu einfach keinen Zugang haben, was natürlich auch der Grund ist, warum Ihre anfänglichen Versuche, ins Filmgeschäft zu kommen, gescheitert sind.. Eine Komödie kann grandios geschrieben sein, perfektes Timing, geschliffene Dialoge, höchstes inszenatorischer Geschick aufweisen und visuell ein einziger fliessender Genuss sein.....im Spiegel würden sie darüber keine Zeile lesen...sondern stattdessen irgendwelchen essayistisch gefärbten, überlegen distanzierten, entspannt zynischen Analysen, die nur die eigene intellektuelle Überlegenheit demonstrieren sollen und dabei doch immer nur die eigene Neidzerfressenheit und Ahnungslosigkeit zur Schau stellen. Traurig.
aqualung 14.01.2010
5. -----
Zitat von vincent72Ob dieser Film nun lustig ist oder nicht, keine Ahnung. Vermutlich wird er nicht ganz so schlecht sein, wie er hier gemacht wird, sondern ist einfach eine durchschnittliche und konventionelle Hollywood Komödie, die schon mal einen Nachmittag lang ein wenig Spass bieten kann, mehr nicht. Wer aber wegen einer schlechten Spiegel Kritik ganz darauf verzichtet, einen Film im Kino anzusehen und sich seine eigene Meinung zu bilden, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Spiegel Kritiken haben immer die Tendenz, Filme kommerziellerer Art mies zu machen und wenn sie Pluspunkte finden, so ist es immer gönnerhafter Natur, von oben herab, mit Häme versetzt. Kein Wunder. Niemand will mit 18 Jahren als Berufswunsch Filmkritiker werden. Im Gegenteil, diese Jungs wollten natürlich alle mal ZUM FILM! Und da dass nicht geklappt hat, sie aber trotzdem die Illusion zum Atmen brauchen, sie hätten alles besser machen können, wenn Ihnen nur einmal jemand eine Chance gegeben hätte, entwickeln diese Kritiker eine absurde Arroganz und kaum sublimierte Wut gegenüber dem Filmbetrieb und lehnen erstmal als unbewusste Grundhaltung alles ab, besonders das, was VIELE Menschen unterhalten soll und erfolgreich ist. Die Kritiker sind alle selbst verhinderte Drehbuchschreiber, frustriert in ihrem Dasein und von einer elitären Abgrenzungssehnsucht durchdrungen. Eine Komödie, die einfach unkomplizierten Spass macht, passt nicht in ihr Raster, da muss es schon kunstgewerblich oder verquast pseudointellektuell zugehen... Was Spiegelkritiken fehlt, ist guter, einfacher Humor, Herz, handwerkliches Verständnis und Liebe zum Film. Über die Machart und das Handwerk eines Films liest man nie etwas, vermutlich deshalb, weil sie dazu einfach keinen Zugang haben, was natürlich auch der Grund ist, warum Ihre anfänglichen Versuche, ins Filmgeschäft zu kommen, gescheitert sind.. Eine Komödie kann grandios geschrieben sein, perfektes Timing, geschliffene Dialoge, höchstes inszenatorischer Geschick aufweisen und visuell ein einziger fliessender Genuss sein.....im Spiegel würden sie darüber keine Zeile lesen...sondern stattdessen irgendwelchen essayistisch gefärbten, überlegen distanzierten, entspannt zynischen Analysen, die nur die eigene intellektuelle Überlegenheit demonstrieren sollen und dabei doch immer nur die eigene Neidzerfressenheit und Ahnungslosigkeit zur Schau stellen. Traurig.
Hmmm, wollten Sie mal Filmkritiker werden...ich mein ja nur ;-) Egal - die Kombination Williams plus Travolta plus Kinder plus Hund plus Disney ist schon abschreckend genug - da brauch ich keine wie auch immer geartete Kritik. Der Film hat sich mit dem Lesen der Credits erledigt.
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