Film-Festival von Venedig "Joker" gewinnt Goldenen Löwen

Der Goldene Löwe des Filmfestivals Venedig geht an den Psychothriller "Joker". Das Werk erzählt von der Entstehung des Batman-Gegenspielers - mit einem brillanten Jaoquin Phoenix in der Titelrolle.

Joaquin Phoenix als "Joker", Batmans berüchtigter Gegenspieler
Niko Tavernise/ Warner Bros. Pictures/ AP

Joaquin Phoenix als "Joker", Batmans berüchtigter Gegenspieler


"Eine Sensation", urteilte SPIEGEL-Kritiker Andreas Borcholte über diesen "Joker" - was vor allem an der atemberaubenden Darstellung Jaoquin Phoenix' liege. Er schaffe es, sogar die ikonische Darstellung des Batman-Gegenspielers durch Heath Ledger in Christopher Nolans "The Dark Knight" verblassen zu lassen. Bei den Filmfestspielen von Venedig ist Todd Phillips' Comicadaption nun mit der höchsten Auszeichnung, dem Goldenen Löwen, prämiert worden.

Der Film ist die sogenannte Origin-Story des notorischen Gegenspielers von Superdetektiv Batman und erzählt von der Entstehung des berüchtigten Batman-Gegenspielers. (Lesen Sie hier die ausführliche Filmkritik von der Premiere in Venedig)

Der Große Preis der Jury ging zum Abschluss des Festivals an Roman Polanskis Film "An Officer and a Spy". Der 86-jährige Oscarpreisträger erzählt darin von der Dreyfus-Affäre, die in 1890er Jahren zu einem Justizskandal in Frankreich führte. Über die Teilnahme des Polanski-Films an dem Festival hatte es im Vorfeld eine Kontroverse gegeben. Der in Frankreich lebende Roman Polanski wird in den USA wegen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen polizeilich gesucht. Im Jahr 1977 hatte er Sex mit der damals 13-jährigen Samantha Geimer, ein Jahr später floh er aus den USA. Die US-Filmakademie hatte Polanski wegen des Falls im vergangenen Jahr ausgeschlossen.

Roman Polanski sorgte in Venedig für eine Kontroverse - am Ende wurde er prämiert
AP

Roman Polanski sorgte in Venedig für eine Kontroverse - am Ende wurde er prämiert

Für die beste Regie wurde der Schwede Roy Andersson ausgezeichnet, der in seinem Melodram "About Endlessness" in kurzen Episoden in die traurigen Seelen von Menschen blickt. Der in Hongkong lebende Yonfan gewann den Preis für das beste Drehbuch für den Animationsfilm "No. 7 Cherry Lane".

Als beste Schauspieler ehrte die Jury den Italiener Luca Marinelli und die Französin Ariane Ascaride. Marinelli gewann die Trophäe für seine Darstellung in "Martin Eden" von Pietro Marcello nach einer Buchvorlage von Jack London, Ascaride für ihre Leistung in dem Sozialdrama "Gloria Mundi" von Robert Guédiguian.

Die Dokumentation "La mafia non è più quella di una volta" des Italieners Franco Maresco bekam den Spezialpreis der Jury. Mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller wurde Toby Wallace ausgezeichnet, der in "Babyteeth" der Australierin Shannon Murphy einen Drogensüchtigen spielt. Die deutsche Koproduktion "The Perfect Candidate" der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour ging leer aus.

mkl/AFP

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climamail2000-shopping 07.09.2019
1. Polanski der Kinderschänder
"...hatte er Sex mit der damals 13-jährigen..." Was hat sich der Autor dabei bloss gedacht? Wenn man diesen Satz liest könnte man glatt denken, der Sex war einvernehmlich. Und keine anale Vergewaltigung eines unter Drogen gesetzten Kindes. Polanski gilt es als Kinderschänder zu ächten. Und der Autor sollte sich ob dieser Verharmlosung schämen.
Atömchen 07.09.2019
2.
Alleine den Ansatz des Werkes finde ich ja interessant und auch irgendwie deprimierend: 1989 wurde der Joker zum wahnsinnigen Bösewicht, nachdem er in einer Chemieanlage in ein Säurebecken fiel. 2019 reicht es aus, der Gesellschaft ausgesetzt zu sein, um den Verstand zu verlieren.
kakophoniephobie 08.09.2019
3. God's Lonely Man - ausgegrenzt und desillusioniert
"Mit kühler Eindringlichkeit und analytischer Präzision schildert der ungemein dichte Film die psychischen Deformationen seines Helden. Zugleich verdeutlicht er, dass der Ausbruch individueller Gewalt mit einem allgemeinen Klima latenter Brutalität und Abstumpfung korrespondiert. Ein Thriller, der intensive Wirklichkeitsbeobachtung mit den mythischen Qualitäten des traditionellen Genrefilms verbindet." (Lexikon des internationalen Films) - Der Film zeigt, "wie schmal der Grat zwischen Weltschmerz und Frustration einerseits und (selbst-)zerstörerischem Wahn andererseits ist; aber auch, dass ein ebenso schmaler Grat in der öffentlichen Wahrnehmung existiert, nämlich der zwischen Verbrechern und Helden …" (E. Schmitz) - Nicht auf "Joker" beziehen sich diese beiden Kritiken, wie man meinen sollte, sondern den 1976 erschienenen "Film noir" "Taxi Driver" von Martin Scorsese. Darin geht es um den einsamen und desillusionierten Kriegsveteranen und New Yorker Taxifahrer Travis Bickle (Robert de Niro), der den "Abschaum" von der Straße spülen will und schließlich Amok läuft. - "Die Kraft des Geistes auf dem falschen Weg", sagte Martin Scorsese über die grundlegende Charaktereigenschaft der Hauptfigur. - "Mit Stilisierung des selbstgerechten und hassgetriebenen Kriegsveteranen zum Volkshelden wird dem Zuschauer das Missverständnis sowohl der individuellen als auch der gesellschaftlich sanktionierten Perspektive erschreckend einsichtig. Der Außenseiter Bickle, ein klassischer Film-Noir-Charakter, der mit jedem sozialen Kontakt seine eigene (ihm und uns teils rätselhafte) Einsamkeit neu gespiegelt findet, wechselt durch eine Bluttat gegen 'Andere' am gesellschaftlichen Rand (scheinbar) die Lager. Mitten in New York tritt er in die Söldnerrolle zurück und wird für seine Selbstjustiz von der ihn zuvor ausschließenden Gesellschaft als Held gefeiert. Auf bösartige Weise konterkariert Taxi Driver - im Jahr nachdem der Vietnamkrieg geendet und die Watergate-Affäre einen Keil ins politische Selbstverständnis der Mutter aller Demokratien getrieben hatte - den für die US-Gesellschaft so wichtigen Begriff individuellen Heldentums." (https://der-film-noir.de/v1/node/613) - "Taxi Driver" ist nicht zuletzt aufgrund der weltweiten politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Umwälzungen und Verwerfungen (z.B. Migration) und hinsichtlich von Erscheinungen wie (Rechts-)Populismus und (Rechts-)Nationalismus sowie Ausgrenzung von Andersdenkenden und Vergiftung des Klimas samt Spaltung der Gesellschaft brandaktuell - möglicherweise auch "Joker".
stammeskrieger 08.09.2019
4. Oooouuuund wieder mal...
...geht die Auszeichnung an einen Film mit einem HauptdarstellER. Noch dazu ein Comic Adaptinon. Irgendwie finde ich das lächerlich. Die Rolle des Jokers zu Spielen scheint mittlerweile sowas wie eine TÜV Prüfung für männliche Hauptdarsteller geworden zu sein. Die Leistung von Joaquin Phoenix mag beeindeuckend sein. Aber der Film bleibt trotzdem sinnlos...
bodhi66 08.09.2019
5. Polanski
Polanski hatte keinen einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit einer Dreizehnjaehrigen. Er has sie zu einem Fotoshoot eingeladen und dann mit Drogen vollgepumpt und vergerwaltigt. Die Infos zum Gerichtsverfahren sind uebrigens oeffentlich. Das Opfer hat umgehend Anzeige erstattet und Polanksi wurde von den zustaendigen Gericht in Anwesenheit von Polanski fuer schuldig befunden. Kurz danach war er ausserhalb der USA um einen Film fertigzustellen und als er gemerkt hatte dass er keine Hollywoodjustiz kriegen wuerde hat er sich nach Frankreich abgeseilt. Das Opfer hat ihn in einem Zivilverfahren in Frankreich verklagt und gewonnen.
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