Verhafteter Regisseur Westerwelle fordert Freilassung Panahis

Außenminister Guido Westerwelle hat die Festnahme des iranischen Regisseurs Jafar Panahi veurteilt. Er appelliere zudem an die Verantwortlichen in Teheran, alles dafür zu tun, dass Panahi "unverzüglich" freikomme. Der Oppositionsanhänger Panahi war zu Wochenbeginn in Teheran verhaftet worden.

Festgenommener Regisseur Jafar Panahi: Außenminister Westerwelle fordert Freilassung
AFP

Festgenommener Regisseur Jafar Panahi: Außenminister Westerwelle fordert Freilassung


Berlin/Teheran - Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die Freilassung des preisgekrönten Filmregisseurs Jafar Panahi in Iran gefordert. Die Verantwortlichen in Teheran müssten alles dafür tun, damit Panahi freikomme, sagte der FDP-Politiker am Mittwoch in Berlin. Iranische Sicherheitskräfte hatten den Regisseur sowie dessen Frau und Tochter zu Wochenbeginn verhaftet.

Panahis Sohn erklärte laut der Internetseite Kaleme, er wisse nicht, wo sich seine Familie aufhält. "Ich mache mir große Sorgen", wird Panah Panahi zitiert. Er widersprach Berichten, wonach sein Vater an einem Film über die Unruhen in der Islamischen Republik nach der umstrittenen Präsidentenwahl arbeitete.

Anlass für die Festnahme waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Teheran nicht Panahis Arbeiten oder politische Gründe. Er stehe im Verdacht, Verbrechen begangen zu haben.

Panahi ist ein Anhänger des Oppositionsführers Mirhossein Mussawi und hatte den Ausgang der Präsidentenwahl kritisiert. Vorigen Monat wurde ihm die Ausreise zur Berlinale verweigert, wo er als Ehrengast geladen war. Der Regisseur gewann unter anderem 2000 den Goldenen Löwen in Venedig für seinen Film "Der Kreis" sowie 2006 den Silbernen Bären in Berlin für "Offside".

luk/Reuters/dpa



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plasmopompas 04.03.2010
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Ich falle vom Glauben ab: Guido macht endlichen seinen Job!
irananders.de 06.03.2010
2. Menschenrechte als Instrument der Politik
Zitat von plasmopompasIch falle vom Glauben ab: Guido macht endlichen seinen Job!
Inwiefern die Werte der Menschenrechte und die Forderungen nach Demokratie ein Spielball der Interessenspolitik sind verdeutlicht folgender Vergleich: Herr Guido Westerwelle zur Verhaftung des iranischen Regisseurs Jafar Panahi: "Die Bundesregierung verurteilt die Festnahme von Jafar Panahi. Herr Panahi ist ein engagierter Filmemacher, dessen künstlerisches Schaffen international gewürdigt wird. Ich appelliere an die Verantwortlichen in Teheran, alles dafür zu tun, dass Herr Panahi unverzüglich freikommt. Die iranische Führung ist aufgerufen, die selbst eingegangenen internationalen Verpflichtungen zum Schutz der zivilen und politischen Rechte seiner Bürger einzuhalten." Quelle:http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/Presse/Meldungen/2010/100303-Panahi.html Zu Gegenüberstellung: Herr Guido Westerwelles Worte über die Verurteilung des chinesischen Bürgerrechtlers Liu Xiaobo zu elf Jahren Haft: "Ich bin tief besorgt über die Verurteilung des bekannten chinesischen Bürgerrechtsaktivisten Liu Xiaobo. China hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte gezeichnet. Darin werden die grundlegenden Menschenrechte, auch das Recht auf Meinungsfreiheit, garantiert. Ich ermutige die chinesische Regierung, den Weg der Öffnung und Modernisierung ihres Landes fortzusetzen und die Einhaltung der Menschenrechte zu gewährleisten." Quelle:http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/Presse/Meldungen/2009/091225-BM-LiuXiaobo.html Im ersteren Fall spricht unser deutscher Außenminister von einer Verurteilung und die Forderung nach unverzüglicher Freilassung – vor den abschließenden Ermittlungen und eines Gerichtsbeschlusses. Im Zweiten Fall jedoch wurde ein Bürgerrechtler tatsächlich wegen eines politischen Verbrechens (Panahi ist nach iranischen Verlautbarungen wegen anderer Delikte verhaftet worden) zu elf Jahren Haft verurteilt. Hier ist Westerwelle lediglich tief besorgt, seine Besorgnis drückt er noch einmal im Januar 2010 anlässlich seines wirtschaftsträchtigen Besuch in Peking aus und im Februar 2010 verstummt der höchste deutsche Diplomat vollkommen nach der nochmalige Bestätigung des Urteils durch das Berufungsgericht. Wenn internationale Menschenrechtsgruppen, Aktivisten und Medien die doppelzüngige Politik der Staaten aller Welt nicht vordergründig thematisieren, machen Sie sich unwillentlich zum Gehilfen dieses Menschenrechtskalküls. Recherchierung und Verurteilungen von einzelnen oder massiven Menschenrechtsverstößen einiger selektiven Staaten lösen nicht das Problem im System, sondern nur eine politische und publizistische Gleichheit in der Bewertung und Verurteilung von Menschenrechtsdelikten weltweit, das schließt jedoch die Annahme alle Staaten und Kulturen der Welt als Ebenbürtigen ein.
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