Wohlfühlkomödie "Verstehen Sie die Béliers?" Liebe Eltern, jetzt heult mal schön

Nachschub naht! Erst erwärmte "Ziemlich beste Freunde" unsere Herzen, nun liefert Frankreich mit "Verstehen Sie die Béliers?" einen neuen Feelgood-Film - über eine zauberhafte junge Frau und ihre gehörlose Familie.
Wohlfühlkomödie "Verstehen Sie die Béliers?": Liebe Eltern, jetzt heult mal schön

Wohlfühlkomödie "Verstehen Sie die Béliers?": Liebe Eltern, jetzt heult mal schön

Foto: Concorde

Vor drei Jahren eroberte die französische Komödie "Ziemlich beste Freunde" die europäischen Kinos im Sturm, in Deutschland sahen sie knapp neun Millionen Zuschauer. Seitdem lauern deutsche Verleiher auf den nächsten französischen Feelgood-Hit. Und der Nachschub reißt ja auch nicht ab. Schon letztes Jahr holte "Monsieur Claude und seine Töchter" immerhin drei Millionen deutsche Zuschauer, Ende Februar lief "Heute bin ich Samba" von den "Ziemlich beste Freunde"-Machern an. Jetzt geht mit "Verstehen Sie die Béliers?" der nächste potenzielle Blockbuster-Kandidat an den Start.

Und damit eine weitere gefällig-gefühlige Komödie um Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen. Die 16-jährige Paula (Louane Emera) lebt mit ihrer Familie auf einem idyllischen Bauernhof in der Provinz, hilft bei der Geburt niedlicher Kälbchen und verkauft selbst gemachten Käse auf dem Wochenmarkt. In der Schule ist sie bockig, Jungs machen sie nervös, und die Familie nervt. Ein normales Teenie-Leben also. Abgesehen davon, dass Mama Gigi (Karin Viard), Papa Rodolphe (Francois Damiens) und der kleinere Bruder gehörlos sind und Paula schon auf dem Weg zur Schule am Telefon geschäftliche Angelegenheiten ihrer Eltern klären muss.

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"Verstehen Sie die Béliers?": Frankreich hat einen neuen Star

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Der zentrale Konflikt der Geschichte entwickelt sich, als Paulas Musiklehrer (Éric Elosnino) ihr Gesangstalent entdeckt: Sie soll sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Pariser Musikschule vorbereiten, doch Paula winkt ab. Schließlich muss sie sich um die Organisation des Familienalltags kümmern - dafür braucht sie Gebärdensprache, keine Sangeskünste. Aber je mehr sie ihre Stimme findet, desto mehr verliebt sich Paula in die Musik.

In Frankreich war der Film ein großer Erfolg. Mit sechs Millionen gelösten Karten schaffte er es auf Platz zwei der Jahrescharts 2014. Allerdings startete die Familienkomödie passgenau in der Vorweihnachtszeit, und sie punktete mit einem Casting-Coup, der in Deutschland verpuffen wird: Die Hauptrolle spielt Louane Emera, eine 18-Jährige, die in Frankreich 2013 mit der zweiten Staffel von "The Voice" bekannt wurde. Louane schied im Halbfinale aus, hatte aber das ganze Land zu Tränen gerührt, als sie für ihren kurz zuvor verstorbenen Vater John Lennons "Imagine" sang.

Für ihre Leistung in "Verstehen Sie die Béliers?" erhielt Louane Emera den César als beste Nachwuchsdarstellerin. Zurecht. Sie allein trägt den Film. Mit sanfter, gleichzeitig selbstbewusster Präsenz verleiht sie ihrer Figur unprätentiösen Stolz. Während bei Film-Mutter Karin Viard, eine versierte Schauspielerin und ein Star, die Gebärdensprache leicht in Gezappel abgleitet, spricht Louanne derart überzeugend und emotional mit Händen und Mimik, als hätte sie nie anders kommuniziert. Dabei begann sie, wie alle anderen Schauspieler auch, erst sechs Monate vor Drehstart mit dem Training.

Da werden die Eltern aber weinen

"Verstehen Sie die Béliers?" ist kein Behinderten-Drama. Eigentlich interessiert sich Regisseur Éric Lartigau nicht besonders dafür, was die Einschränkung mit seinen Protagonisten macht. Darin unterscheidet sich sein Film von Caroline Links Drama "Jenseits der Stille" (1996) . In seiner Komödie steht Paula im Mittelpunkt, die Behinderung ihrer Eltern ist nur gut für Slapstick und Zoten. Immerhin sind ein paar gute Gags dabei. Vater Rodolphe etwa hat sich entschlossen, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Auf dem Markt fragt der amtierende Unsympath Paula: "Glaubst du wirklich, die Leute würden einen Gehörlosen wählen?" Ihre Antwort: "Warum nicht? Sie haben ja auch einen Idioten gewählt!"

Letztlich bleibt die Tatsache, dass Gigi und Rodolphe nicht hören können, während Paula ihre Stimme finden muss, eine recht platte Metapher für den Prozess der Ablösung eines Kindes von seinen Eltern. Trotzdem findet der Film zu sich selbst, wenn er sich in der zweiten Hälfte auf dieses Thema konzentriert. Paulas tastendes Suchen nach ihrem Platz in der Welt schildert "Verstehen Sie die Béliers?" mit genauso tief empfundener Empathie wie den Schmerz des Loslassens und Abschiednehmens auf Seiten von Paulas Eltern. In einer Szene schnappt sich Gigi eine Haarsträhne ihrer Tochter, um noch einmal den so vertrauten Duft einzusaugen. Wer keine Kinder hat, wird Momente wie diese vielleicht nur schwer nachvollziehen können - aber es dürfte kaum Eltern geben, die das Kino trockenen Auges verlassen.

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So ist "Verstehen Sie die Béliers?" sicher nicht die große Filmkunst, die mancher aus dem Land der großen Filmkünstler vielleicht noch immer erwarten mag. Die Komödie ist Massenware, die sich, wie die anderen französischen Erfolge der letzten Zeit auch, seinem Publikum anbiedert und schwierige Themen als Rundum-Wohlfühl-Paket aufbereitet. Der emotionale Kern der Geschichte aber bleibt von diesem Budenzauber unberührt; er erzählt offen und unverstellt von einer zutiefst berührenden menschlichen Erfahrung.

Verstehen Sie die Béliers?

Frankreich, Belgien 2014

Regie: Eric Lartigau

Buch: Stanislas Carre de Malberg, Victoria Bedos

Darsteller: Louane Emera, Karin Viard, François Damiens, Eric Elmosnino, Roxane Duran, Luca Gelberg, Ilian Bergala, Stephan Wojtowicz

Verleih: Concorde

Länge: 106 Minuten

Start: 5. März 2015

Offizielle Website zum Film 

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