Verwirrung um "Indiana Jones" Mexiko oder Peru? Hauptsache Hollywood!

Kommen die Inka aus Mexiko und die Maya aus Peru oder umgekehrt? Egal, dachten sich offensichtlich die Macher des neuen "Indiana Jones" - Films. Im "Kristallschädel" werden die beiden Kulturen in einen Topf geworfen. Die Südamerikaner sind empört.


Lima - Ein mexikanischer Held, der peruanisch spricht, mexikanische Inka im peruanischen Urwald, mexikanische Pyramiden in Peru. Mit den Tatsachen nimmt es der neue "Indiana Jones" nicht so genau. Weder geographisch noch sprachlich. In "Indiana Jones und der Kristallschädel" wird von dem mexikanischen Revolutionshelden Pancho Villa gesagt, dass er die alte peruanische Sprache Quecha gesprochen habe. Die gleiche Sprache sprechen die mexikanischen Maya-Kämpfer im peruanischen Urwald, die Indiana das Leben schwer machen.

Beides ist nicht möglich. "Das ist so, als ob in einem Film Wikinger Spanisch sprechen würden" sagt Professor Jürgen Golte, Experte für Altamerikanistik der Freien Universität Berlin im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Die Quecha-Sprache wird noch heute in Peru von acht Millionen Menschen gesprochen. Die Mexikaner werden beim Sehen des Films ebenfalls schnell merken, dass ihr Nationalheld Pancho Villa eine Sprache Perus spricht. Für den Experten Golte eine "dumme und unnötige Fahrlässigkeit". Schließlich bemerke ein Millionenpublikum den Fehler.

Die "Indiana Jones" - Filme sind dafür bekannt und geliebt, dass sie es mit historischen Tatsachen nicht so genau nehmen. Aber noch heute gesprochene Sprachen zu verwechseln, kann für die Aufnahme des Films schädlich sein. "Auch wenn es sich um einen Spielfilm handelt, sind viele Angaben einfach falsch", sagt der Historiker Manuel Burga. Er fordert, dass künftig Experten die Drehbücher auf diese Art von Fehlern prüfen sollten. Hugo Neyra, der Direktor der peruanischen Nationalbibliothek, sprach von "Barbarei".

Fehler, die nicht nur die Bewohner Südamerikas bemerken. Denn auch antike Stätten wurden an neue Orte verlegt. So die Pyramide Chichén Itzá aus dem mexikanischen Bundesstaat Yucatan, die im "Kristallschädel" im peruanischen Urwald auftaucht. Altamerikanist Golte wundert sich über die Naivität der Filmemacher. In Zeiten der Globalisierung hätten "Abermillionen Touristen" die Pyramide gesehen: "Die merken das sofort".

Die Südamerikaner sind nicht die einzigen, die sich auf den Schlips getreten fühlen. Auch aus Russland kamen Beschwerden wegen der negativen Darstellung der russischen Kommunisten. "Indiana Jones und der Kristallschädel" ist der vierte Film in der Reihe um den umtriebigen Archäologieprofessor Henry "Indiana" Jones.

ibl/AFP



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