Erschossene Kamerafrau Halyna Hutchins »Ein unglaubliches Talent« in einer Männerbranche

Die Welt kennt Alec Baldwin, der am Set des Films »Rust« den tödlichen Schuss abfeuerte. Doch wer war Halyna Hutchins, die Kamerafrau, die dabei starb?
Halyna Hutchins: »Sie hat elf Jahre lang unermüdlich gearbeitet«

Halyna Hutchins: »Sie hat elf Jahre lang unermüdlich gearbeitet«

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Fred Hayes / SAGindie / Getty Images

Halyna Hutchins lächelt in die Kamera. Sie filmt sich selbst dabei, wie sie ein Pferd reitet, inmitten einer kargen Landschaft. »Einer der Vorteile beim Drehen eines Westerns ist, dass man an seinem freien Tag reiten kann«, steht unter dem Video, das inzwischen über 1,7 Millionen Mal aufgerufen wurde .

Es ist der letzte Instagram-Clip, den die Kamerafrau postete – bevor sie am Set des Westernfilms »Rust« offenbar versehentlich vom Hollywood-Schauspieler Alec Baldwin erschossen wurde.

Neben Baldwin selbst reagierten weitere Kolleginnen und Kollegen der gebürtigen Ukrainerin mit Bestürzung auf den Tod der 42-Jährigen. Adam Egypt Mortimer, Regisseur des Superhelden-Films »Archenemy« aus dem Jahr 2020, an dem Hutchins als Kamerafrau mitgearbeitet hatte, nannte sie auf Twitter ein »brilliantes Talent« . Er sei »so wütend, dass so etwas an einem Set passieren konnte«. Joe Mangianello, Hauptdarsteller von »Archenemy«, twitterte: »Ein unglaubliches Talent und ein großartiger Mensch.« 

Geschichten, die auf echten Menschen basierten

Einen Hauch des Talents, Geschichten spannend zu erzählen, kann man an der Kurzbiografie auf Hutchins' eigener Webseite ablesen: Sie wuchs demnach auf einem sowjetischen Militärstützpunkt am Polarkreis auf, »umgeben von Rentieren und Atom-U-Booten« . Sie fing an, sich für Filme zu interessieren, weil »es draußen nicht so viel zu tun gab« .

Zunächst studierte sie Wirtschaftswissenschaften, wandte sich dann in Kiew dem Journalismus zu. »Mein Wechsel vom Journalismus«, sagte sie einmal, »begann, als ich bei britischen Filmproduktionen in Osteuropa mitarbeitete, mit Crews zu abgelegenen Drehorten reiste und sah, wie der Kameramann arbeitete.« Geschichten, die auf dem Leben echter Menschen basierten, hätten sie fasziniert.

Halyna Hutchins 2019 am Set von «Archenemy»

Halyna Hutchins 2019 am Set von «Archenemy»

Foto: Adam Egypt Mortimer / dpa

Sie beschloss, sich dem Filmemachen zu widmen und ging in die USA, wo sie laut dem Magazin »American Cinematographer« »alle möglichen Jobs als Produktionsassistentin« annahm. Zudem machte sie Ausflüge in die Modefotografie, um mehr darüber zu lernen, »wie man eine Stimmung, ein Gefühl erzeugt«. Sie studierte am namhaften American Film Institute in Los Angeles und arbeitete als Kamerafrau – in einer Männerdomäne.

Sidra Smith, eine Casting-Direktorin, die mit Hutchins zusammengearbeitet hat, schrieb auf Instagram, Hutchins' Tod breche ihr das Herz. »Rust« sei eine Riesenchance für sie gewesen, Kamerafrauen hätten es schwer in der Branche.  Die Kamerafrau Catherine Goldschmidt sagte der BBC, es sei auch so traurig, wenn man bedenke, »was noch vor ihr lag« . Hutchins hinterlässt einen Sohn. Ihr Mann, Matthew Hutchins, sagte dem Portal »Insider«: »Ich denke nicht, dass es Worte gibt, um die Situation zu beschreiben.«

»Rising Star«

2019 kürte »American Cinematographer« Halyna Hutchins zu einem »Rising Star«. Sie arbeitete laut der Online-Datenbank IMDB als Kamerafrau an 32 Filmproduktionen mit ; darunter Kurzfilme, Dokumentationen und Spielfilme wie das Rassismus-Drama »Blindfire«, der Horrorfilm »Darlin'« – und der Western »Rust«.

Die »Los Angeles Times« berichtete, Mitarbeiter am Set des Films hätten sich über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen beschwert. Sie beklagten demnach auch schlechte Bedingungen wie lange Arbeitszeiten. Unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtete die Zeitung weiter, mehrere Mitarbeiter der Kamera-Crew hätten wenige Stunden vor dem tödlichen Vorfall aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen den Drehort verlassen.

Die Regisseurin Olia Oparina, die mehrfach an der Seite von Halyna Hutchins gearbeitet hatte, schrieb über den Tod ihrer Kollegin auf Instagram : »Sie hat elf Jahre lang unermüdlich gearbeitet, und ihre Karriere hat gerade erst in diesem Jahr angefangen, Fahrt aufzunehmen. Und sie endet auf diese Weise?«

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