"Whiskey Tango Foxtrot" mit Tina Fey Kommt ne Kriegsreporterin nach Kabul

Witze über den Krieg, kann das gutgehen? Nach Bill Murray versucht sich auch Tina Fey mit "Whisky Tango Foxtrot" an einer Komödie vor der Kulisse des Afghanistan-Konflikts - und scheitert.
"Whiskey Tango Foxtrot" mit Tina Fey: Kommt ne Kriegsreporterin nach Kabul

"Whiskey Tango Foxtrot" mit Tina Fey: Kommt ne Kriegsreporterin nach Kabul

Foto: Paramount Pictures

Die US-amerikanische Öffentlichkeit würde Afghanistan anscheinend am liebsten vergessen. Während der Irak - und in den letzten Jahren Syrien - die Schlagzeilen dominieren und die Massen begeistert in Filme wie "American Sniper" strömen, kommt der Krieg am Hindukusch, in den die USA mittlerweile seit 15 Jahren verwickelt sind, höchstens noch in der Truppenabzugsdiskussion vor.

Selbst Hollywood gelingt es nicht, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Alle ernsthaften Afghanistan-Filme der letzten Jahre waren verlässliches Kassengift. Gleich zwei prominente US-Komödianten versuchen sich jetzt daran, dem Konflikt mit Humor beizukommen - und beißen sich, wie zahlreiche Invasionsarmeen vor ihnen, die Zähne an Kabul aus.

Es war ein echtes Wagnis für Tina Fey, sich in dem nun in Deutschland startenden Film "Whiskey Tango Foxtrot" als blauäugige Kriegsjournalistin Kim auf dieses Terrain zu begeben, nachdem kurz zuvor Bill Murray mit "Rock the Kasbah" als abgehalfterter Musikproduzent auf Afghanistanmission spektakulär gescheitert war.

Fotostrecke

"Whiskey Tango Foxtrot": Kassengift Afghanistan-Konflikt

Foto: Paramount Pictures

Zumindest geben sich die "WTF"-Regisseure Glenn Ficarra und John Requa ("Crazy Stupid Love") redlich Mühe, nicht den "Homeland"-Kardinalfehler zu begehen und ein x-beliebiges ethnisches Hintergrundrauschen als Kabul zu verkaufen, darauf vertrauend, dass es den Zuschauern schon nicht auffallen wird. Der Film, dessen Abkürzung nicht nur als militärischer Code, sondern auch als "What The Fuck" zu lesen ist, zieht seine komischen Momente auch aus dem Spiel mit den Erwartungen westlicher Zuschauer. Zum Beispiel, als Kim in bescheidene Schlabberklamotten gehüllt zu einer Hochzeit erscheint und feststellen muss, dass alle afghanischen Gäste höchst modern aufgebretzelt sind.

"Eat Pray Love" im Bombenhagel

Größere Filmfettnäpfchen werden auch vermieden, indem sich die Handlung, die auf der Autobiografie der US-Reporterin Kim Barker ("The Taliban Shuffle") beruht, recht eng an vertrautere westliche Gefilde hält. Denn "WTF" spielt zum Großteil im absurden Kosmos der ausländischen Kriegs- und Krisenreporter, von ihnen selbst "Kabubble" - die Kabul Blase - getauft. Der Afghanistankrieg dient hier eigentlich nur als Kulisse für die Selbstfindungsreise einer Frau in der Midlifecrisis. "Eat Pray Love" im Bombenhagel sozusagen.

Tina Fey, die solche Männerwelten bereits in der Serie "30 Rock" und immer wieder auch in ihren Sketchen für den Comedy-Klassiker "Saturday Night Live" parodierte, spielt ihre Stärken da aus, wo "Whiskey Tango Foxtrot" die ironisierte Version einer weiblichen Selbstermächtigung inmitten der Testosteronwelt der Kriegsreporter erzählt.

Richtig daneben liegt der Film in seiner Darstellung eigentlich nur in Form des zum Borat-artigen Klischee verkommenen Politikers Ali Massoud Sadiq (Alfred Molina), der sich aus unerfindlichen Gründen in die Protagonistin verguckt und sich fortan als Karikatur eines seiner Männlichkeit beraubten Machos durch allerlei peinliche Begegnungen tänzeln muss. Die westlichen Männer kriegen da immerhin die Chance, ein wenig Tiefgang zu erreichen, bevor sie der Lächerlichkeit preisgegeben werden.

Vor dem "Schneller, härter, gefährlicher"-Sog der "Kabubble" sind aber auch die Frauen nicht gefeit, das beweist die einzige andere weibliche Figur vor Ort. Tanya Vanderpoel (Margot Robbie) ist zunächst engste Freundin des Neuankömmlings, erweist sich dann aber als schärfste Konkurrenz, die für eine gute Geschichte alle Loyalitäten sausen lässt.

Empathie, aber keine Haltung

Die Solidarität unter den Frauen fällt beruflichem Ehrgeiz zum Opfer, diesen Seitenhieb erlaubt sich der Film, im Wesentlichen fokussiert er aber auf die aufgeblasenen männlichen Gockel.

Kims Fahrer Fahim (leider mit dem Amerikaner Christopher Abbott besetzt) ist der einzige der Männer, der nicht als Karikatur angelegt ist. Dieser Figur ist es zu verdanken, dass der Film nicht auf dem platten Level einer Komödie vor exotischem Hintergrund verharrt, sondern so etwas wie Empathie für den realen Hintergrund seiner Protagonisten entwickelt. Dennoch fehlt es zu oft an einer klaren Haltung zum Sujet, die auch eine Comedy ja durchaus haben kann.

Stattdessen verliert sich "Whisky Tango Foxtrot" zwischen Komödie und Drama. Zu viele Themen werden angeschnitten, zu viele Handlungsstränge, wie die Liebesgeschichte zwischen Kim und dem Kriegsfotografen Iain (Martin Freeman), sind vorhersehbar und laufen ins Leere. An der US-Kinokasse blieb der Film vielleicht auch wegen dieser Unentschiedenheit deutlich hinter den Erwartungen zurück, auch wenn er nicht so brutal scheiterte wie zu Beginn des Jahres "Rock the Kasbah". Bill Murray hat es wahrscheinlich einzig seinem Ikonenstatus zu verdanken, dass man ihm den albernen Ritt durchs Klischee nicht so übel nimmt wie der Film es verdient hätte.

Vielleicht ist der Afghanistan-Konflikt schlicht so komplex und verworren, dass auch exzellente Vertreter ihres Fachs wie Fey und Murray daran scheitern, ihn für eine breitere Öffentlichkeit greifbar zu machen. Bis auf Weiteres bleibt das Thema - ob in ernsthafter oder komödiantischer Form - ein für Filmemacher ziemlich unwegsames Terrain.

Im Video: Trailer zu "Whiskey Tango Foxtrot"

"Whiskey Tango Foxtrot"

USA 2016

Regie: John Requa, Glenn Ficarra

Drehbuch: Robert Carlock, Kim Barker

Darsteller: Tina Fey, Margot Robbie, Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Alfred Molina

Produktion: Tina Fey, Lorne Michaels, Ian Bryce, Charlie Gogolak

Verleih: Paramount Pictures

Länge: 112 Minuten

Start: 2. Juni 2016

"Whiskey Tango Foxtrot": Offizielle Website (Englisch) 
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.