Witz aus der Konserve Witz aus der Konserve: "Man on the moon" - Platte "Biografiecomedy

Der Mondmann - Milos Forman verfilmt mit Jim Carrey die Geschichte der amerikanischen Komiker-Ikone Andi Kaufman.

Von Cristina Moles Kaupp


Mondmann in Action
Concorde

Mondmann in Action

Wie jeder schlechter Witz findet auch "Der Mondmann" seine Lacher. Schließlich geht es Milos Forman um Comedy, genauer: um den Cheftrainer für amerikanische Lachmuskeln - Andy Kaufman. Dessen Biografie hat er nachgezeichnet, von der bereits schräg angesägten Kinderstube bis zum frühen Krebstod 1984 als 35-Jähriger. Und darüber hinaus: Witze im Kaufman-Stil - zuerst der Abspann und dann der Film, eine kleine Einstimmung für Kenner des eigentlich Unergründlichen: dem amerikanischen Humor. Ein zwanghaft grimassierender Jim Carrey durfte Kaufman sein penetrantes Gummigesicht leihen, und ein anderer, der sonst für peinliche Jokes herhalten muß, hat endlich den ruhig Part erschwischt: Dany DeVito spielt seinen Agenten Forman zeigt den Komiker als Mann ohne Eigenschaften, der nur unterhalten will und hinter seiner Fassade verkümmert. Anfangs präsentiert sich Kaufman als schüchterner Stand-up-Comedian und Elvis-Imitator, findet Anklang und gerät in die Medien-Maschinerie. "Taxi" heißt die Sitcom für den Massengeschmack - nur widerwillig schlüpft er in die Rolle des Mechanikers Latka Gravas, doch das Publikum liebt diesen Tölpel mit seinem gebrochenen Englisch. Zum Ausgleich braucht Kaufman dringend ein Ventil und erfindet Tony Clifton, einen aufgedunsenen, fettsträhnigen Widerling, dem kein Gag zu abgeschmackt, keine Pointe zu schal erscheint. Er liebt die permanente Verunsicherung und Beschimpfung des Publikums, gibt sich zynisch und destruktiv.

Wenn getürkte Bildstörungen die Fernsehzuschauer verzweifelt zu ihren Flimmerkisten rennen lassen, entspricht das voll Kaufmans Geschmack. Action will er und keine Performance. Einmal las er sogar den ganzen "Great Gatsby" von Fitzgerald vor, anstatt live den geforderten Latka zu geben. Forman wühlt genüsslich in diesen Anekdoten, stürzt sich auf Kaufmans Schattenseiten. Etwa, wenn der selbsternannte "Inter-Gender-Wrestling Champion" mit obszönen Macho-Sprüchen Frauen ordentlich einheizt, um sie anschließend auch im Ring physisch in Grund und Boden zu stampfen. Ätzend. Wo endet Kaufmans Maske? Kommt dahinter überhaupt ein Mensch zum Vorschein? Die Fragen werden oft gestellt, die Antworten bleiben aus. Statt dessen der lausige Verweis auf die Tränen der Clowns. Kaufman bleibt ein Rätsel, und daran krankt der Film. Zu viele schlechte Gags, zu wenig Story. Stimmt das: Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Man on the Moon (Der Mondmann), USA 1999, R: Milos Forman, Buch: Scott Alexander, Larry Karaszewski, Kamera: Anastas Michos, D: Jim Carrey, Danny DeVito, Courtney Love, Paul Giamatti, Vincent Schiavelli, Vertrieb: Mutual Film International, Länge: 102 Minuten



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