"Woman On Top" Essen, Eros und Exotik

Mit "Woman On Top" zeigt die venezolanische Regisseurin Fina Torres, dass man eine spritzig gemeinte Komödie über die Zusammenhänge von Essen und Erotik nicht nur an der attraktiven Hauptdarstellerin aufhängen darf.

Von Simone Mahrenholz


Auch diese Sensation rettet den Film nicht: Penelope Cruz als Isabella
Twentieth Century Fox

Auch diese Sensation rettet den Film nicht: Penelope Cruz als Isabella

Dieser Film verfügt über eine These und eine Sensation. Die These lautet: Erotische Verführung und Kochkunst gehören eng zusammen. Zum Glück ist die Sensation etwas weniger abgedroschen: Sie besteht in der spanischen Hauptdarstellerin Penelope Cruz, bekannt aus Pedro Almodovars "Alles über meine Mutter". Obwohl sie in diesem Film kaum mehr zu verkörpern hat als eine sexy Fernsehköchin auf der Suche nach sich selbst, verleiht ihre Authentizität dem Film derartig viel Intimität und Ausstrahlung, dass der Verlauf der Geschichte dann doch Interesse weckt. Natürlich hat aber auch die bloße Attraktivität der Cruz viel damit zu tun.

Essen, Eros, Exotik - das sind die drei Standbeine des Films der Venezolanerin Fina Torres. Sie lässt die Brasilianerin Isabella (Cruz) zunächst glücklich mit ihrem Gatten in der kleinen Hafenstadt Bahia ein Restaurant leiten: Genauer gesagt leitet Gatte Toninho (Murilo Benicio) das Restaurant und tanzt abends mit den Gästen, während Isabella auf Grund ihrer phänomenalen Koch-Begabung in der Küche steht, dort kulinarische Kunstwerke kreiert und dem Treiben ihres Gatten zusieht. Isabella hat einige kleine Macken, darunter einen gestörten Gleichgewichtssinn, der sie im Bett stets die obere Position einnehmen lässt. Ihr Leben verläuft glücklich - bis der Gatte, der sich von Isabellas "Tick" als Mann degradiert fühlt, eines Tages fremdgeht. Isabella ist schockiert. Gebrochenen Herzens flieht sie nach San Francisco zu ihrer Freundin, dem schwarzen Transvestiten Monica (Harold Perrineau Jr.), auf der Suche nach einem neuen Lebensziel.

Monica bringt ihr nicht nur die wichtigsten Lebensweisheiten in Sachen Liebe und Erotik bei, mit ihrer Hilfe gelingt ihr auch ein neuer Start: als exotische Fernsehköchin. Die Zuschauer brennen danach, Isabella den Zusammenhang zwischen erotischer Schärfe und Peperoni erklären zu sehen - zumal sie dies in vollendeter Unschuld aber mit atemberaubendem Dekolleté tut. Als der untröstliche Toninho schließlich aus Bahia anreist, um seine Frau zu suchen, entdeckt er sie prompt auf dem Fernsehschirm einer Bar, was ihn - musikalisch um die Gunst seiner Liebsten werbend - direkt zu ihr ins TV-Studio führt. Das hebt die Einschaltquote: Bald werden Toninho und seine Band zum festen Bestandteil der Kochshow. Darüber ist wiederum der in Isabella verliebte Fernsehproduzent (Mark Feuerstein) nicht gerade glücklich, was die gleichzeitig erblühende und erbitterte Frau endgültig in die Sinnkrise stürzt.

Das alles ist mit maximaler Konzentration auf die optischen Elemente des Kochens, der angedeuteten Erotik und der massiven kulturellen Gegensätze zwischen Brasilien und San Francisco inszeniert. Irgendwie bleibt darüber aber der Inhalt auf der Strecke: Die Geschichte und die vermittelten Lehren sind seicht und kindlich. Einzig würziges Element bleibt - trotz oben erwähnter Sensation - dann doch Monica, der Transvestit: Wie sagt sie/er irgendwann zu Toninho: "Du bist ein romanischer Macho, ein altmodischer Heterosexueller - das ist doch altes 20. Jahrhundert!" Da braucht man nichts hinzuzufügen.

"Woman On Top". USA 2000; Regie: Fina Torres; Drehbuch: Vera Blasi; Darsteller: Penelope Cruz, Murilo Benicio, Harold Perrineau Jr., Mark Feuerstein; Länge: 90 Min.; Verleih: Fox; Start: 2. November 2000



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