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"Survival of the Dead": Unsterbliches Amerika

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Zombiefilm "Survival of the Dead" Auch Tote wollen leben

Nicht totzukriegen, diese Zombies: In seinem neuem Film "Survival of the Dead" stilisiert Regieveteran George A. Romero die Untoten-Hatz zum postapokalyptischen Western. Doch die lebenden Leichen sind hier nicht mehr Erzfeinde - sondern gehören zur Familie.

Mit 17 hat man noch Träume, mit 70 bleiben immerhin Alpträume: Regisseur und Autor George A. Romero, Jahrgang 1940, kann auch im Alter die Zombies nicht ruhen lassen. Ebenso rastlos wie die wandelnden Toten fügt der Grandseigneur des amerikanischen Horrorfilms mit "Survival of the Dead" seiner stilbildenden Wiedergänger-Saga nun ein weiteres Kapitel hinzu.

Mehr als 40 Jahre nach Romeros epochaler "Night of the Living Dead" (1968) ist natürlich kein fundamental neuer Schockmoment zu erwarten. So vertraut sind die Untoten mittlerweile, dass ihr Auftreten heute eher für Wiedersehensfreude denn für Grauen sorgt. Entsprechend entspannt hat Romero seinen sechsten "Dead"-Film im Stil einer elegischen Westernballade inszeniert. Dabei gelingt es ihm dennoch, einem eigentlich wohlbekannten Untergangsszenario noch überraschende Einsichten abzutrotzen.

Am Anfang steht jedoch das Déjà-Vu: Wieder einmal wandeln Millionen hungriger Zombies durch ein postapokalyptisches Amerika, während wenige Überlebende im rücksichtslosen Existenzkampf den Verfall der sozialen Ordnung weiter vorantreiben.

Tödliche Verwandtschaft

In dieser entsolidarisierten Restwelt schlägt sich der lakonische Sergeant Crocket (Alan Van Sprang) mit einer Handvoll desertierter Soldaten der US-Nationalgarde durch. Bei einem Scharmützel mit marodierenden Hinterwäldlern befreit der Trupp eher unfreiwillig einen jungen Mann (Devon Bostick) - in einer auch an Umgangsformen armen Notgemeinschaft schlicht "Boy" genannt - und gelangt so an einen Geldtransporter mit gefülltem Tresor.

Auf der Suche nach einem Zufluchtsort stoßen sie auf die bizarre Internet-Videobotschaft von Patrick O'Flynn (Kenneth Welch), der seine vor der Küste Delawares gelegene Heimatinsel Plum Island als Refugium anpreist. Die schwerbewaffnete Reisegruppe fährt gen Hafen und trifft dort auch tatsächlich auf den gar nicht so wohlmeinenden O'Flynn. Erst nach einer fast fatalen Auseinandersetzung zeigt sich der irisch-amerikanische Patriarch zur Kooperation bereit und setzt mit ihnen über.

Wie die Neuankömmlinge erfahren müssen, ist das vermeintliche Paradies Schauplatz einer alten Fehde zwischen O'Flynns Familie und dem Clan von Seamus Muldoon (Richard Fitzpatrick). Mit der Auferstehung der toten Angehörigen eskalierte der Konflikt, denn während sich O'Flynn der Zombie-Verwandtschaft mit Kopfschüssen entledigen wollte, plädierte Muldoon für Domestizierung und fragwürdige Versuche zur Nahrungsumstellung bei den unglücklichen Menschenfressern.

Schließlich wurde O'Flynn von Muldoon verbannt, weshalb seine jetzige Rückkehr mit den Soldaten im Schlepptau einen Showdown unvermeidlich macht. Die Frage ist nur, wer am Ende angesichts der diversen Fronten zwischen Menschen und Zombies stehen bleiben wird, ob nun untot oder lebendig.

Erst sterben, dann überleben

Vor pastoraler Landschaftskulisse lässt Romero seine aus der Zeit gefallenen Revolverhelden mit Stetson und Staubmantel zum Duell antreten. Das mutet zwar streckenweise wie die Karikatur eines John-Ford-Westerns an, doch so entstehen zugleich prächtige Schauermotive. Etwa wenn ein untotes Cowgirl mit weißen Augen auf ihrem Pferd durch die Dämmerung galoppiert: der Zombie als weiblicher Ghost Rider, mit dem sich Romero vor Washington Irving und Johnny Cash zugleich verneigt.

Gegen diese poetischen Ausflüge in die American Gothic steht das gewohnt rabiate Verhalten der Zombies, die sich gierig zu Hirn und Herz der Menschen durchbeißen. Doch immer weniger sind sie das dämonisierte Fremde, sondern Teil der Familie.

Es ist diese evolutionäre Entwicklung, die Romeros Splatterkino mit linksliberaler Agenda auszeichnet: Sie begann einst mit der Anklage von Rassismus und Krieg ("Night of the Living Dead"). Es folgten die Konsumkritik ("Dawn of the Dead"), das Versagen des militärisch-industriellen Komplexes ("Day of the Dead") und der spätkapitalistische Klassenkampf ("Land of the Dead"). Schließlich führte sie in die mediale Selbstbespiegelung einer sich selbst verschlingenden Gesellschaft ("Diary of the Dead"). Und nun mündet dieser Reigen in eine paradox-poetische Erkenntnis: Auch die Toten wollen leben.

Darum versteht man den schwarzhumorigen Country-Horror von "Survival of the Dead" am besten als ein obskures Stück amerikanischer Folklore. Romeros Zombies sind längst nicht mehr nur ein Absatz in der Genregeschichte, sondern ein unsterblicher Teil des Landes und seiner Geschichte geworden.

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