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Gestorben Klaus Scharfschwerdt, 68

aus DER SPIEGEL 25/2022
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ARTCO-Berlin / ullstein bild / picture alliance

Er wurde in Ost-Berlin geboren und blieb da. Er lernte Tischler, studierte Musik und trommelte bei verschiedenen Bands, bevor er 1979 bei den großen Puhdys Gunther Wosylus am Schlagzeug ersetzte, der die Band aus familiären Gründen verlassen hatte. Wosylus sagte mal, er sei der einzige Musiker gewesen, dessen Ehe noch intakt war. Klaus Scharfschwerdt war deutlich jünger als die anderen und blieb wie Ron Wood bei den Rolling Stones bis zum Schluss »der Neue«. Als er kam, hatten die Puhdys bereits einige Greatest-Hits-Alben veröffentlicht, aber die erfolgreichen Jahre waren noch lange nicht vorbei. Keine Ost-Band verkaufte so viele Platten, in den West-Nachrufen auf Scharfschwerdt war nun allerdings wieder viel von »Kultband« die Rede, als wären die Puhdys ein Phänomen wie die Spreewaldgurke. Scharfschwerdt galt als still und zuverlässig; bei wenigen Liedern hört man seine Stimme. In »TV-Show« singt er: »Du bist der Fernsehliebling der Nation / Man kennt dich auch in der Sowjetunion«. Mehrmals wurde er bester Schlagzeuger der DDR, eine Statistik für die Ewigkeit. Die Band löste sich vor sechs Jahren auf, vor zwei Jahren starb Bassmann Harry Jeske, jetzt folgte ihm der Trommler. Klaus Scharfschwerdt starb am 10. Juni in Berlin an Lungenkrebs.

aos
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