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Bücher Knetende Hände

Marlene Stenten: »Großer Gelbkopf. Luchterhand, 140 Seiten; 14,80 Mark (kartoniert: 4,80 Mark).
aus DER SPIEGEL 47/1971

Dies, so formuliert der Klappentext mit lustiger Logik, sei »eine Liebesgeschichte, also eine Geschichte. in der Liebende enttäuscht werden«. Also ein Anti-Segal. Im übrigen liest sich diese Love-Story ebenso rasch wie jene.

Volksschullehrer Baudemann, seit neun Jahren verheiratet, hat Rückenschmerzen und sucht einen Masseur auf. Unter dessen knetenden Händen wird plötzlich alles anders: Eines Morgens holt Baudemann die jugendlichen Röhrenhosen aus dem Schrank und fängt an, mit den Hüften zu wackeln.

Der Lehrer hat seine homosexuellen Neigungen entdeckt, die er zunächst seinem Masseur. dann, mit mehr Erfolg, einem seiner Schüler zuwendet. Und schon geht es bergab mit ihm. Er verläßt Weib und Kinder, geht außer Landes, sucht sich einen Matrosen. tritt in einem Kabarett auf, findet einen Reichen, der ihn aushält, verliert durch dessen Eifersucht sein bequemes Auskommen und endet in einem surrealen Heim für heruntergekommene Homosexuelle als Küchenfrau.

Die Berliner Buchhändlerin Marlene Stenten, 36, hat ihr literarisches Debüt in beachtlicher Lieblosigkeit heruntererzählt. Im Unterschied zu den meisten Schilderern homosexueller Schicksale versucht sie nicht. Proselyten zu machen. Und das ist ja inzwischen auch schon was wert,

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