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MUSIK »Kompletter Wahnsinn«

Der Musiklehrer und Erfinder Johannes Beyreuther, 79, ansässig in Kolbermoor bei Rosenheim, über eine von ihm entwickelte Reform-Notenschrift
aus DER SPIEGEL 4/2000

SPIEGEL: Herr Beyreuther, sind neue Noten wirklich nötig?

Beyreuther: Ja. Die meisten Menschen werden durch die komplizierte gewöhnliche Schreibweise abgeschreckt, überhaupt ein Instrument zu lernen. Dabei könnten Noten so einfach lesbar sein.

SPIEGEL: Wie das?

Beyreuther: Wir haben im Abendland nur zwölf Töne, die sich über alle Oktaven wiederholen. Im herkömmlichen System stehen die entsprechenden Noten aber immer wieder an anderer Stelle. Hilfslinien, Schlüssel und Vorzeichen machen den Wahnsinn komplett. Tonarten-Vorzeichen wirken so, als stünde in einem Buch am Anfang: Alle e sind als f zu lesen. Hauptfehler war, die C-Dur-Tonleiter als Grundlage zu benutzen.

SPIEGEL: Wie sieht Ihre Alternative aus?

Beyreuther: Darin werden die zwölf Töne als sechs volle und sechs offene Punkte dargestellt, die stets am gleichen Ort auf den Linien stehen. Vorzeichen und Schlüssel fallen weg; selbst Notenhälse und Pausenzeichen werden unnötig. Man sieht sofort den Aufbau der Komposition.

SPIEGEL: Kann man danach spielen?

Beyreuther: Na sicher, vor allem, wenn man die von mir gebauten Tastaturen verwendet. Meine Frau, die sich für unmusikalisch hielt, hat darauf spielen gelernt, ohne dass ich ihr eine Note beibringen musste. Inzwischen habe ich begeisterte Mitstreiter in der ganzen Welt, etliche zum Beispiel in China.

SPIEGEL: Und was sagen Musikverlage?

Beyreuther: Die sind ein Problem. Sie sitzen so in ihrem System drin, da ist kaum etwas zu machen.

SPIEGEL: Will jemand nun Liszt ohne Vorzeichen-Tücke spielen, was muss er tun?

Beyreuther: Ich kann ihm die Noten liefern. Zusammen mit einigen Mitarbeitern habe ich schon viele Stücke in das neue System übertragen.

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