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Komponisten

aus DER SPIEGEL 4/1972

Zwei Fakten aus dem Leben Robert Schumanns (1810 bis 1856) gehören zum Bildungsgut deutscher Bürger: daß der Komponist im Wahnsinn endete und daß er durch den Gebrauch eines Fingerstreckers seine Karriere als Klaviervirtuose frühzeitig zunichte machte. Das zweite kann der britische Musikwissenschaftler Eric Sams nunmehr widerlegen, das erste begründen. Anhand bislang nicht beachteter Quellen -- unter anderem Akten einer Leipziger homöopathischen Klinik, in der Schumann Patient war -- versucht er nachzuweisen, daß das Handleiden eine rheumatische Erkrankung war, die auf eine chronische Metallvergiftung zurückzuführen sei. Diese Erklärung ist plausibel, da zu Schumanns Zeiten die Syphilis mit Quecksilber kuriert wurde. Daß der Musiker an dieser Krankheit litt, war vermutet worden; wo er sie sich geholt hat, glaubt Sams jetzt zu wissen: Schumann soll sich als Student 1829 in Leipzig angesteckt haben. In der Tat: Noch im gleichen Jahr klagte der Komponist erstmals über starkes Ohrensausen, ein Syphilis-Symptom. Über die Todesursache -- progressive Paralyse -- besteht für Sams nun kein Zweifel mehr.

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