»Drittgrößter Wirtschaftszweig« Kreativwirtschaft schließt historisches Bündnis

»Koalition Kultur- und Kreativwirtschaft«: Musikindustrie, Medien, Verlage und Kunstbetriebe schließen sich zusammen – und stellen Forderungen an die Politik, die sie bislang zu wenig ernst genommen habe.
k3d ist ein offenes Bündnis der Interessenvertretungen aus den Bereichen Bücher, Mode, Journalismus, Musik, Games, TV, Radio, Film, Veranstaltungen, Galerien, Architektur und Design

k3d ist ein offenes Bündnis der Interessenvertretungen aus den Bereichen Bücher, Mode, Journalismus, Musik, Games, TV, Radio, Film, Veranstaltungen, Galerien, Architektur und Design

Foto: Koalition Kultur- und Kreativwirtschaft

Systemrelevant sei sie schon auch, die Kultur- und Kreativbranche, hieß es zu Beginn der Pandemie, schließlich biete sie den Menschen Ablenkung, spende Trost. Dass die Branche aber viel mehr kann und ist, das will pünktlich zur heißen Phase der Koalitionsverhandlungen ein neues Bündnis deutlich machen.

Die »Koalition Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland« betont Größe und Potenzial ihrer Branche. Schließlich sei sie nach Automobilindustrie und Maschinenbau der drittgrößte Wirtschaftszweig im Land.

Mitglieder der Initiative sind unter anderem der Deutsche Designtag, die Bundesverbände der Galerien und Kunsthändler sowie jene der Musikindustrie und der Zeitungsverleger.

»Wir wollen, dass die Politik uns als Branche ernst nimmt«, sagte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, in einem Pressegespräch am Dienstag. Daher fordert die Initiative eine zentrale Anlaufstelle in der neuen Bundesregierung: »Das ist längst überfällig.«

Dabei gehe es auch darum, »Missverständnisse auf beiden Seiten abzubauen«. Gerade in der Pandemie sei einmal mehr deutlich geworden, dass man immer wieder durchs Raster falle. »Es wird immer wieder versucht, uns durch die Kulturbrille durchzudeklinieren«, so Drücke weiter. »Wir fallen zwischen den Stühlen runter. Das ist inakzeptabel.«

Für ein eigenes Kulturministerium aber werbe man nicht. »Für uns steht im Vordergrund, dass man innerhalb der neuen Bundesregierung eine hochrangige Person oder Ebene benennt, die sich der Bedürfnisse der Kreativwirtschaft annimmt«, teilte Drücke auf SPIEGEL-Nachfrage mit. »Unabhängig von dieser Diskussion wird es wichtig bleiben, dass die ökonomische Relevanz im Bundeswirtschaftsministerium hochrangig begleitet wird.«

»Wir fördern Demokratie, Vielfalt und Nachhaltigkeit«

Zusammengefunden habe man sich trotz im Detail so unterschiedlicher Interessen und Forderungen während der Coronakrise.

»Uns ist klar geworden, dass wir nicht weiterkommen, wenn wir alle unsere Einzelforderungen herunterrattern«, sagte Daniela Beaujean. Die Geschäftsführerin des Verbands privater Medien (VAUNET) betonte zudem die Rolle der Branche »als Innovationsmotor, als Transformator, als Treiber in Digitalisierung«. Es sei die Kultur und -Kreativbranche, die in den großen Themenfeldern der Koalitionsverhandlungen – Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Bildung – genreübergreifend innovative Lösungen anbiete und das Expertenwissen habe, diese umzusetzen. Auch der gesellschaftliche Einfluss der Branche sei enorm, so Beaujean: »Wir fördern Demokratie, Vielfalt und Nachhaltigkeit.«

Künftig solle nicht mehr über die Branche, sondern mit ihren Vertreterinnen und Vertretern entschieden werden. »Um unser Potenzial heben zu können, muss der Politik klar sein, was wir brauchen«, sagte Birgit Maria Sturm, Geschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG): »Es ist Zeit für ein Empowerment der Kulturwirtschaft durch die Politik.«

sak/uk
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.