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Krimi-Empfehlungen

aus DER SPIEGEL 41/2003

Horst Ehmke: »Privatsache«. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main; 372 Seiten; 22,90 Euro.

Seit er sich aus der Politik verabschiedet hat, schreibt der ehemalige SPD-Grande Horst Ehmke, 76, mit beachtlichem Erfolg Kriminalromane. Diesmal geht es um Frauenhandel und internationale Machenschaften großen Stils. Martin Gassen, ein ehemaliger Entwicklungshelfer in Sierra Leone, sieht, längst wieder in Deutschland, in der Zeitung das Bild einer ermordeten Frau. Es ist seine Ex-Geliebte aus Afrika, die in Europa als Prostituierte gearbeitet hat. Die Polizei zeigt sich an dem Fall desinteressiert. Gassen beginnt selbst zu recherchieren, und reist nach Afrika.

René Appel: »Ein Opfer der Umstände«. Aus dem Niederländischen von Stefanie Schäfer; Schneekluth Verlag, München; 352 Seiten; 18,90 Euro.

Martin Hogeveen ist Unternehmensberater und soll eine hoffnungslos korrupte niederländische Behörde auf Trab bringen. Gleichzeitig kriselt es in seiner Beziehung zur jungen Carina, die sich von ihm eingeengt fühlt. Und dann gibt es da noch einen Sohn aus einer früheren Verbindung, von dem Martin noch nichts weiß: drei Fäden, an denen Hogeveen hängt und an denen er gleichzeitig zieht. Am Ende steht eine schreckliche Tat. Ein wunderbar erzähltes, psychologisch vielschichtiges Buch, für das René Appel, 58, zu Recht den Preis »Bester niederländischer Kriminalroman« bekommen hat.

Veit Heinichen: »Tod auf der Warteliste«. Zsolnay Verlag, Wien; 336 Seiten; 19,90 Euro.

In der Reihe der seit Jahren so überaus erfolgreich ermittelnden Regional-Kommissare (Henning Mankells Wallander im schwedischen Ystad etwa oder der Venezianer Guido Brunetti von Donna Leon) ist Proteo Laurenti aus Triest einer der kauzig-köstlichsten. Diesmal hat er es mit einem nackten Toten zu tun, der dem auf Staatsbesuch weilenden deutschen Bundeskanzler direkt vor die Limousine gerollt ist. Die Spuren führen zu einer exklusiven Schönheitsklinik, in der offenbar mehr abläuft als das lukrative Geschäft mit Silikon und Botox. Autor Heinichen, ein ehemaliger Verlagsmanager, wohnt seit einigen Jahren in Triest und beherrscht sein Krimi-Handwerk mit erfreulicher Professionalität.

Barry Eisler: »Tokio Killer«. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Scherz Verlag, Bern; 320 Seiten; 19,90 Euro.

John Rain ist Auftragskiller - einer der besten. Wenn er mordet, bleiben keine Spuren zurück. Nachdem er in Tokio einen Politiker in der U-Bahn liquidiert hat, läuft die Tötungsmaschinerie plötzlich unrund. Rain fühlt sich hintergangen und verfolgt. Seine Auftraggeber scheinen ihn zu benutzen. Aber wozu? Der Killer macht sich an die Tochter seines Opfers heran und verliebt sich prompt in die Jazzpianistin. Raffiniert geschriebener, origineller Thriller mit viel Tokioter Lokalkolorit.

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