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AUSSTELLUNGEN Krisenherd Kunst

aus DER SPIEGEL 2/2003

Wer glaubt, in der Hochkultur gehe es friedlich zu, der irrt. Auch Museen können zu Schlachtfeldern werden. »Mars. Kunst und Krieg« heißt die Schau, die am kommenden Freitag in der Neuen Galerie Graz eröffnet wird und in der viel Blut fließt (bis 26. März). Für seinen Film »Shoot« ließ sich der US-Künstler Chris Burden 1971 in den Arm schießen; sein Kollege Tony Tasset scheint in dem Video »Squib« aus dem Jahr 1996 brutal gegen eine Wand geschmettert zu werden - was an dieser hässliche rote Flecken hinterlässt. Der Norweger Bjarne Melgaard drapiert Rasierklingen und Messer zu Kunstinstallationen um, und seine Gewaltabbildungen landen auch schon mal auf dem Index für jugendgefährdende Schriften. Kein Wunder, dass die Ausstellungsmacher fragen: »Kann es sein, dass die Kunst nicht nur pazifistische Intentionen hat?« In Graz dürfte dieser Eindruck auf jeden Fall entstehen: Die Schau legt Wert auf die sachliche Dokumentation, aber auch auf die - von Künstlern nur zu gern fixierte - Aura der Gewalt. Und auf den Chic des Militärlooks. Parka, Schnürstiefel und jede Menge Männer in Uniform und Tarnanzug werden zu sehen sein, unter ihnen der Künstler Paul Smith, der in seinen Fotoserien stets selbst auftaucht, und das auf jedem Bild gleich in mehrfacher Ausführung. So kann er mit grimmiger Miene auf sein Ebenbild eindreschen.

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