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Kritik

aus DER SPIEGEL 8/1968

Georg Friedrich Händel: »Trauerhymne«. Das weihevolle Chorwerk, das der Barock-Brite aus Halle an der Saale 1737 zum Begräbnis der Königin Karoline von England komponiert und ein Jahr später in sein Oratorium »Israel in Ägypten« eingebaut hat, erscheint erstmals auf Schallplatte. In der von der Jungen Kantorei Mannheim und dem Heidelberger Kammerorchester schlicht musizierten Aufführung wird Händels Chor-Architektur, die in der Trauerhymne zu den himmlischen Höhen Palestrinas strebt, zu purem Pietismus. (Da Camera SM 94 020; 25 Mark.)

Jürg Baur: »Romeo und Julia / Heptameron / Quintetto sereno Divertimento«. Um die Neutäner noch besser propagieren zu können, verband sich die Plattenfirma Wergo mit potenten Musikverlagen. Das erste Gemeinschaftswerk (mit der Edition Breitkopf) kommt dem Düsseldorfer Konservatoriumsdirektor Jürg Baur, 49, zugute; Seine Orchester-,'Visionen« (nach Shakespeare) und Kammerpiècen zeigen raffinierte Klang- und Rhythmentechnik, die zu den zwölf Tönen noch Humor bietet, was den Stücken den Charakter der Tüftelei nimmt. (Wergo 70 001; 29 Mark.) Peter Rohland: »Lieder deutscher Demokraten«. Aus nachgelassenen Tonbändern des Chanson-Autors und -Interpreten (1933 bis 1966) ist eine Liederfolge gewonnen worden, die der vergeblichen Revolution von 1848 gilt. Rohland singt männlich und trotzig, aber mehr barsch als forsch, vom »deutschen Freiheitsmärz« -- teils eigene, teils weitbekannte Melodien zu Texten von berühmten wie von namenlosen Demokraten. Doch wirkt die Ironie der Abgeschlagenen manchmal klobig und die Wut auf »den von Gottes Gnaden« nicht ganz frisch. (Sang T 75 508; 19 Mark.)

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