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KRITIK

aus DER SPIEGEL 35/1967

Georg Friedrich Händel: »Chandos Anthems«. Was den deutschen Protestanten die Bach-Kantaten, sind den Anglikanern die Anthems. Englands Handel hat die Psalm-Kantaten für den als Oberzahlmeister der Queen Anne reich gewordenen Herzog von Chandos gleich im Dutzend komponiert. Zwei davon, »O Praise The Lord« und »Let God Arise«, bringt diese Aufnahme mit dem berühmten King's College Choir aus Cambridge als Muster hartnäckig traditionsbezogener Handel-Pflege im angeblich amusischen Stammland der Snobs. (Decca SMD 1523; 16 Mark.)

Max Reger: »Böcklin-Suite/Orgelwerke«. Die Folgen des Wehrdienstes und seiner Sturm-und-Trank-Zeit suchte der Fichtelgebirgler Max Reger mit der Komposition mächtiger Choralvorspiele und Fug en, die Angst vor seinem nahen Ende mit der musikalischen Illustration van Böcklins »Geigendem Eremiten« und der »Toteninsel« zu bewältigen. Daß er trotz großer Mühen beide Male jedoch nicht die besten Stücke hervorbrachte, können weder Nürnbergs Symphoniker noch der Orgelvirtuose Rudolf Zartner glaubwürdig kaschieren. (Colosseum MST 511; 21 Mark.)

Miles Davis Quintet: »Miles Smiles«. »Spiele ohne Vibrato«, wies ihn einst sein Trompetenlehrer in Samt Louis an, »wenn du älter bist, bibberst du sowieso.« Doch Miles Davis bibbert mit 41 immer noch nicht. Mit leichtem Ansatz und klarem Ton bläst der tiefschwarze Trompeter jubilierende Stratosphären-Soli ("Orbits") und verhaltene Cool-Balladen ("Circle") zum flexiblen Beat der gegenwärtig besten Rhythmus-Gruppe: Wayne Shorter (Saxophon), Herbie Hancock (Piano), Ran Carter (Baß), Tony Williams (Schlagzeug). (CBS S 62 933; 18 Mark.)

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