Sibylle Berg

Künstliche Intelligenz Warum sollte die KI uns ausrotten? Aus Langeweile?

Sibylle Berg
Eine Kolumne von Sibylle Berg
Noch ist die KI auf dem Stand einer besoffenen Feldmaus mit mathematischen Fähigkeiten. Doch auch die Zukunft müssen wir nicht fürchten: Wir haben nichts, worauf eine höhere Intelligenz neidisch sein könnte.
Babyhand greift nach Roboterhand: Was kann da schon schiefgehen?

Babyhand greift nach Roboterhand: Was kann da schon schiefgehen?

Foto: Westend61 / Getty Images

So furchtsam ist er, der Mensch in der Nacht. Wenn er liegt, ohne seine Uniform, ohne seinen sogenannten Gesichtsausdruck, liegt er da und schwitzt und ängstigt sich vor seinem Leben und seiner Arbeit. Ohne die, hat er gelernt, hat er kein Anrecht darauf, herumzulaufen.

Dem Menschen träumt von der KI, den Robotern, die ihn ersetzen. Im ersten Schritt nehmen sie ihm seine Arbeit in Banken, Versicherungen, am Zeichenbrett und im Labor. Und er – arbeitslos, ohne Anrechte – ist unnützes Gemüse und wird im Schritt zwei vom Roboter ausgemerzt.

Mit quietschenden Scharnieren und tapsigen Füßen kommen sie, mit einem Griff der eisernen Hand erledigen sie ihn. Der Mensch kann sich wenig vorstellen, was ihm nicht ähnelt. Der Mensch kann sich nicht einmal vorstellen, dass eine sich irgendwann selbst programmierende KI nicht das geringste Interesse an stumpfsinnigen Menschenjobs haben könnte. Versicherungen? My ass. Aber was ist mit der Ausrottung unserer Spezies?

»Warum sollten sie uns umbringen? Töten wir alle Ameisen, nur weil sie uns unterlegen sind?«, antwortete Professor Schmidhuber auf die Frage nach der Mordlustigkeit unserer zukünftigen Herrscher, der künstlichen Intelligenz. Schmidhuber muss es wissen, er entwickelt in Lugano, einem der Schweizer Superrechner-Standorte, Roboter, die im Moment noch weit entfernt von unserem großartigen Verstand sind. Also dem Verstand der fast ausschließlich männlichen, vornehmlich weißen Programmierer. Na, was kann da schon schiefgehen.

Einige Algorithmen können Drehbücher schreiben – auf Fernsehfilmniveau

Die KI töten im Moment noch gar nichts, außer man bestückte Drohnen mit Waffen und ließe deren Algorithmen aufgrund einer Suche in der biometrischen Gesichtserkennungsdatenbank Leute plattmachen. Aber bitte, wer sollte so was Dummes tun?

Die Intelligenz der gemeinen KI ist heute auf dem Stand einer besoffenen Feldmaus mit guten mathematischen Fähigkeiten. Sie löst Rechenaufgaben, kann prima Schachspielen und DNA-Ketten auswerten. Nun ja, einige Algorithmen können auch bereits Drehbücher schreiben, die dann das Level Schweizer Fernsehfilme haben. Also – immer noch kein Grund zur Sorge. Woher wissen wir eigentlich, wie klug Ameisen sind, fällt mir unzusammenhängend ein.

Unser Verstand. Der sogenannte Menschheitsverstand, ist ein funkelndes Stück Gold, das sich in all den Millionen Jahren, seit wir uns von der Affenfamilie verabschiedet haben, hervorragend entwickelt hat. Nicht exponentiell wie der Verstand der KI, aber immerhin. Beachtlich, wenn wir uns die Resultate unserer hirngetriebenen Evolution ansehen. Zum Beispiel hier  und hier  oder da .

Wir können Tretroller fahren, wir können PowerPoint, wir glauben, dass es eine soziale Marktwirtschaft und einen islamistischen Terror gibt. Also in der Schweiz. Wogegen ein Gesetz verabschiedet wurde. Ein gutes Gesetz, das Menschen präventiv verurteilt, falls sie die Absicht haben, terroristisch tätig zu sein. Ist Abtreibung eigentlich schon Terror am Volkskörper?

Schwamm drüber. Warum sollte die KI uns also ausrotten, aus Langeweile? Weil sie scharf auf unsere Tretroller ist, auf die glänzenden Führungsetagen oder die Kampfflieger?

Wir haben nichts, worauf eine höhere Intelligenz neidisch sein könnte. Einen lädierten Planeten, Diktatoren, seltsame Hobbys und Sushi.

Die KI benötigt außer Energie nichts. Die Energie, die gerade ein wenig knapp zu werden droht. Weil es dem menschlichen Verstand nicht gelungen ist, sie ausreichend zu produzieren, ohne auf endliche Rohstoffe zurückzugreifen oder Abfall zu hinterlassen, der eine Million Jahre den Planeten radioaktiv verseuchen kann. Egal. Energie also.

Und nun kommen wir zur Beantwortung der Frage. Es kann durchaus möglich sein, dass in absehbarer Zeit ein berechtigtes Interesse der KI besteht, den menschlichen Energieverbrauch drastisch zu reduzieren. Aber keine Sorge, denn die ethischen und moralischen Werte hat die KI von ihren Eltern, den anfangs genannten Programmierern, vererbt bekommen. Wir können also komplett entspannt auf unser natürliches Ableben warten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.