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Kunst

aus DER SPIEGEL 48/1971

Klagend sahen vor bald zwei Jahren Stuttgarts Kunstfreunde ein Hauptwerk von Otto Dix aus ihrer Städtischen Galerie abtransportiert -- nun haben sie ein Trostbonbon. Anstelle des gemalten Triptychons »Großstadt« von 1928 konnte das Museum die Entwurfszeichnungen übernehmen. Um die »Großstadt« hatte sich einst auch das Essener Folkwang-Museum beworben. Doch Dix, statt zu verkaufen, lieb das Werk 1965 zunächst nach Stuttgart, kündigte 1969 (vier Wochen vor seinem Tod) den Leihvertrag, und die Erben erfüllten seinen Willen, das Bild, gleichfalls leihweise, nach Essen zu geben. Kurzfristig (bis zum 5. Dezember) kam es nun zur bislang größten Dix-Ausstellung nach Stuttgart zurück und kann dort erstmals mit den noch kaum bekannten Vorzeichnungen verglichen werden -- leicht ramponierten Blättern, die modisch kostümierte »Großstadt«-Figuren als Akte vorbereiten. Das baden-württembergische Kultusministerium kaufte die Studien (nach einem Branchengerücht für 100 000 Mark) von der Berliner Antiquitätenfirma Weick und reichte sie als Dauerleihgabe an die Stadt-Galerie weiter. Hoffnung auf das gemalte Triptychon bleibt den Stuttgartern auch noch: Dix hatte ihnen 1966 ein Vorkaufsrecht verbrieft.

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