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Kunst: Sergel-Schau in Hamburg

aus DER SPIEGEL 22/1975

»Lasset die Kindlein zu mir kommen«, fordert ein fideler Heiland, und die Kleinen nahen sich ihm rückwärts mit nackten Hinterteilen. So enthüllt sich die Kehrseite eines Künstler-Werks, das für Zeitgenossen ein Inbegriff klassizistischer Formstrenge war. Der »schwedische Phidias« Johan Tobias Sergel (1740 bis 1814) kam mit marmornen Königs- und Götterbildern zu Ruhm, hinterließ aber außerdem als Zeichner ein völlig anderes, noch kaum entdecktes OEuvre. Sergel, ein Mann von »liberalem Cynismus« und »dionysischen Lebensgewohnheiten«, dem Korpulenz, Gicht und Melancholie schwer zusetzten, sprach sich in frei bewegten Zeichnungen depressiv-poetisch, scharf karikierend, auch obszön und blasphemisch aus -- noch eine problematische Künstler-Natur der Zeit um 1800. Nach Friedrich, Füssli, Blake wird jetzt der Zeichner Sergel von der Hamburger Kunsthalle bekannt gemacht.

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