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NEU IN DEUTSCHLAND Kurt Honolka: »Die großen Primadonnen«.

aus DER SPIEGEL 1/1961

Das überraschendste Kapitel ist das erste, in dem über die französische Urprimadonna Maupin ("La Maupin") referiert wird. Dieser Star der Pariser Oper des 17. Jahrhunderts frönte einerseits »maskulinen Passionen« und wurde nach Entführung eines sehr jungen Mädchens aus dem Kloster zum Tode verurteilt, war andererseits nach der Flucht dem Kurfürsten Maximilian Emanuel von Bayern als Mätresse untertan. Auch sonst übertraf die Maupin, was Skandale anbelangt, die »Tigerin« Maria Callas, über die Honolka plaudert, sie steigere sich gelegentlich »in die Kadenzen des Irreseins«. Das schließt nicht aus, daß Honolka die Callas bewundert. Er bewundert sie insgeheim alle - die Sängerinnen Baroni, Bordoni, Catalani, Sontag, Lind, Flagstad, Tebaldi und andere - und liefert als Musikkritiker eine bemerkenswert unkritische und als Journalist eine frappant unsensationelle Primadonnengeschichte, die indes als Fleißarbeit eines akribischen Schriftstellers wegen des sehr reichlich gebotenen Materials zum Gute-Stube-Lesebuch für Opern-Fans werden kann. (Cotta-Verlag. Stuttgart; 288 Seiten; 16,80 Mark.)

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