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Kurze Laufbahn eines Modernen

aus DER SPIEGEL 34/1987

»Das blau und grün angehauchte Haupthaar« bei einem Porträt wollte dem lokalen Rezensenten »ganz und gar nicht gefallen«; derlei »Aufdringlichkeit« verdarb ihm den »wahren Kunstgenuß«, als es 1913 in Osnabrück einen Sohn der Stadt als jungen, modernen Maler kennenzulernen galt. Zwei Jahre später war das verheißungsvolle Talent schon tot: erst 25jährig nach wenigen Tagen Fronteinsatz im Osten gefallen. Nun wird dieser Heinrich Assmann zum zweitenmal einer Osnabrücker Einzelausstellung gewürdigt (bis 30. August in der Museumsdependance »Akzisehaus). Sie liefert einen neuen Beweis, daß auch in der Provinz lohnende Entdeckungen der im Ersten Weltkrieg verlorenen Generation zu machen sind. Die Mini-Retrospektive mit 44 Schaustücken darunter 14 Ölbilder dokumentiert Assmanns kurzen Werdegang über die Stationen Worpswede und Berlin, über Jugendstil und Postimpressionismus bis zu expressionistischem Ausdruck, wie er in dem kritisierten Bildnis (seines Freundes Carl Emil Uphoff) und in leuchtenden Landschaften gerade anklingt. Den Krieg, der Assmann dann an weiterer Entwicklung hinderte, sah er ohne Illusionen. Er beschrieb ihn im Tagebuch ähnlich scharf und radikal wie später der Osnabrücker Erich Maria Remarque im Roman.

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