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Lächeln im Regal

aus DER SPIEGEL 41/1964

Kopfballtore deutscher Balltreter wie mahnende Worte zum Sonntag, das Lächeln der Petra Nettelbeck wie das Lachen von Peter Frankenfeld - alles, was deutschen Fernsehern lieb ist oder wert erscheint, können sie nunmehr konservieren und, stets vorführbar, wie eine Schallplatte im Regal hüten.

Auf der Berliner Industrie-Ausstellung, die am letzten Sonntag zu Ende ging, wurde das Fernsehstudio für den Hausgebrauch erstmals den Bundesbürgern präsentiert: Der »video recorder 3400«, von Ingenieuren des Elektronik-Konzerns Philips in Eindhoven (Holland) konstruiert, ist kaum größer als ein herkömmliches Radiogerät. Und ähnlich wie ein herkömmliches Tonband Sprache und Musik aufzeichnet, speichert beim Video-Recorder ein Kunststoffband magnetisch den Ton und das Fernsehbild - die Aufzeichnung läßt sich beliebig oft abspielen, schneiden und löschen.

Bis vor kurzem konnten TV-Bildfolgen nur mit Studiogeräten (Preis: 40 000 bis 200 000 Mark) aufgezeichnet werden. Das teakholzverkleidete Heimgerät der Philips hingegen wird für den Preis eines Mittelklassewagens oder eines zweitrangigen Nerzmantels feilgeboten: für 6900 Mark. Die Video-Bänder (Spielzeit: 45 Minuten) kosten je 300 Mark. Dazu kann der TV-Heimwerker eine schuhkartongroße Fernsehkamera erwerben (2500 Mark), mit deren Hilfe er häusliche Szenen oder sonstiges Motivgut direkt auf die Mattscheibe überträgen oder auf dem Video-Band speichern kann.

Die Philips-Version des Video-Recorders ist indes nicht das erste Gerät dieser Art, das in den Konstruktionsbüros entworfen wurde. Bereits im Frühjahr dieses Jahres präsentierte die amerikanische Elektronik- und Optik-Firma Fairchild ein TV-Bandgerät fürs Heim, dessen Serien-Produktion freilich erst im kommenden Jahr anlaufen soll. Die Ingenieure des japanischen Sony-Konzerns entwickelten gleichfalls ein TV-Heimkino (SPIEGEL 39/1964). »Das weltweite Rennen zum Markt der Video-Recorder« (so »New York Times") hat schon begonnen.

Den Zeitvorsprung, den die nerzteure Philips-Kreation buchen konnte, wollen die Konkurrenten mit wendigerem Preis-Kalkül wettmachen. Das US-Gerät von Fairchild soll - ebenso wie der TV-Bandkoffer aus Nippon - schon für den Preis eines mittelfeinen Persianermantels zu haben sein: rund 5000 Mark billiger als der Video-Recorder aus dem Land der Tulpenzwiebeln.

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