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Leary-Gesang

aus DER SPIEGEL 7/1973

»Macht das Ohr auf«, so warb 1970 der Berliner Musikverleger und Plattenproduzent Peter Meisel ("Hansa") für seine Schallplatten mit »neuer deutscher Popmusik«. Jetzt lauscht Meisel in den Weltraum und den Geräuschen der Seele. Denn von den rund 50 LPs, die ihm der Rock-Promoter Rolf-Ulrich Kaiser bislang für seine Marken »Ohr« und »Pilz« aufgenommen hat, haben sich vor allem sieben ausgeflippte Elektronik-Produktionen mit sogenannter Kosmischer Musik gut verkauft. Wie der »Kosmos«. fabuliert Kaiser, der seine Bands »Tangerine Dream« und »Ash Ra Tempel« am Donnerstag dieser Woche in Paris zu Werbezwecken zirpen läßt. basiere Musik »auf elektrischen Wellen. auf den Schwingungen des DNS-Codes«. Um derlei Tiefsinn noch besser vermarkten zu können« bringen Meisel und Kaiser die Weisheiten von »Magiern und Alchimisten« Philosophen und Psychologen« nun auf der neugeschaffenen Plattenmarke »Die Kosmischen Kuriere« heraus. Star ist der Drogen-Apostel Timothy Leary, der auf der Platte »Seven Up« eine »Führung durch die sieben Ebenen des Bewußtseins« vorsingt. Im fremdartigen Sphärengetön der Leary-Begleitband hören Meisel und Kaiser freilich auch schon den vertrauten Kassenklang: »Amerikanische Firmen bieten uns für die Rechte an der Platte bereits bis zu 100 000 Dollar an.«

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