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Leckere Legenden

Werner Keller: »Da aber staunte Herodot«. Droemer; 400 Seiten; 25 Mark.
aus DER SPIEGEL 15/1972

Die Antike gibt immer noch was her. Nachdem Bestseller-Autor Werner Keller, 62, jüngst erst bei den Etruskern ein Licht entdeckte, hat er nun seinen literarischen Urahn, den »ersten Sachbuchautor« Herodot, ausgegraben, neckisch illustrieren lassen und ihm auch gleich (siehe Bestseller-Liste) zu frischem, populärem Ruhm verholfen.

Freilich hat er sich's dabei leichtgemacht: Keller läßt den Griechen (etwa 485 bis 425 v. Chr.) zumeist selber erzählen. Und Herodot ist ein amüsanter Plauderer über alle möglichen volkskundlichen Kuriosa. So erfährt man von ihm -- via Keller -- beispielsweise, daß im alten Ägypten »die Frauen Harn im Stehen lassen, die Männer hingegen im Hocksitz«, oder daß die Tochter des Pharaos Cheops sich in einem Bordell dadurch ihre eigene Pyramide verdiente, daß sie »sich von jedem Mann, der mit ihr schlafen wollte, einen Baustein schenken ließ«.

In Kurzkommentaren, dem lockeren Erzählton des »Vaters der Geschichtsschreibung« angepaßt, versucht Keller im Legendengestrüpp jeweils zwischen »wahr« und »falsch« zu scheiden. Das ist nicht immer einfach. Aber Herodot war ja -- so der englische Philologe Denniston -- »ein unterhaltsamer alter Geselle, begabt mit grenzenloser Unglaubwürdigkeit«. Da kann nichts schiefgehen.

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