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SCHALLPLATTEN / NEU IN DEUTSCHLAND Lehár ja

Kurt Weill: »Symphonien Nr. 1 und 2«. BBC Symphony Orchestra; Dirigent: Gary Bertini. EMI ASD 2390; 25 Mark.
aus DER SPIEGEL 39/1968

»Franz Lehár ja; Weill nein. Seine Musik ist die einzige der Welt, in der ich überhaupt keine Qualität entdecken kann«, urteilte Arnold Schönberg über seinen Verehrer Weill.

Das war zu streng gesprochen, doch eines ist sicher: Ein bedeutender Symphoniker war der Busoni-Schüler und Brecht-Vertoner, der 1950 in New York starb, nicht -- weder in seiner expressionistischen Ersten Symphonie voller Mahler- und Schönberg-Rhetorik (1921) noch in seiner haydnisch inspirierten Zweiten (1933), deren freitonaler Trauermarsch, mit viel pathetischem Blech gefüllt, Selbstzitate aus »Mahagonny« und »Dreigroschenoper« bietet. Nur: Als Illustrator Brechtscher Dramatik klang der theatralische Volks-Komponist Weill eben um vieles pittoresker.

Und auch die Londoner BBC-Musiker, die beide Werke erstmals auf Platte offerieren, vermögen daran nicht viel zu ändern, im Gegenteil: Ihr Spiel klingt so farblos und verwischt, als wüßten sie nicht recht, was sie nun eigentlich mit diesem bisher kaum bekannten Hymniker anfangen sollen.

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