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Lehrjahre ohne Respekt

Alan Sillitoe: »Ein Start ins Leben Deutsch von Günter Eichel und Anna von Cramer-Klett. Diogenes; 500 Seiten; 24,80 Mark.
aus DER SPIEGEL 48/1971

Wie schon in früheren Büchern startet Sillitoes Held auch diesmal, darin seinem Autor gleich, in Nottingham. Aus dem Proletarier-Milieu ("Samstag Nacht und Sonntag Morgen") mit dem Kleinbürger-Himmel treibt ihn das Schimpfwort »Bastard«. denn seine flotte Mama hat keinen Vater für ihn. Der Knabe mit stets parater Potenz und ohne besonderen Eigentumsrespekt absolviert in London Lehr- und (als Goldschmuggler) Wanderjahre. ein fixer Kerl, bei dem »Hoffnung und Glück meistens zusammengehen«.

Sillitoe jagt seinen zungengewandten Lügenproleten. einen kruden Krull, durch unzählige Abenteuer, läßt ihn quasselnd erquickliche Weisheiten gewinnen und bremst ihn, diesmal, nicht durch ideologische Sandsäcke. Rasche Vermögensbildung kann er bei seiner Herkunft nur auf unkonventionelle Art betreiben, und dabei ist er so kaltblütig wie anderweitig heißblütig.

Noch nie hat Sillitoe derart drauflosfabuliert, ein angelsächsischer Garnspinner bewährter Tradition. der hier für lockeres Leben auch den lockeren Ton findet. Er schickt seine Typen aus Unter- und Halbwelt. die Mädchen und Miezen, Outlaws und Underdogs, zu immer neuen Begegnungen unter veränderten Umständen. Nur dann fällt ihm nichts Originelles mehr ein, wenn er sich, wie häufig, an eine Beischlaf-Beschreibung macht, und sei es auch ein Jetklokoitus.

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