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Leichtes Spiel mit Kunst-Juroren

aus DER SPIEGEL 34/1979

Fachbeiräte in Sachen Kunst sind für Parlamentarier und Verwalter oft hilfreich und bequem auch, weil keiner auf sie zu hören braucht. So setzte sich im Frühjahr die Münchner Universität ungeniert über die »Kunstkommission« für ihr Klinikum Großhadern hinweg: Der Schweizer Konstruktivist Max Bill bekam, trotz Kommissionsentscheid, keinen Kunst-am-Bau-Auftrag. Die beratenden Experten, darunter der Berliner Nationalgalerie-Direktor Dieter Honisch, protestierten gegen Manipulationen »außerhalb des vereinbarten Verfahrens«. Das Beispiel scheint aber den Stadtrat von Marl (Westfalen) nicht zu schrecken. Der hatte zum Wettbewerb für eine Außenskulptur einmütig eine Jury berufen, die »den auszuführenden Entwurf bestimmen« sollte; sie bestimmte ein Stahlplatten-Konzept des US-Bildhauers Richard Serra, ohne viel Rücksicht auf Politiker-Geschmack. Jetzt sprach die Mehrheit der (SPD-) Mehrheitsfraktion ein Veto gegen Serra, die CDU hat sich ohnehin auf den zweiten Preisträger festgelegt. Wer sich dabei mehr blamiert, würde am besten eine Jury entscheiden.

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