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Letzte Vorstellung im deutschen Kino?

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aus DER SPIEGEL 24/1985

Das Klagelied wiederholt sich jeden Sommer; diesmal ist es besonders schrill. Während 80 Prozent der Kinogänger sich nur für die Saisonrenner wie »Amadeus« oder »Beverly Hills Cop« interessieren, spielt der Rest der Filmkunst vor leeren Rängen. Die Branche rechnet in diesem Jahr mit einem Besucherrückgang von über 20 Prozent (1984: knapp 10 Prozent). »Düstere Zeiten« prophezeit Herbert Strate vom Hauptverband Deutscher Filmtheater. Die Arbeitsgemeinschaft Kino fürchtet für 1985 Pleiten bei einem Drittel der Lichtspielhäuser. Menahem Golan und Yoram Globus, die Chefs der amerikanischen Filmgesellschaft Cannon, haben darauf nur gewartet. Die aus Israel stammenden Vettern und Filmproduzenten ("Ekstase"), deren Cannon mit der endlosen Teenagerklamotte »Eis am Stiel« zum Branchenriesen geworden ist und die kürzlich den italienischen Zweig von Europas größtem Filmkonzern Gaumont aufgekauft haben, wollen »200 bis 300 Millionen Dollar« für den Ankauf deutscher Kinos ausgeben. In England und Holland hat ihr Rezept bereits Erfolg. Dort erzielen billig erstandene Häuser aus maroden Kinoketten nach teilweise aufwendiger Renovierung wieder Gewinne.

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