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SPEKTAKEL »Licht ist politisch«

Der Regisseur Gert Hof, 48, über seine umstrittene Lichtshow, bei der zum Jahreswechsel die Berliner Siegessäule von 250 Scheinwerfern beleuchtet werden soll
aus DER SPIEGEL 50/1999

SPIEGEL: Herr Hof, Kritiker werfen Ihnen vor, Sie ließen mit einer vom Nazi-Baumeister Albert Speer inspirierten Inszenierung jede »Distanz zur nationalsozialistischen Lichtästhetik vermissen«. Zu Recht?

Hof: Quatsch, nur weil ein paar Scheinwerfer zum Himmel zeigen, hat das doch nichts mit Albert Speer zu tun. Was wir vorhaben, ist vielmehr ein Kunstwerk zur Völkerverständigung. Die Musik dazu komponiert Mike Oldfield, ich kümmere mich um das Licht.

SPIEGEL: Um ziemlich viel Licht: Scheinwerfer, die 70 Kilometer weit leuchten und so viel Strom verbrauchen wie eine Kleinstadt pro Tag - wär's nicht auch ein bisschen dezenter gegangen?

Hof: Wenn es bewölkt ist, werden die Scheinwerfer nicht so weit kommen. Aber im Ernst: Wir wollen vor allem möglichst viele Menschen erreichen.

SPIEGEL: Arbeiten Sie deshalb diesmal nicht mit den für ihre Nazi-Ästhetik gescholtenen Rockmusikern von Rammstein zusammen? Immerhin gestalten Sie die Bühnen-Shows von Rammstein.

Hof: Ich kenne die Vorwürfe gegen Rammstein. Das sind sechs nette Jungs, die bei mir um die Ecke wohnen. Aber sie arbeiten gerade an ihrer neuen CD. Die Frage, ob sie Silvester an der Siegessäule auftreten, hat sich somit gar nicht gestellt.

SPIEGEL: Haben Sie mit dieser Debatte um Ihr Werk gerechnet?

Hof: Ich bin in der DDR aufgewachsen, da lernt man: Jede Kunst ist politisch. Auch Licht ist politisch. Es kommt nur darauf an, für was man es einsetzt.

SPIEGEL: Im nächsten Jahr dürfen Sie die Lichtinstallation für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Sydney gestalten. Fürchten Sie angesichts der aktuellen Negativschlagzeilen, dieses Projekt könne nicht zu Stande kommen?

Hof: Nein, man schätzt meine Arbeit überall. Zu Silvester werde ich zum Beispiel auch die Akropolis illuminieren - als erster Deutscher überhaupt.

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