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LITERATUR Liebe huckepack

aus DER SPIEGEL 43/2001

Liebesperlen«, heißt es in der Titelgeschichte, sind »winzige bunte Kugeln«, die »nach überhaupt nichts schmecken«. Mariana Lekys Erzählungen sind kleine, geschliffene Episoden, die ein gemeinsamer Erzählfaden verbindet wie Perlen auf der Schnur. Im Zentrum steht eine junge Frau, die von ihrer Familie und Kindheit erzählt, hauptsächlich aber von der Liebe. Die erste Geschichte beginnt mit einer Trennung: »Lars hat jetzt eine andere, was heißt, dass nichts jemals wieder gut wird.« Es folgen Episoden mit früheren männlichen Gegenspielern, die meistens nur nach ihrer Rolle oder Funktion benannt sind. »Der Hauptdarsteller« nimmt die Erzählerin regelmäßig huckepack, damit sie nicht auf Nacktschnecken treten muss. »Der Bräutigam« schickt vieldeutige Briefe mit Luftschokolade und redet von der »Liebe im Allgemeinen« und der »Liebe im Besonderen«. In den »Animateur« verliebt sich die Erzählerin im Alter von 14 Jahren, weil sie »achtmal ,Dirty Dancing'' gesehen« hat. Der Mann bringt ihr außerdem das Rauchen bei - »es war ganz leicht«. Die Geschichten der 28-jährigen Autorin sind einprägsam und spannend erzählt, obwohl eigentlich nie etwas Außergewöhnliches passiert. Ihre Sprache ist wohltuend unaufgeregt, aber bestechend klar. Diese Prosa nimmt gefangen wie Erzählungen einer guten Freundin, der man gern und voller Anteilnahme zuhört.

Mariana Leky: »Liebesperlen«. DuMont Buchverlag, Köln; 120Seiten; 29,80 Mark.

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