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Lieber Stein als Bismarck

aus DER SPIEGEL 34/1987

Soeben ist Franz Schnabels monumentale »Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert« - zuerst von 1929 bis 1937 erschienen - als dtv-Taschenbuchausgabe neu herausgekommen. Wie Heinrich von Treitschke konnte Schnabel (1887 bis 1966) sein Werk nicht vollenden. Beide schließen im Politischen noch vor 1848. Doch im Gegensatz zum kleindeutschen Nationalisten Treitschke war Schnabel ein überzeugter Demokrat, ein katholischer Liberaler, der weder Bismarck noch teutsches Wesen in den Himmel hob. Als Ordinarius an der TH Karlsruhe (von 1922 bis zu seiner Entlassung 1936; sein Werk wurde 1937 von den Nazis verboten) widmete er seinen dritten Band dem Thema »Erfahrungswissenschaften und Technik«, beschrieb »Die religiösen Kräfte« (Band 4) ebenso wie »Monarchie und Volkssouveränität« (Band 2) und gab in den »Grundlagen« (Band 1) einen grandiosen Rückblick auf die deutsche Geschichte im Rahmen Europas. Von 1947 bis 1962 lehrte Schnabel überaus erfolgreich in München, und der Münchner Geschichtsforscher Eberhard Weis schrieb zur Neuausgabe eine instruktive Einleitung. Englands berühmter Historiker George P. Gooch urteilte: »Seine begeistertsten Leser sind jene, die den Freiherrn vom Stein über Bismarck stellen und das milde Klima des Südens der scharfen Berliner Luft vorziehen« (dtv; 4 Bände in Kassette; 78 Mark).

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