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Literatur

aus DER SPIEGEL 22/1972

»Sprechstunden für die deutsch-französische Verständigung« nun auch, na also, auf französisch: Ludwig Harigs raffiniert-vergnügliches Buch wird gegenwärtig beim Verlag Belfont übersetzt eines von auffällig vielen deutschen Büchern, die derzeit oder demnächst in Frankreich herauskommen oder kürzlich erschienen sind. Gallimard allein bringt Heinrich Manns »Henri Quatre«, Kafkas »Briefe an Felice«, Trakls Gesammelte Gedichte und Christian Enzensbergers »Größeren Versuch über den Schmutz; im Herbst folgt Handkes »Torwart«. Grasset hat 10 000 Exemplare von Thomas Manns »Wälsungenblut« verkauft und bietet jetzt »Königliche Hoheit« sowie die Memoiren des Grafen Kessler. Der Verlag Fayard, der sich mit 50 000 verkauften Speer-Memoiren gut ausgepolstert hat, offeriert nun die Letztlinge von Remarque und Ceram, Seuil feiert Peter Härtlings »Familienfest«. Aber auch Simmels »Jimmy"« auch neue Werke von Deutschschreibern wie Thorwald und Konsalik werden den Franzosen in diesen Wochen nahegebracht. Und Hildegard Knefs »Geschenkter Gaul« galoppiert bei Laffont auf die dritte Auflage zu. Gibt es ein Generalmotiv für dieses kumulierte französische Interesse an deutschem Schrifttum? »Aus den Büchern«, sagt Gallimard-Lektor Francois Erval, »wollen die Franzosen vor allem erfahren, wie die Deutschen sind. Denn die Deutschen beschäftigen und beunruhigen sie sehr.« Allerdings, bei ihrer »Deutschstunde« sind die Franzosen ziemlich faul: Siegfried Lenz, schwerfüßiger Roman-Bestseller kommt bei Laffont nur mühsam voran.

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